Südbrookmerland

Spendenbus: Warten auf den Hilferuf

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 14.04.2022 13:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Frau trägt ihr Kind am Bahnhof von Lwiw. Foto: DPA
Eine Frau trägt ihr Kind am Bahnhof von Lwiw. Foto: DPA
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Der Südbrookmerlander Spendenbus ist bereit zur Abfahrt, die Verantwortlichen warten nur noch auf ein Zeichen von Helfern an der ukrainischen Grenze. Diesmal soll einiges anders laufen als beim letzten Mal.

Südbrookmerland - Sie warten auf den Hilferuf: Der Spendenbus rund um den Ortsvorsteher von Forlitz-Blaukirchen, Harald Harms, macht sich bereit, um wieder in Richtung Ukraine aufzubrechen. Der genaue Termin zur Abfahrt steht noch nicht fest. Klar ist allerdings, dass sie diesmal Geflüchtete direkt mit in den Landkreis Aurich nehmen.

Nach der letzten Fahrt der Helfer Mitte März gab es Ärger mit dem Landkreis. Sie waren ins polnische Chelm gefahren, nahe der ukrainischen Grenze. Dort hatten sie ihre Spendengüter abgeladen. Auf der Rückfahrt nahmen sie 49 Menschen aus der Ukraine mit. Sie wollten sie direkt nach Südbrookmerland bringen – das ging allerdings nicht. Sie mussten die Geflüchteten nach Hannover-Laatzen fahren, dort hat das Land Niedersachsen eine Außenstelle seiner Aufnahmebehörde eingerichtet. Die Geflüchteten mussten da bleiben.

Helfer organisierten Unterkünfte

Die Helfer kritisierten in der Folge den Landkreis, der wies wiederum darauf hin, dass die Regelung auch im Sinne der Geflüchteten erfolgt. Denn sind sie erst einmal im Landkreis Aurich registriert, müssen sie auch hier bleiben. Ein Umzug zu Verwandten in anderen Teilen Deutschlands ist dann nur schwer möglich. Werden sie in Laatzen registriert, sind sie noch nicht an einen Wohnort gebunden. Von dort aus erfolgt die Verteilung auf die Landkreise.

Hinzu kommt, dass der Kreis nur begrenzte Kapazitäten zur Unterbringung der Geflüchteten hat. In den Bus der Helfer passen 50 Menschen. Unter Umständen ist in den Aufnahmeeinrichtungen des Kreises in Utlandshörn und zukünftig in der Blücherkaserne in Aurich schlicht kein Platz für sie.

Zahlreiche Südbrookmerlander aus verschiedenen Vereinen und Einrichtungen packten vor der ersten Abfahrt Mitte März beim Beladen des Busses in Münkeboe mit an. Foto: privat
Zahlreiche Südbrookmerlander aus verschiedenen Vereinen und Einrichtungen packten vor der ersten Abfahrt Mitte März beim Beladen des Busses in Münkeboe mit an. Foto: privat

Bis zur Grenze und darüber hinaus

Das soll den Geflüchteten nicht passieren. Die Helfer haben Wohnungen organisiert, sagt Harald Harms. Zusammen mit Bekannten und anderen Helfern haben sie Unterkünfte für etwa 35 Personen bereitstellen können. „Es macht ja keinen Sinn, mit Hilfsgütern hinzufahren und mit einem leeren Bus zurück“, so Harms.

Wann genau die Gruppe rausfährt, steht noch nicht fest. Die Dolmetscherin, Elena de Vries, ist in engem Kontakt mit Helfern an der polnischen Grenze. Derzeit entspanne sich dort die Lage. Menschen, die in Polen gestrandet seien, kehrten wieder in die Ukraine zurück, sagt Elena de Vries.

Güter für die Front

Ein Grund zur Freude? Die Helfer rechnen damit, dass die Entspannung nicht von allzu großer Dauer sein wird. Die Gruppe hält sich bereit. Spenden haben sie zusammengetragen, wie zum Beispiel Medikamente und abgelaufene Verbandskästen, die aber trotzdem noch benutzbar sind.

Beim letzten Mal fuhren die Helfer bis zur ukrainischen Grenze, das nächste Mal soll es vielleicht noch darüber hinaus gehen. Sie spielen mit dem Gedanken, ins Kriegsgebiet zu fahren. Einen genauen Ort haben sie dabei noch nicht im Blick, sagt Elena de Vries. Sollte sich die Gruppe dazu entscheiden, brauchen sie weitere Spenden. „Wir wollen Güter für die Front besorgen“, sagt Elena de Vries. Dafür brauche die Gruppe dann auch Hilfe aus der Bevölkerung, sie sind auf Spenden angewiesen. Bis es jedoch soweit ist, halten sie sich weiter bereit.

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