Aurich
Für einen Notfall ist vieles zu bedenken
Sollte der Strom länger ausfallen, würde sich der Alltag deutlich verändern. Ein Experte vom Landkreis Aurich gibt Tipps für die Vorsorge für Notsituationen.
Aurich - Schon in der Corona-Zeit begannen Auricher mit Blick auf eine mögliche Quarantänezeit, über Notvorräte nachzudenken. Mehl, Nudeln und Konserven wurden eingelagert.
Im sich unvorhersehbar entwickelnden Konflikt mit Russland könnten Cyberattacken gefährlich werden, wenn sie beispielsweise die Stromversorgung für längere Zeit lahmlegen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte deshalb am Wochenende der Bevölkerung empfohlen, einen Notvorrat anzulegen. Dabei wäre im Falle eines längerfristigen Stromausfalls auch mehr zu bedenken als das Anlegen eines Lebensmittelvorrats.
Experte vom Landkreis: Menschen denken stärker über Notlagen nach
Was rät Sascha Regolin vom Sachgebiet Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises Aurich?
Einen Notvorrat anzulegen, sei sinnvoll, aber keine Pflicht, so Regolin. Lange sei das Thema belächelt worden, aber inzwischen sei zu bemerken, dass die Leute ernsthafter darüber nachdenken. Die Corona-Zeit, die Überschwemmung im Ahrtal und der Ukrainekrieg hätten gezeigt, dass Ereignisse plötzlich viel verändern können. Man solle mit Augenmaß an das Thema herangehen, sich aber durchaus mal Zeit nehmen, um über die Auswirkungen eines Notfalls nachzudenken.
Informationen im Internet und im Kreishaus erhältlicn
Regolin weist auf Informationen zum Anlegen des Vorrats hin, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im Internet veröffentlicht hat und die auch im Kreishaus in gedruckter Form erhältlich sind.
Gleichzeitig betont Regolin aber auch, dass ein Notvorrat auch immer individuelle Aspekte hat. Wer kaum Platz in der Wohnung hat, kann möglicherweise beispielsweise keine großen Wasservorräte unterbringen, sollte aber zumindest auf einen gewissen Vorrat achten und diesen kühl, trocken und dunkel lagern.
Regolin: Notvorräte müssen individuell durchdacht werden
Regolin rät auch dazu, eine gewisse Menge Bargeld im Haus aufzubewahren, die für zwei übliche Wocheneinkäufe reichen würde - oder sogar etwas mehr. Wer allerdings wenig Geld zur Verfügung hat, wird sich damit schwertun.
Deshalb ist laut Regolin vor allem wichtig, sich grundlegende Gedanken zu machen, was im Notfall wichtig wäre und wie man so eine Situation am besten überstehen würde. Gegenseitige Hilfe zwischen Angehörigen, Freunden und Nachbarn spielt dabei natürlich auch eine große Rolle.
Trinkwasser ist ein sehr zentraler Bestandteil
Woran ist denn alles zu denken?
Lebensmittel: Das Bundesamt rät dazu, sich für mindestens drei, besser für zehn Tage mit Getränken und Lebensmitteln zu bevorraten. Auch wenn die Versorger sich auf Notfälle vorbereiten, kann laut Regolin ohne Strom auch die Trinkwasserversorgung zum Erliegen kommen.
Empfohlene Zusammensetzung eines Notvorrats
Pro Person ist für zehn Tage folgende Ration empfohlen: - 20 Liter Trinkwasser in Flaschen (man rechnet 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen) - 3,5 Kilogramm Getreide, Nudeln, haltbares Brot wie Knäckebrot, Kartoffeln - 4 Kilogramm Gemüse (teils frisch, teils in Konserven), Hülsenfrüchte - 2,5 Kilogramm Obst (teils getrocknet, teils in Dosen, teils frisch), Nüsse - 2,6 Kilogramm haltbare Milch, Milchprodukte - 1,5 Kilogramm haltbarer Fisch, haltbares Fleisch wie Konserven - 0,36 Kilogramm Fette, Öle - Sonstiges wie Salz, Brühepulver, Fertiggerichte, Süßigkeiten, Chips - Körperpflegemittel und Toilettenpapier - nach Möglichkeit 300 bis 500 Euro Bargeld Ein Notvorrat kann nach und nach eingekauft werden, sodass Sonderangebote genutzt werden können. Der Bestand sollte im normalen Alltag mit verbraucht und dann bald nachgekauft werden, sodass der Notvorrat nicht veraltet.
Deshalb sollte jedes Haushaltsmitglied pro Tag möglichst zwei Liter Wasser oder andere haltbare Getränke wie Saft einlagern. Sollte ein Notfall tatsächlich länger dauern, sei es sogar sinnvoll, wenn kalorienhaltige Getränke dabei seien, so der Fachmann.
