Aurich
Bericht: Zentralklinik-Vorbild braucht Millionen-Zuschüsse
Das Agaplesion-Klinikum Schaumburg wird bisweilen mit dem Projekt in Uthwerdum verglichen, auch weil Geschäftsführer Claus Eppmann dort tätig war. Nun kommen aus Südniedersachsen schlechte Neuigkeiten.
Aurich/Schaumburg - Viele Krankenhäuser in Deutschland haben derzeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Doch aus Ostfriesland geht der Blick bisweilen besonders in den Landkreis Schaumburg. Der Grund: Das Ende 2017 eröffnete Klinikum Schaumburg gilt als mögliches Vorbild für die Zentralklinik, weil es aus dem Zusammenschluss dreier Krankenhäuser entstand – und weil der hiesige Klinik-Chef Claus Eppmann dort einst federführend tätig war.
Doch das neue Krankenhaus auf der grünen Wiese kommt offenbar auch fünf Jahre nach der Eröffnung zumindest finanziell auf keinen grünen Zweig. Laut Berichten der „Schaumburger Nachrichten“ und der „Schaumburger Zeitung“ verhandeln die Geschäftsführer des Agaplesion Evangelisches Klinikum Schaumburg mit dem Landkreis über eine Finanzspritze von acht Millionen Euro bis 2025.
Im Oktober vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass das Klinikum Schaumburg 2020 ein Minus von 4,3 Millionen Euro erwirtschaftete. 2018 hatte es noch zwölf Millionen Euro betragen, 2019 dann acht Millionen Euro.
Im Jahr 2021 konnte der Verlust dank einer Drei-Millionen-Euro-Zuwendung von Mehrheitsgesellschafter Agaplesion auf 2,7 Millionen Euro gedrückt werden, heißt es in der „Schaumburger Zeitung“.
Bei Zentralklinik andere Eigentümerverhältnisse
Die dortigen Klinik-Verantwortlichen nannten dafür in einer Pressekonferenz am Donnerstag „Systemfehler“. So sei die Berechnung der Corona-Ausgleichszahlungen für frisch gegründete Klinken „in der Wachstumsphase“ nicht günstig. Ähnliches gelte für Abschlagszahlungen für bestimmte Leistungen. Daher sei die Ausgangslage für das neue Klinikum extrem schwierig, so die Verantwortlichen.Die Eigentumsverhältnisse in Schaumburg sind jedoch komplizierter als bei der geplanten Zentralklinik in Uthwerdum, die jeweils zur Hälfte dem Kreis Aurich und der Stadt Emden gehören soll. Der Agaplesion AG, einer Einrichtung der evangelischen Kirche, gehören 60 Prozent der Anteile, der Stiftung Bethel Bückeburg 30 Prozent und dem Landkreis Schaumburg zehn Prozent.
Zur Übernahme der Verluste ist aber laut „Schaumburger Nachrichten“ allein Mehrheitseigentümerin Agaplesion verpflichtet. Doch eine mögliche Insolvenz, ein Verkauf oder ein sogenannter Notlagentarifvertrag wären laut dem Bericht auch nicht im Interesse des Landkreises Schaumburg. Also könnte dieser finanziell aushelfen.
Auch hiesige Kliniken rechnen mit Anlaufverlust
Die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden hatte schon im April 2019 auf ON-Anfrage mitgeteilt, dass man die damaligen Zahlen aus Schaumburg nicht kommentieren wolle. Man rechne aber auch für die Zentralklinik in Uthwerdum mit Anlaufverlusten im zweistelligen Millionenbereich in den ersten zwei Betriebsjahren – und erst ab dem dritten Jahr mit schwarzen Zahlen.Anlaufverluste ergäben sich unter anderem durch hohe Umzugskosten sowie Kosten für die Abwicklung der Altgebäude. Auch sei in der Umzugsphase ein höherer Personaleinsatz notwendig. Zudem rechnen die Verantwortlichen damit, dass die Patienten sich zunächst eher abwartend verhalten.
Bereits 2018 hatte die Trägergesellschaft auf ON-Anfrage betont: „Es macht keinen Sinn, mit dem Finger auf andere Häuser zu zeigen, um darin einen Beweis dafür zu sehen, dass eine Zentralklinik in Ostfriesland nicht erfolgreich sein wird.“ Auch die Zentralklinik allein werde den akuten Fachkräftemangel nicht vollständig lösen können. Fest stehe aber, dass die Zentralklinik die Chancen verbessere, das Problem zu lösen.