Aurich

Im Schweinsgalopp zum Klimaschutz

| | 10.04.2022 13:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Seit einigen Jahren fordert die Fridays-for-Future-Bewegung auch kommunalen Klimaschutz. Foto: Romuald Banik
Seit einigen Jahren fordert die Fridays-for-Future-Bewegung auch kommunalen Klimaschutz. Foto: Romuald Banik
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Aurich will bis 2045 klimaneutral werden und hat bis Ende Juli Zeit, über den Weg dahin zu entscheiden und einen Antrag zu stellen. Es geht um radelnde Boten, Moorvernässung und die Mobilitätswende.

Aurich - Bei der Klimarettung zählt jeder Tag, heißt es immer. Und für die Stadt Aurich zählen sogar die Minuten. Denn um das Klimaschutzkonzept noch rechtzeitig fertigzustellen, ist höchste Fokussierung gefragt. Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß hat den Auricher Umweltausschuss bereits auf den engen Zeitplan eingeschworen.

Durch die Kündigung von Klimaschutzmanagerin Dr. Katharina Heidtmann ist etwas Sand ins Getriebe geraten. Die Stadt erwirkte eine vierwöchige Fristverlängerung bis zum 31. Juli.

Der Startwert wurde in der Treibhausgasbilanz berechnet

Doch bis dahin ist noch viel zu tun und zu beschließen, wie Busch-Maaß betonte. Auf der Basis der bereits vorhandenen Teil-Konzepte und der Bürgerbeteiligung hat das Büro „Energielenker“ 33 Maßnahmen formuliert, die in die Förderkategorien passen. Viele Punkte gebe es beispielsweise für die Wiedervenässung von CO2-bindenden Mooren, wo Aurich schon auf einem guten Weg sei, so Busch-Maaß. Auch bei der energetischen Sanierung des Rathauses gebe es ein großes Potenzial: „Im Moment ähnelt das Gebäude einem Heizkörper, der in der Landschaft steht“, so die Stadtbaurätin.

Ziel ist, dass Aurich bis zum Jahr 2045 klimaneutral wird. Die derzeitige Treibhausgasbilanz der Stadt wurde im vergangenen Jahr vorgelegt. Nun gilt es, in Bereichen wie Mobilität, Regenwassermanagement, Umstieg auf erneuerbare Energien oder Wärmedämmung nachzubessern.

Selbstverpflichtung und Richtschnur

Jede geplante Maßnahme wird auf Basis vorhandener Algorithmen vom Planungsbüro durchgerechnet und mit einem CO2-Wert versehen und ist verbindlich. Ob die angepeilte Einsparung gelingt, muss die Stadt messen und kontrollieren. Das Klimaschutzkonzept ist eine Selbstverpflichtung der Stadt, ihren Beitrag in der Klimakrise zu leisten - und zudem Basis für Förderanträge.

Da pro Maßnahme ein Tag Rechenzeit erforderlich sei, sei es wichtig, sich nun auf das Machbare und Effektive zu beschränken, so Busch-Maaß.

Eine leicht umsetzbare Maßnahme wurde vergessen

Am 17. Mai soll der Katalog im Ausschuss abschließend diskutiert, dann durchgerechnet und in der Ratssitzung am 7. Juli beschlossen werden. „Mit etwas Glück schaffen wir es, dann punktgenau zur Frist zu landen“, so Busch-Maaß. Immerhin: Politik und Verwaltung entwickelten zuletzt eine gewisse Routine darin, Beratungen und Planungen unter äußerstem Zeitdruck flott durchzuziehen.

In Plaggenburg wurde bereits ein Waldstück vernässt. Foto: Gerd-Arnold Ubben
In Plaggenburg wurde bereits ein Waldstück vernässt. Foto: Gerd-Arnold Ubben

Gerda Küsel (SPD) erinnerte im Ausschuss an eine einfach umzusetzende Maßnahme, die noch aufgenommen wird: die noch offene Umstellung zahlreicher Straßenleuchten auf LED. Heidrun Weber (GfA) regte an, neben Informationsangeboten auch kleine Wettbewerbe einzustreuen. In Emden wurden kürzlich zehn Schottergärten ausgewählt, die nun als Preis zu Insektenoasen umgestaltet werden.

Keine Diskussion gab es im Ausschuss über eine Regenwassergebühr. Sie wurde als eine der Maßnahmen aufgenommen.

33 Maßnahmen

Aus verschiedenen Handlungsfeldern wurden 33 Maßnahmen ausgewählt, die bisher von der Politik und in zwei Bürger- und einem Verwaltungsworkshop erarbeitet wurden. Sie richten sich an unterschiedliche Akteure. Neben der Stadt selbst sind auch Bürger und Unternehmen gefragt.

Es gibt sechs Handlungsfelder, nämlich Sensibilisierung und Information, Mobilität, Stadtplanung, Treibhausneutrale Verwaltung, Gewerbe/Handel/Industrie, und Klimaanpassung.

Mehrere Moorbereiche rund um Aurich sind bereits in der Wiedervernässung, so wie das Osteregelser Moor. Foto: Karin Böhmer
Mehrere Moorbereiche rund um Aurich sind bereits in der Wiedervernässung, so wie das Osteregelser Moor. Foto: Karin Böhmer

Als Maßnahmen sind vorgesehen: Beratungsangebot zu Klimaschutz und -anpassung, Klimawoche, Projekte mit der Jugend, Kampagne über erneuerbare Energien für Privathaushalte, Verkehrskonzept, Optimierung des städtischen ÖPNV, Parkplatzkonzept, Radabstellanlagen, Mitfahrplattform, Mobilitätspunkte mit Anbindung an den ÖPNV, Ladestationen und Bikesharing, Logistikstandorte zur Verteilung von Waren und Lieferungen, Bahnanschluss, Konzentrationsplanung von Photovoltaikstandorten im Außenbereich, möglichst in Verbindung mit Windkraft und Wasserstofferzeugung, klimagerechte Bauleitplanung, Fernwärmenetz Aurich reaktivieren und erweitern, Überprüfung der Regenrückhaltung in Wohngebieten, Siedlungsentwicklungskonzept im Hinblick auf Klimaschutz ergänzen, nachhaltige Beschaffungsstrategie für die Verwaltung, klimafreundliche Mitarbeitermobilität für das Rathausteam, Digitalisierung der Verwaltung, energetische Sanierung des Rathauses, Konzept für Energiesanierung der anderen städtischen Liegenschaften, Energieeffizienz und Müllvermeidung in der Verwaltung steigern, Ökostrom für die Verwaltung, Beratung von Wirtschaftsbetrieben zu Klimaschutz, Schaffung regionaler Kreisläufe mit Vermarktung regionaler Produkte, Erhalt und Neupflanzung von klimaangepassten Bäumen, Entsiegelung und Begrünung geeigneter Flächen, Fortsetzung der Moorvernässung, Konzept für Regenwassernutzung im Garten, Regenwassergebühr, Schwammstadtprinzip.

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