Aurich/Großheide

Bürgermeister kämpfen gemeinsam gegen Kita-Übernahme

| | 14.04.2022 14:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Die Bürgermeister wollen eine stärkere finanzielle Beteiligung des Landkreises Aurich an den Kita-Kosten, doch die Einrichtungen möchten sie behalten. Sie fordern vor allem eine Sache vom Landkreis.

Aurich/Großheide - Im Streit um die Übernahme der Kindertagesstätten durch den Landkreis Aurich wünschen sich die Bürgermeister der Städte und Gemeinden „Gespräche auf Augenhöhe“ mit der Auricher Landkreis-Spitze. Sie wollen, dass die Einrichtungen in Trägerschaft der Gemeinden bleiben – aber unter größerer finanzieller Beteiligung des Landkreises.

„Wir arbeiten seit 40 Jahren mit dem Landkreis zusammen. Das ist ein Geben und Nehmen und hat hervorragend geklappt. Das sollte genauso weitergehen. Wir müssen miteinander reden“, sagte der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann bei einem Pressegespräch mit mehreren Bürgermeistern am Donnerstag in Großheide. Feddermann betonte: „Wir sind einfach näher dran an den Einrichtungen als der Landkreis.“ Man werde weiter für die Zuständigkeit der Gemeinden kämpfen.

Erdwiens: „Bei uns ist das Know-How“

Der Südbrookmerlander Bürgermeister Thomas Erdwiens sagte: „Die Arbeit in unseren Einrichtungen hat sich zum Wohl der Kinder bewährt. Bei uns ist das organisatorische Know-How.“ Es sei schlecht, dass Mitarbeiter und Eltern durch die Pläne des Landkreises verunsichert würden.

Der Großefehntjer Bürgermeister Erwind Adams sagte: „Wir beschäftigen uns seit über 40 Jahren mit den Kitas. Das ist eine Kernaufgabe, die wir gerne wahrnehmen.“

Der Großheider Bürgermeister Fredy Fischer appellierte an den Landkreis: „Wir würden die Einrichtungen gerne bei uns behalten. Wir identifizieren uns sehr damit. Dort wird gut gearbeitet. Aber wir müssen es finanziell auch können. Wir müssen auf Augenhöhe miteinander reden.“ Er erinnerte zugleich an die finanziellen Nöte durch den Kita-Ausbau: „Wir müssen die Qualität in den Kitas sicherstellen, das aber auch im Haushalt darstellen können.“

Ihmels: „Müssen ergebnisoffen auf Augenhöhe reden“

Gerhard Ihmels, Samtgemeindebürgermeister im Brookmerland, sprach von einer „Absurdität der aktuellen Diskussion“. Schließlich habe es noch gar keine weiterführenden inhaltlichen Gespräche gegeben. Ihmels: „Es ist wichtig, dass wir ergebnisoffen auf Augenhöhe reden. Die Übernahme der Trägerschaft allein macht nicht glücklich. Da gibt es viele Stellschrauben, an denen man drehen kann.“ Ihmels sieht auch das vom Landkreis vergebene Gütesiegel durchaus kritisch.

Er nannte das Beispiel einer Kita im Brookmerland, wo der „Kummerkasten“ für die Eltern fehlte und es deshalb das Siegel nicht gegeben habe. „Da geht es nicht wirklich um Qualität“, so Ihmels. Wo erforderlich, könne man sicher nachbessern. Aber: „Die Einrichtungen funktionieren. Never change a winning team“, so Ihmels.

Brooksiek: „Millionendefizite sind keine Peanuts“

Jens Brooksiek, Erster Stadtrat von Wiesmoor, rechnete vor: Von den 3,7 Millionen Defizit durch die Kitas in der Blumenstadt zahle die Kommune 2,8 Millionen Euro und der Landkreis nur 860.000 Euro. „Das sind keine Peanuts für uns“, so Brooksiek.

Und Hilke Looden, Bürgermeisterin der Krummhörn ergänzte: „Wir sind natürlich bereit, auch über Qualität zu reden.“ Wie die Bürgermeister sagten, haben sie der Auricher Kreisverwaltung jetzt die angeforderten Daten zu ihren Kitas übermittelt. „Der Landkreis will die Daten bewerten und dann auf uns zukommen. Er muss sagen, wie er es machen möchte“, sagte der Bürgermeister von Hinte, Uwe Redenius.

Wie berichtet hatte Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert den Bürgermeistern Mitte Februar überraschend mitgeteilt, dass der Landkreis die Zuständigkeit für die 126 Kitas im Kreis wieder übernehmen wolle. Dagegen protestierten Kita-Mitarbeiter und Eltern mit einer Petition mit rund 2000 Unterschriften und Unterstützern, die sie im Kreistag dem Landrat Olaf Meinen überreichte.

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