Eingelagerte Lebensmittel müssen zubereitet werden
Bei den Lebensmitteln sollten die Auricher laut Regolin nicht nur die Liste der Behörden abarbeiten, sondern darauf achten, dass sie die Speisen auch zubereiten können, sie mögen und vertragen. „Wer nie kocht und backt, kann bei einem Stromausfall vermutlich mit Mehl erst recht nichts anfangen“, so der Experte.
Denn die Zubereitung auf einem Gaskocher macht die Sache nicht einfacher. Generell muss bedacht werden, dass Rohwaren wie Nudeln noch ohne die gewohnte elektrische Küchenausstattung zubereitet werden müssen.
2200 Kalorien pro Tag und Person
Das Bundesamt rät, pro Person und Tag rund 2200 Kilokalorien einzulagern. Auch Speziallebensmittel beispielsweise für Babys müssen dabei natürlich mit bedacht werden. Und auch Haustiere sollten bei der Planung nicht vergessen werden. Waren in Konserven und Gläsern sind lange haltbar. Auch Trockenprodukte verderben nicht so schnell.
Viele Ostfriesen lagern Vorräte in Kühltruhen. Bei Stromausfall halten die Geräte die Temperatur noch rund einen Tag und die Lebensmittel sollten laut Regolin zuerst verbraucht werden. Die können bei der Planung als Frischeanteil im Notvorrat betrachtet werden.
Medikamente nicht vergessen
Es gibt Rezeptbücher, wie das Buch „Kochen ohne Strom“ vom BBK, die für 9,99 Euro im Handel erhältlich sind. Die Auswahl ist aber noch größer. Viele dieser Bücher enthalten auch Tipps, wie man beim Kochen Energie sparen kann, beispielsweise, indem man die Lebensmittel im Topf nur bis zu einem bestimmten Punkt kocht und dann in eine Decke gewickelt zu Ende garen lässt.
Bei regelmäßig eingenommenen Medikamenten und dazugehörigen Hilfsmitteln sollte laut Regolin möglichst ein Vorrat für 12 bis 14 Tage im Haus sein - sofern das Verfallsdatum dies zulässt. Zudem ist ein kleiner Vorrat Standardmedikamente wie Grippe- und Durchfallmittel oder Schmerztabletten sowie Verbandszeug wichtig.
Brauchwasser im Trinkwasservorrat nicht enthalten
So viel Wasser, wie an zehn Tagen für Körperpflege und Sauberkeit gebraucht wird, lässt sich nicht einlagern. Für bestimmte Zwecke kann man laut Regolin das Wasser aus Gräben nutzen - beispielsweise als Toilettenspülung. Eimer, flache Behältnisse zum Schippen und Handpumpen sind hilfreich.
Wasseraufbereitungstabletten sind zudem nützlich, um keimfreies Wasser zu bereiten. Selbst wenn es nicht als Trinkwasser benötigt wird, lässt sich so keimfreies Wasser zum Zähneputzen erzeugen. Auch Abkochen des Wassers ist natürlich eine Möglichkeit.
Ohne Strom fallen viele Heizungen aus
Viele Gas- und Ölheizungen sowie Wärmepumpen funktionieren nur bei funktionierender Stromversorgung. Das wurde beispielsweise beim „Münsterländer Schneechaos“ im Dezember 2005 deutlich, als nach starken Schneefällen Tausende Haushalte bis zu einer Woche nicht mit Strom versorgt werden konnten. Wer eine Fotovoltaikanlage hat, kann den Strom nur nutzen, wenn auch die eigene Nutzung bei der Anlage technisch vorgesehen ist.
Laut Regolin sollte die Sonnenwärme zum Aufheizen von Räumen genutzt werden und bei Kälte sollten die Rollläden als zusätzliche Isolationsschicht heruntergelassen werden.
Brandschutz bei alternativen Heizquellen nicht vergessen
Wer einen Ofen oder Kamin hat, sollte ausreichend Brennstoff einlagern. Ansonsten können einzelne Räume mit mobilen Gasöfen geheizt werden, die mit 11-Kilogramm-Gasflaschen betrieben werden. Die Flaschen können schattig in Garage oder Schuppen gelagert werden.
Wer sich beim Heizen auf einen Raum konzentriert, die Flamme auf mittlere Stufe stellt und pro Tag nur sechs bis acht Stunden heizt, kommt laut Regolin mit zwei 11-Kilogramm-Gasflaschen für zehn Tage aus. Auf Brandschutz und die erforderliche Belüftung ist dabei allerdings zu achten, ein Feuerlöscher sollte im Haus sein. Der Lagerraum der Gasflaschen sollte zudem von außen deutlich gekennzeichnet sein, damit im Falle eines Brandes die Feuerwehr nicht von den Flaschen überrascht wird.
Solche Anschaffungen kosten durchaus und sollten entsprechend geplant werden. Am wichtigsten ist es laut Regolin, im Notfall nicht verschwenderisch zu sein.
