Brookmerland

Trennungskrieg eskalierte an Weihnachten

| | 13.04.2022 21:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Brookmerlander Familienstreit landete vor Gericht. Foto: Volker Hartmann/DPA
Ein Brookmerlander Familienstreit landete vor Gericht. Foto: Volker Hartmann/DPA
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Ein Brookmerlander stand vor dem Norder Amtsgericht, weil er seiner Frau eine Ohrfeige verpasst haben soll. Ein Video der Türkamera zeigte zwar nicht die Tat, dafür aber weinende Kinder.

Upgant-Schott/Norden - Ausgerechnet an Weihnachten sind bei einem Paar aus dem Brookmerland, das seit Herbst in Trennung lebt, die Fetzen geflogen. Ein 30-Jähriger stand nun vor dem Norder Amtsgericht, weil er seine Frau mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben soll.

Der Brookmerlander Handwerker wies diesen Vorwurf weit von sich. Es sei eher umgekehrt gewesen. Nachdem er am Abend die beiden gemeinsamen Kinder wieder bei der Mutter abgesetzt habe, sei diese nach einem kurzen Wortwechsel völlig ausgeflippt, schreiend hinter ihm hergelaufen und habe ihn geschlagen. Er selbst würde niemals die Hand gegen eine Frau erheben, beteuerte der 30-Jährige. Er habe ihr lediglich die Tasche mit den Sachen der Kinder vor die Füße geworfen. Der Angeklagte wähnte hinter der Anzeige einen Schachzug seiner Noch-Ehefrau. Sie habe nach der Trennung schon eine Gewaltschutzanordnung erwirkt. Diese sei aber in beiderseitigem Einvernehmen aufgehoben worden. Und dann sei die Begegnung am 26. Dezember eskaliert – wohl um eine neue Verfügung gegen ihn zu erwirken, mutmaßte der 30-Jährige. Ihm erscheine die Sache geplant.

Kein Kontakt seit Weihnachten

Seit Weihnachten hat das Paar keinen persönlichen Kontakt mehr gehabt. Die Kinder hole zu den Umgangszeiten sein Vater ab, sagte der Angeklagte: „Im Augenblick ist es ein sehr angespanntes Verhältnis.“

Sein Vater wurde auch Zeuge des Streits, weil er seinen Sohn und die beiden Enkelkinder an dem zweiten Weihnachtstag zur Wohnung seiner Schwiegertochter gefahren hatte. Sehen konnte er das Gespräch an der Haustür zwar nicht, wie der 53-Jährige sagte. Er habe aber gesehen, wie sein Sohn zum Auto zurückkam und seine Schwiegertochter hinter ihm hergerannt sei und ihn beschimpft und geschlagen habe.

Ehefrau hatte Ton- und Videoaufnahme und Arztbericht

Die Noch-Ehefrau stellte die Sache anders dar. Als ihr Mann die Kinder gebracht habe, habe er wieder angefangen zu sticheln. Sie habe gesagt, dass sie nicht reden möchte, und die Tür schließen wollen. Dann sei der Angeklagte ein, zwei Schritte ins Haus gekommen, habe sie auf die linke Kopfseite geschlagen und sei gegangen. Sie sei hinterher und habe ihn beschimpft.

Die 28-Jährige legte einen Arztbericht vor, der Prellungen und Schmerzen bescheinigte. Noch am Weihnachtsabend erstattete die Brookmerlanderin Anzeige. Sie hatte das Gespräch mit dem Angeklagten – wie immer bei der Übergabe der Kinder – mit dem Handy aufgezeichnet und zudem hatte die 28-Jährige eine Kameraaufnahme dabei.

Polizistin berichtete von Tonaufnahme mit klatschendem Geräusch

Dieses Video wurde im Gerichtssaal abgespielt. Der Moment des mutmaßlichen Schlages im Flur ist nicht zu sehen. Wohl aber ist Geschrei zu hören, vor allem von den Kindern, die den Streit mit ansahen.

Eine Polizeibeamtin, die die Anzeige aufgenommen hatte, berichtete vor Gericht, dass sie die Handy-Aufnahme gehört habe. Darauf sein ein klatschendes Geräusch zu hören gewesen, so die Beamtin. Ob es sich tatsächlich um eine Ohrfeige gehandelt habe, könne sie letztlich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Angeklagter muss an Opferhilfe zahlen

Der Staatsanwalt schlug vor, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 500 Euro an die Opferhilfe Weißer Ring einzustellen. Es sei zwar deutlich geworden, dass die Tat stattgefunden habe, dass sie aber im Kontext eines Rosenkrieges und gegenseitiger Provokationen stehe. Der Angeklagte und Richter Harms zeigten sich damit einverstanden. „Ich will nur meine Ruhe“, sagte der 30-jährige Brookmerlander.

Die wird er so schnell aber wohl nicht bekommen, denn der Familienstreit wird das Gericht noch in anderer Sache beschäftigen.

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