Einsatz für Regionalsprache Schulen im Kreis Aurich für Plattdeutsch-Förderung ausgezeichnet
Drei Schulen im Kreis Aurich sind für ihre Plattdeutsch-Förderung vom Kultusministerium ausgezeichnet worden. Zwei bekamen sie das erste Mal.
Kreis Aurich – Für ihre Förderung der plattdeutschen Sprache sind drei Schulen im Kreis Aurich ausgezeichnet worden. Sie erhielten am Mittwoch von Kultusminister Grant Hendrik Tonne den Ehrentitel Plattdeutsche Schule verliehen, teilte das Ministerium mit. Erstmals bekamen die Hermann-Tempel-Gesamtschule in Ihlow und die Grundschule Im Spiet in Norden diese Auszeichnung. Die Grundschule in Middels qualifizierte sich dafür erneut. Fünf Einrichtungen wurde das Zertifikat am Mittwoch erstmals verliehen, neun weitere bekamen es erneut. Damit tragen jetzt in Niedersachsen 43 Einrichtungen den Titel Plattdeutsche Schule.
An den ausgezeichneten Schulen werde nicht nur Plattdeutsch gelehrt. Es gebe auch Fachunterricht, Theater oder Arbeitsgemeinschaften in der niederdeutschen Sprache, hieß es. „Die sogenannten kleinen Landessprachen Niederdeutsch und Saterfriesisch stehen in Niedersachsen wie kaum ein anderes Kulturgut für Authentizität, Identität und Diversität“, sagte Tonne. Eine Sprache zu erhalten, bedeute aber auch, dass sie gelernt und gesprochen werde. Das Kultusministerium geht aktuell von mehr als 300 Schulen in Niedersachsen aus, an denen Niederdeutschprojekte zum Bestandteil des Schullebens gehören.
Plattlotsen und Plattdeutsch als zweite Fremdsprache
Die Hermann-Tempel-Schule (IGS) Ihlow hat Plattdeutsch im Schulprogramm verankert, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Plattdeutsch sprechende Lehrkräfte führen in den Jahrgängen 3 und 4 Schüler im Deutschunterricht an die plattdeutsche Sprache heran. Die Schule nimmt regelmäßig an plattdeutschen Lesewettbewerben teil. Auf vielen schulischen Veranstaltungen treten Plattlotsen als Botschafterinnen und Botschafter ihrer Region auf, tragen plattdeutsche Lieder und Geschichten vor. Erwähnenswert sei auch der Auftritt zur Auftaktveranstaltung von Freedag ist Plattdag beim Ministerpräsidenten Stefan Weil sowie bei vielen Aktionen von Platt is cool. Hervorzuheben sei, so das Ministerium, dass die IGS mit einem vierstündigen Wahlpflichtkurs in Jahrgang 7 die Sprache Niederdeutsch im Rahmen des Projektes Modellschule Niederdeutsch in der Sek 1 als zweite Fremdsprache eingeführt hat und Pläne für das Unterrichtsfach Niederdeutsch an der IGS Ihlow erstellt.
An der Grundschule Middels unterrichten neben der Schulleiterin eine weitere Lehrkraft Plattdeutsch. Immersionsunterricht finde in allen Klassen 1-4 in den Fächern Musik und Sport statt. Die Schule erfüllt für das Ministerium „weiterhin alle Kriterien einer Plattdeutschen Schule“.
Räume auf Plattdeutsch beschriftet
Die Norder Grundschule Im Spiet fördert laut Ministerium im Unterricht und im Schulleben das regionale Bewusstsein und die plattdeutsche Sprache. Sieben Lehrkräfte unterrichten phasenweise auf Plattdeutsch. Obwohl es dort viele Schüler mit Migrationshintergrund gebe, finden Kunst- und Religionsunterricht teilweise auf Plattdeutsch statt. Plattdeutsche Lieder werden in allen Jahrgängen bei verschiedenen Aktivitäten gesungen. Die Rubrik Aktuelles wird auf der Homepage der Schule zusätzlich auf Plattdeutsch dargestellt. Die Beschriftung der Räume ist in plattdeutscher Sprache verfasst. Schüler können sich plattdeutsche Literatur und Spiele ausleihen sowie die plattdeutsche Sprachlern-App Plattino nutzen.
Umfragen zufolge verstehen bundesweit 17 Millionen Menschen die plattdeutsche Sprache, doch viel weniger sprechen sie noch, teilte die Deutsche Presse-Agentur mit. Wie dieses geändert werden kann, ist ein Thema der Vortragsreihe „Platt in unserer Zeit“, die beim Länderzentrum für Niederdeutsch in Bremen online abrufbar ist. In sechs Beiträgen geht es auch um Plattdeutsch in der frühkindlichen Mehrsprachigkeit oder um Mittelniederdeutsch als Sprache der mittelalterlichen Hanse. „Die Filme haben das Ziel, Platt-Experten und Platt-Entdecker gleichermaßen für die Studiengänge und das Erlernen oder Weitergeben der Sprache zu interessieren“, sagte Christianne Nölting, Geschäftsführerin des Länderzentrums. Die Niederdeutsch-Studiengänge der norddeutschen Unis forschen zu Plattdeutsch, bilden aber auch künftige Sprachlehrerinnen und -lehrer aus.