Empfohlene Zusammensetzung eines Notvorrats
Pro Person ist für zehn Tage folgende Ration empfohlen: - 20 Liter Trinkwasser in Flaschen (man rechnet 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen) - 3,5 Kilogramm Getreide, Nudeln, haltbares Brot wie Knäckebrot, Kartoffeln - 4 Kilogramm Gemüse (teils frisch, teils in Konserven), Hülsenfrüchte - 2,5 Kilogramm Obst (teils getrocknet, teils in Dosen, teils frisch), Nüsse - 2,6 Kilogramm haltbare Milch, Milchprodukte - 1,5 Kilogramm haltbarer Fisch, haltbares Fleisch wie Konserven - 0,36 Kilogramm Fette, Öle - Sonstiges wie Salz, Brühepulver, Fertiggerichte, Süßigkeiten, Chips - Körperpflegemittel und Toilettenpapier - nach Möglichkeit 300 bis 500 Euro Bargeld Ein Notvorrat kann nach und nach eingekauft werden, sodass Sonderangebote genutzt werden können. Der Bestand sollte im normalen Alltag mit verbraucht und dann bald nachgekauft werden, sodass der Notvorrat nicht veraltet.
Kochen auf Gasherden oder am Grill
Speisen können auch ohne E-Herd auf Campingkochern mit Gaskartuschen zubereitet werden. Es gibt auch spezielle Kocher, die an 11-Kilogramm-Gasflaschen angeschlossen werden können. Laut Regolin müsste eine dieser Flaschen zum Kochen über zehn Tage ausreichen.
Auch Kohlegrills können genutzt werden, sofern Brennmaterial im Haus ist.
Treibstoff kann nicht lange gelagert werden
Es ist verboten, große Mengen Treibstoff zu Hause einzulagern. Ein schattig verstauter 10-Liter-Kanister Benzin kann aber nützlich sein, so Regolin. Dabei sei aber darauf zu achten, dass Benzin nur rund sechs Monate lagerfähig ist, bevor das Wasser beginnt, sich abzusetzen. Betankt man sein Auto mit solchem Benzin, könnte dieser Notvorrat zu Schäden am Motor führen und mehr kaputtmachen als er nützt.
Auch Tankstellen funktionieren mit Strom. Diejenigen, die ein Notstromaggregat haben, sind im Krisenfall den Rettungskräften vorbehalten, so Regolin.
Ein Auto grundsätzlich betriebsbereit zu halten, hat den Vorteil, dass dort auch Radiodurchsagen gehört werden könnten oder die Autobatterie zum Laden von Geräten genutzt werden könnte.
Teelichte gehören in jeden Haushalt
Taschenlampen und genügend passende Batterien sowie mindestens ein 100er-Pack Teelichter, einige andere Kerzen plus Streichhölzer sollten im Haus sein.
Mit zwei leicht unterschiedlich großen Tontöpfen, die mit den Öffnungen aufeinandergestellt und mit drei oder vier Teelichten gefüllt werden, können sogar kleine Kerzenöfen gebaut werden, die etwas Wärme abgeben.
Mobile Stromerzeugung
Da das Handynetz bei Stromausfall schnell zusammenbrechen könnte, ist ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio eine nützliche Hilfe, um Nachrichten empfangen zu können.
Laut Regolin gibt es im Handel auch Plug-and-Play-Solarpaneele zu kaufen. Sie sind rund 1,5 mal 2,5 Meter groß und können bei Sonnenlicht eine gewisse - nicht allzu große - Menge Strom erzeugen. Im Handel gibt es zudem kleine Solarpaneele für geringe Strommengen, mit denen beispielsweise Handys geladen werden können.
Regolin weist auch auf Inverterstromgeneratoren hin. Das sind kleine Notstromaggregate, die mit Benzin betrieben werden.
Ohne Dosenöffner kann es schwierig werden
Gerätschaften wie Feuerzeuge, Dosenöffner sind im Notfall nützlich. Auch Arbeitshandschuhe, Müllbeutel (damit der Müll auch ohne regelmäßige Abfuhr eine Weile gelagert werden kann), Einmalhandschuhe sowie Einwegbesteck (zum Wassersparen) können von Nutzen sein. Ebenso Arbeitshandschuhe, ein kleines Handbeil und eine Eistell- oder Kesselspritze, um Wasser pumpen zu können. Eine Löschdecke, ein Feuerlöscher, und auch genug Decken zum Warmhalten können im Notfall sehr wichtig sein.
Ausweise, Urkunden und Bankkarten sollten griffbereit sein
Regolin rät dazu, dass alle wichtigen Papiere und Dokumente wie Geburtsurkunden, Ausweisdokumente, Vorsorgeverfügungen, die Bankkarte, Wertpapiere in Papierform, wichtige Telefonnummern und Adressen und ähnliches an einem Ort verstaut werden.
Auch ein Fotoalbum könnte so ohne Suchen gerettet werden. In einem Notfall, beispielsweise bei einem Brand, habe man alles Wichtige dann sofort griffbereit, so Regolin. Alternativ könne man selten gebrauchte Dokumente auch sicher in einem Bankschließfach verstauen.