Brookmerland

Sportplatz-Planung: Fledermaus contra Flutlicht

| | 07.05.2022 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Über dem See am Tjücher Moortun und in den angrenzenden Bäumen wurden sechs verschiedene Fledermausarten bei der Jagd beobachtet. Foto: Thomas Dirks
Über dem See am Tjücher Moortun und in den angrenzenden Bäumen wurden sechs verschiedene Fledermausarten bei der Jagd beobachtet. Foto: Thomas Dirks
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Vor dem Bau der Sportanlage am Tjücher Moortun hat ein Gutachten Konfliktpunkte zwischen der Beleuchtung und der Tierwelt festgestellt. Die Verwaltung hat dazu eine Meinung.

Marienhafe - Seltene und gefährdete Fledermausarten fühlen sich in den Bäumen rund um den Kiessee am Tjücher Moortun und in anliegenden Bereichen wohl. Ein Gutachter hat 2016 bei mehreren Begehungen zu verschiedenen Tageszeiten festgestellt, dass in der Nähe der Fläche, wo die zentrale Sportanlage in Marienhafe entstehen soll, sowohl der Große Abendsegler als auch Wasser- und Teichfledermäuse, Zwergfledermäuse, Rauhautfledermäuse und die als stark gefährdet eingestuften Breitflügelfledermäuse anzutreffen sind.

Sein Gutachten ist nun Teil der im Rathaus öffentlich ausgelegten Unterlagen zum Bauleitverfahren für das lange umstrittene Sportzentrum. Sie können bis zum 24. Mai im Rathaus Marienhafe und auf der Internetseite der Samtgemeinde eingesehen werden.

Weitere Auslegung mit vollständigen Unterlagen folgt noch

Laut Bauamtsleiter Jochen Behrends handelt es sich dabei um eine frühzeitige Beteiligung, bei der die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange den Umfang der Unterlagen prüfen und Änderungen oder Ergänzungen anregen können. Bislang fehlen in den Unterlagen noch der Umweltbericht, das schalltechnische Gutachten, das Entwässerungskonzept und das Bodengutachten. Auch das sechs Jahre alte Fledermausgutachten soll in Kürze noch aktualisiert werden.

Es folge noch eine öffentliche Auslegung, in der alle planrelevanten Unterlagen öffentlich zu machen sind, so Behrends.

Nördlich des Kiessees am Tjücher Moortun (im Hintergrund) soll Brookmerlands Sportzentrum entstehen. Foto: Thomas Dirks
Nördlich des Kiessees am Tjücher Moortun (im Hintergrund) soll Brookmerlands Sportzentrum entstehen. Foto: Thomas Dirks

Doch zurück zu den Fledermäusen: Diplom-Biologe Lothar Bach aus Bremen hat drei Fledermausarten nachgewiesen, die in Niedersachsen als stark gefährdet eingestuft werden. Nämlich die Breitflügelfledermaus, die Rauhautfledermaus und die Teichfledermaus. Durch energetische Sanierungen verlieren sie generell an Lebensraum. Bei sieben Begehungen machte Bach insgesamt 454 Beobachtungen.

See ist Jagdgebiet für mehrere Arten

Die Breitflügelfledermäuse flogen über die Bundesstraße hinweg an. Ein Quartier wird beim Störtebekerturm vermutet. Im Spätsommer wurde auch ein Quartier an der Straße Tjücher Moortun entdeckt. Tiere dieser Fledermausart jagten vorwiegend entlang der Bäume an der Straße und rund um den See.

Die Rauhautfledermäuse jagten im gesamten Bereich des Sees sowie entlang der B 72. An der Straße vor allem nach 23 Uhr, wenn die Lampen ausgeschaltet waren. Auch Balzverhalten wurde südlich des Sees beobachtet. Mehrere Teichfledermäuse wurden über dem See jagend beobachtet. Diese Art ist wie Wasserfledermäuse, die ebenfalls beobachtet wurden, sehr lichtempfindlich und fliegt möglichst an unbeleuchteten Stellen.

