Südbrookmerland

Befragung: Eltern wollen offenbar eine Realschule

| | 03.05.2022 19:33 Uhr | 3 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem Fragebogen machten zahlreiche Eltern ihr Kreuz bei der Realschule. Foto: Holger Janssen
Auf dem Fragebogen machten zahlreiche Eltern ihr Kreuz bei der Realschule. Foto: Holger Janssen
Artikel teilen:

Zahlreiche Eltern in Südbrookmerland wünschen sich für ihre Kinder einen Platz an einer Realschule. Das ist das Ergebnis einer Elternbefragung. Eine andere in Rede stehende Schule fiel dagegen durch.

Südbrookmerland - Ein Stück kleiner geworden sind scheinbar die Chancen einer Ansiedlung der Freien Christlichen Schule Ostfriesland in Südbrookmerland. Grund ist das Ergebnis einer Elternbefragung zu weiterführenden Schulen. Zwar wurden die Ergebnisse bislang nicht öffentlich vorgestellt. Nach Informationen der ON können sich aber nur die Eltern von gut 50 Grundschülern vorstellen, ihre Kinder an eine solche Schule zu schicken. Eine andere Schulform scheint dagegen deutlich beliebter zu sein.

Wie berichtet, hatte die Verwaltung die Befragung auf eigene Faust und ohne direkte Beteiligung der Politik auf den Weg gebracht. So sollte in Erfahrung gebracht werden, welche Schulform sich die Eltern für ihre Kinder wünschen. Das Ergebnis ist eindeutig. Öffentlich präsentieren will die Gemeinde die Zahlen in einem Pressegespräch am Mittwochnachmittag. Teile der Politik erhielten die Informationen schon vor einer Woche. Wie berichtet, nahmen an dem Treffen jedoch nicht alle Fraktionen teil. Wer fehlte, erhielt die Infos auch auf Nachfrage nicht und wurde auf eine für Dienstag angesetzte Sitzung des Verwaltungsausschusses vertröstet.

Nur jeder sechste Fragebogen kam zurück

Den ON liegen die Zahlen aber mittlerweile auszugsweise vor. Insgesamt wurden laut Verwaltung Fragebögen an etwa 730 Kinder an den Südbrookmerlander Grundschulen verteilt. Etwa 60 Prozent, also rund 440 Fragebögen, kamen ausgefüllt zurück.

Mehr als 160 Eltern wünschen sich für ihre Kinder offenbar eine Realschule. Die gibt es in der Gemeinde jedoch nicht. Bislang wurde von vielen deswegen die Realschule in Aurich angewählt. Weil die aber aus allen Nähten platzt, erhalten dort künftig Auricher Schüler den Vorzug. Nur wenn bei einer maximalen Schülerzahl von 150 noch Plätze freibleiben, kommen Kinder aus umliegenden Gemeinden zum Zug.

FCSO ist Verlierer bei der Befragung

79 Eltern sehen ihr Kind laut der Auswertung auf einer IGS. Für sie gibt es dank der gemeinsamen IGS Marienhafe-Moorhusen also keine Probleme. Für 67 Kinder planen die Eltern den Besuch eines Gymnasiums. Den Besuch einer Außenstelle der Freien Christlichen Schule Ostfriesland (FCSO) in Moordorf können sich nur gut 50 Familien für ihre Kinder vorstellen. Die Planungen der Außenstelle hatten, wie berichtet, den Anlass für die Befragung gegeben. Ein Grund für das Ergebnis könnte sein, dass für den Besuch der Schule gezahlt werden müsste. 132 Euro erhebt die FCSO monatlich als Schulgeld, weist aber zugleich darauf hin, dass finanzielle Nöte der Familien nicht dazu führen müssten, dass die Schule nicht besucht werden könne. Ein Großteil der befragten Eltern hatte im Fragebogen jedoch angegeben, nicht bereit zu sein, Schulgeld zu zahlen.

Fraglich ist nun, wie die Politik mit den Ergebnissen der Befragung umgeht. Folgt sie dem Willen der Eltern, der sich aus der Elternbefragung ergibt, liefe es wohl auf die Neugründung einer Realschule hinaus. Die war in der Vergangenheit trotz immer wieder aufkommender Forderungen aus der Bevölkerung stets ausgeschlossen worden. So hatte unter anderem die Verwaltung, damals noch unter Bürgermeister Friedrich Süßen, stets argumentiert, dass dafür eine gewisse Schülerzahl über einen mehrjährigen Prognosezeitraum sichergestellt werden müsse. Dies sei für Südbrookmerland aber nicht zu erwarten, hieß es immer wieder. Andererseits dürften schon allein mit der Möglichkeit, sich für eine Realschule zu entscheiden, Erwartungen geweckt worden sein.

Ratsmitglieder: „FCSO gehört zu den Verlierern“

Einer der Verlierer der Befragung ist nach Meinung von Ratsmitgliedern die FCSO. Während es in den vergangenen Wochen den Anschein hatte, die Schule werde von vielen Eltern favorisiert, sprechen die Ergebnisse der Befragung eine andere Sprache. Bei den Verantwortlichen der Schule sind die Zahlen indes noch nicht bekannt, wie eine ON-Anfrage am Dienstag ergab. Für die kommende Woche sei ein Gespräch zwischen Schulverantwortlichen und Gemeindeverwaltung geplant, hieß es. Vorher wolle man sich dazu auch nicht äußern. Dort dürfte die Befragung thematisiert werden. Seitens der Schule war man mit der Befragung in dieser Form, wie berichtet, nicht sonderlich glücklich. Die FCSO plant eine eigene Erhebung zu einem möglichen Standort in Moordorf. Weil die Schule nicht an Einzugsbereiche gebunden ist, sollen dabei nicht nur Eltern aus Südbrookmerland, sondern auch die Familien in den Nachbarkommunen befragt werden.

Wenig überrascht vom Ergebnis zeigt sich die Victorburerin Ina Dieling. Sie hatte eine Elterninitiative ins Leben gerufen und setzt sich für eine Ansiedlung der FCSO in Moordorf ein. „Das Ergebnis war zu erwarten“, so Dieling im ON-Gespräch. Hauptgrund dafür sei, dass die Eltern im Vorfeld nicht ausreichend über die FCSO informiert worden seien. So hatten sich, wie berichtet, die Grundschulen geweigert, Informationsmaterial über die FCSO an die Schüler zu verteilen. Auch eine Informationsveranstaltung in Südbrookmerland hat es bislang nicht gegeben. Die Hoffnung auf eine Außenstelle der Schule in Moordorf hat sie aber weiterhin.

Ähnliche Artikel