Aurich

Turnhallen-Neubau auf dem Kasernengelände vor dem Aus

| | 27.04.2022 16:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Turnhalle auf dem Kasernengelände soll noch einige Jahre genutzt werden. Der Beschluss für einen Neubau soll in dieser Woche aufgehoben werden. Foto: Romuald Banik
Die Turnhalle auf dem Kasernengelände soll noch einige Jahre genutzt werden. Der Beschluss für einen Neubau soll in dieser Woche aufgehoben werden. Foto: Romuald Banik
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Am Donnerstag geht es im Auricher Konversionsausschuss um die geplante Dreifachturnhalle. Die Verwaltung will sich aus Kostengründen von dem Projekt verabschieden. Und präsentiert eine Alternative.

Aurich - Die nun rapide steigenden Baukosten führen zu einem Paradigmenwechsel in der Auricher Stadtplanung: Nach Jahren, in denen Fördermittel für Großprojekte beantragt und auch ergattert wurden, stellt die Verwaltung nun schon den zweiten früheren Ratsbeschluss zur Debatte: Nach dem Umzug der Kunstschule und des Mach-Mit-Museums, dessen geplante Stornierung kürzlich an der Ratsmehrheit scheiterte, geht es diesmal um den Neubau der Turnhalle auf dem Kasernengelände. Schon bewilligte Fördermittel würden verfallen.

Wie berichtet, hat der Rat im September 2020 beschlossen, Fördermittel zu beantragen und die Halle neu zu bauen. Das Förderprogramm sah vor, dass die Stadt nur Eigenmittel in Höhe von 10 Prozent aufbringen müsste. Die Rechnung lautete damals: Bei geschätzten Kosten von 4,5 Millionen Euro kämen auf die Stadt folglich nur 450.000 Euro zu.

Fördermittel decken nur die Hälfte der 4,5 Millionen Euro

Im Juni 2021 kam dann der Förderbescheid - allerdings „nur“ über 2,2 Millionen Euro. Die Stadt hatte im Antrag sämtliche Kosten von der Planung des Projekts über den Abriss der Halle bis zum Neubau und der Möblierung aufgeführt. „Wir haben das Rundum-Sorglos-Paket beantragt“, sagte die zuständige Fachbereichsleiterin Irina Krantz damals auf ON-Nachfrage. Es sei denkbar, dass das Land davon einiges für nicht förderfähig halte und entsprechend aus dem Antrag genommen habe.

Laut einer Beschlussvorlage, die an diesem Donnerstag im Konversionsausschuss besprochen wird, hat die Förderstelle 3,55 Millionen Euro als förderfähig anerkannt - also eine Million Euro weniger als erhofft. Die bewilligten 2,2 Millionen Euro entsprechen somit einer Förderquote von gut 60 Prozent. Angesichts der geschätzten Gesamtkosten von rund 4,5 Millionen Euro würde allerdings unter dem Strich nur die Hälfte der Kosten übernommen.

Baukosten inzwischen auf 6,7 Millionen Euro geschätzt

Da nun die Kosten für Baukosten und Energie noch steigen, will die Verwaltung wegen des hohen Risikos bei dem Projekt die Reißleine ziehen. „Bei einer in dem Bausegment Hochbau durchaus realistischen Preissteigerung von circa 50 Prozent und einem Kostenaufschlag von circa 15 Prozent beim Einsatz von regenerativen Energien in der Bauausführung ist nunmehr von Gesamtkosten in Höhe von rund 5,7 Millionen Euro auszugehen“, heißt es in der Beschlussvorlage für die Politik.

Die Stadt müsste folglich nicht 450.000 Euro zahlen, wie ursprünglich kalkuliert, sondern 3,5 Millionen Euro. Hinzu kommt laut Verwaltung das Risiko, dass der Neubau nicht rechtzeitig bis zur Abrechnungsfrist Mitte 2026 fertig würde.

Statt Dreifachhalle auf Kasernengelände Zweifachhalle an der Waldorfschule

Die neue Dreifachturnhalle, so der Tenor vor zwei Jahren, werde dringend für den Schul- und den Vereinssport gebraucht. Was ist nun also die Alternative?

Wie berichtet, hat die Stadt inzwischen durch einen Grundstückstausch mit dem Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik Aurich, inzwischen die dortige Zweifachturnhalle gewissermaßen zurückerworben. Dafür wurden mit Ratsbeschluss vom 17. März 800.000 Euro gezahlt.

Laut Bürgermeister Horst Feddermann ist damit die Versorgung des Schulsports als auch der Vereine mit Hallenzeiten gesichert. Die Zweifachturnhalle, die rund 40 Jahre alt ist, sei in gutem Zustand. Langfristig stünden sicher einige Erneuerungen an, kurzfristig müsse aber kein Geld in die Hand genommen werden, so Feddermann.

Sanierung für 500.000 Euro?

Auch sei die Halle auf der Kaserne weiterhin nutzbar, sagte der Bürgermeister. Sie sei nicht in einem herausragenden Zustand. Doch sie werde auch jetzt von Vereinen genutzt und könne noch einige Jahre genutzt werden. Laut Beschlussvorlage könnte die Dreifachhalle mit Kosten von bis zu 500.000 Euro saniert werden, sodass sie für rund fünf bis acht Jahre in Nutzung bleiben könne. Danach bestünde laut Vorlage die Möglichkeit, diese Fläche durch einen Investor entwickeln zu lassen.

Feddermann wollte letzteren Vorschlag vorerst nicht weiter konkretisieren. Er sagte, dass es immer wieder Förderprogramme für Sportstätten gebe und die Stadt in einigen Jahren einen neuen Anlauf nehmen könne.

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