Fläche der Sportanlage als eher wenig bedeutend für Fledermäuse eingeschätzt

Der Abendsegler jagte vor allem früh abends und morgens über den Weiden und dem See. Langohren jagten auf Weiden südlich des Sees stärker als auf den nördlichen, „wo der Sportplatz und die Feuerwehr hinverlegt werden soll“, wie es im Gutachten heißt.

Laut Bach wurden 2016 mehr Fledermausaktivität und auch mehr Arten beobachtet als bei einer Erfassung aus dem Jahr 2013.

Auch die Bäume an der Bundesstraße sind für Fledermäuse interessant. Allerdings sind einige Arten dort erst unterwegs, wenn die Beleuchtung aus ist. Diese Aufnahme mit Nebel ist schon ein paar Jahre alt. Foto: Werner Strube
Auch die Bäume an der Bundesstraße sind für Fledermäuse interessant. Allerdings sind einige Arten dort erst unterwegs, wenn die Beleuchtung aus ist. Diese Aufnahme mit Nebel ist schon ein paar Jahre alt. Foto: Werner Strube

Bach stuft die Grünlandflächen nördlich des Sees – also den Ort des Sportzentrums – als Elemente geringer Bedeutung für die Fledermäuse ein. Beim Bau einer Sportanlage sei aber von einer Störung der Rauhautfledermaus am Balzquartier auszugehen. Bach rechnet zudem damit, dass die Wasser- und Teichfledermäuse ihr Jagdgebiet und Flugwege rund um den See verlieren. Auf den Weiden nördlich des Sees verlieren zusätzlich fünf Arten ihr Jagdrevier.

Gutachter schlägt Lichtschutzwand vor

Um dies zu vermeiden, könnte laut Bach eine Lärm- und Lichtschutzwand errichtet werden. Alternativ könnten Flutlichter installiert werden, die kein Licht auf den See werfen.

„Sollte das Beleuchtungsproblem nicht gelöst werden, ist infolge eines möglichen Verlustes des Balzquartieres mit einem Artenschutzproblem zu rechnen“, hieß es 2016. Der Verlust der Jagdreviere durch Kompensationsmaßnahmen an anderer Stelle auszugleichen, dürfte laut Bach „sehr schwer werden“.

Behrends reagierte gelassen auf die Ergebnisse des sechs Jahre alten Gutachtens: „Bislang sind keine planungsrelevanten Einschränkungen zu erwarten.“

Sportanlage an der Stelle schon früh im Fokus

Doch warum machte Bach 2016 so ein Gutachten? 2015 entbrannte im Brookmerland ein Streit zwischen Feuerwehrleuten und Samtgemeindeverwaltung. Mitglieder einiger Wehren lehnten die Zentralisierung fast aller Gerätehäuser in Marienhafe ab. Die Samtgemeinde gab im Herbst 2015 dennoch bekannt, dass sie eine rund elf Hektar große Fläche am Tjücher Moortun für ein Feuerwehrhaus erwerben wolle. Für die Zentralfeuerwehr waren 2,5 Hektar im Gespräch.

Die ON berichteten damals, dass der Rest des Areals laut Samtgemeindeverwaltung für eine mögliche Erweiterung des Naherholungsgebiets Tjücher Moortun, als Ausgleichsfläche für neu erschlossenes Bauland oder zum Sandabbau genutzt werden könne.

Laut Verwaltung ging es schon beim Kauf auch um Sportplatz- oder Freizeitfläche

Anfang 2017 sprach Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) beim Neujahrsempfang erstmals vor Publikum von Plänen für eine zentrale Sportanlage. Da war die Begehung des Bereichs mit Blick auf eine kommende Sportanlage durch den Fledermausexperten schon abgeschlossen.

Laut Jochen Behrends stand die Fläche damals im Ganzen zum Kauf. Schon die Beschlussvorlage zum Erwerb der Flächen habe den Kauf mit einer Nutzung als Feuerwehr-, Sportplatz- oder Freizeitfläche begründet. Jahre zuvor sei auch mal ein Reisemobilplatz an der Stelle angedacht gewesen.

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