Aurich

Nach vier Jahren: Viel Lob für neues Schulhelfer-Konzept

| | 04.05.2022 19:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schulhelfer, wie hier in Aachen, betreuen Kinder mit Handicaps auch im Unterricht. Foto: DPA
Schulhelfer, wie hier in Aachen, betreuen Kinder mit Handicaps auch im Unterricht. Foto: DPA
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Im Jahr 2018 gab es viele Diskussionen um die Arbeit und die Bezahlung der damaligen „I-Helfer“. Daraufhin wurden deren Arbeit umgekrempelt und ein „Pool-Modell“

Aurich - Immer mehr Fälle von Schülern mit Handicap, die Unterstützung brauchen – und immer höhere Ausgaben. Dazu ein großer bürokratischer Aufwand durch komplizierte Anträge, die Eltern stellen mussten. Diesen Herausforderungen sah sich die Auricher Kreisverwaltung vor vier Jahren gegenüber, berichtete Sandra Hoofdmann vom Sozialamt am Mittwoch in der Sitzung von Sozialausschuss und Jugendausschuss.

Dazu kamen Diskussionen über die relativ niedrige Bezahlung der Integrationshelfer, wie sie damals noch hießen. Mittlerweile heißen die Frauen und Männer, die Kinder mit Handicap im Schulalltag unterstützen, Schulbegleiter, die Bezahlung hat sich verbessert und vor allem arbeiten sie nach einem neuen „Pool-Modell“. Dabei gibt es keine Eins-zu-eins-Betreuung der Kinder mit Unterstützungsbedarf mehr, sondern flexible Betreuungsformen in kommunalen Schulverbünden. Zudem gründete der Kreis die Tochtergesellschaft Auno – eine gemeinnützige GmbH, bei der die Schulbegleiter angestellt sind.

Mittlerweile machen 75 Schulen im Kreis Aurich mit

Eingeführt wurde das neue Poolmodell zum Schuljahr 2018/19 – heute nehmen laut Hoofdmann 75 Schulen im ganzen Landkreis Aurich teil. Das Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ISM) hatte den Auftrag, das Projekt zu begleiten – und präsentierte nun nach vier Jahren ein Zwischenfazit. Geschäftsführer Heinz Müller zeigte sich geradezu begeistert. „Glückwunsch und Anerkennung.

Sie haben 2018 den Mut gehabt, das Projekt auszurollen. Sie sind bundesweit mit diesem inklusiven Konzept Vorreiter“, sagte der Pädagoge den Verantwortlichen beim Landkreis. In vielen Kommunen in Deutschland gebe es weiterhin die nicht mehr zeitgemäße Eins-zu-eins-Betreuung, so Müller.

Fallzahlen stärker gestiegen als die Kosten

Seine Kollegin Sybille Kühnel berichtete, dass die Fallzahlen für die Schulbegleitung im Kreis Aurich von 106 im Schuljahr 2011/12 massiv auf 562 in 2019/20 gestiegen waren. Im vergangenen Jahr ging die Zahl dann erstmals wieder zurück, auf 407, so Kühnel.

Dazu kommen allerdings noch rund 600 sogenannte „Präventivfälle“, bei denen die Kinder meist nur wenige Stunden pro Woche betreut werden müssen. Insgesamt seien damit also mehr als 1000 Kinder und Jugendliche im Kreis von der Schulbegleitung betroffen. Sie werden betreut von mittlerweile 386 Schulbegleitern.

Lob von Kreispolitikern

Die jährlichen Kosten für den Kreis lagen 2017/18 bei 4,3 Millionen Euro – und 2020/21 bei rund 6,9 Millionen Euro. Sie seien aber nicht so stark gestiegen wie die Fallzahlen, so Kühnel. Das sei eindeutig ein Erfolg des neuen Poolmodells. „Mit gleichem Geld wurden doppelt soviele Kinder erreicht“, so Müller.

Aus Reihen der Kreispolitik gab es durchweg Lob. „Am Anfang waren wir skeptisch. Aber heute stellen wir fest: Es hat gewirkt“, sagte Hans Forster (SPD, Norden). Die Schulbegleiter hätten durch die Auno zugleich eine bessere berufliche Perspektive. Heinrich Ubben (Freie Wählergemeinschaft, Leezdorf) sagte: „Für mich ist das eine Erfolgsgeschichte. Ich habe auch als Lehrer viele positive Erfahrungen damit gemacht.“

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