Aurich
Maskenpflicht im Einzelhandel: Aus Vorschrift wird eine Bitte
Im niedersächsischen Einzelhandel herrscht keine Maskenpflicht mehr. Doch in einigen Auricher Geschäften hängen die Hinweisschilder am Montag noch – aus einem Grund werden sie nicht ganz verschwinden.
Aurich - In der Auricher Innenstadt ist das Ende der Maskenpflicht am Montagvormittag kaum zu bemerken. Der Großteil der Kunden trägt den Mund-Nasenschutz freiwillig, ebenso die Mitarbeiter in den Läden. An den Fenstern einiger Geschäfte hängen die Hinweisschilder mit der Aufschrift „Zutritt nur mit FFP2-Maske“ noch. Aus einem Grund sollen sie auch noch nicht verschwinden.
An der Tür des Geschäfts „Hörgeräte Isermann“ in der Auricher Innenstadt hängt das Schild mit der Bitte zum Maskentragen noch. Und das hat einen Grund: Denn als Hörakustiker können sie und ihre Angestellten den Mindestabstand zu ihren Kunden nicht einhalten, sagt Inhaberin Rita Isermann. „Wir würden uns sehr freuen, wenn unsere Kunden weiterhin Maske tragen.“ Gerade weil sie in ihrem Geschäft mit vielen älteren Personen zu tun habe, sei es wichtig, sich und andere zu schützen. Während des Lockdowns galten Hörakustiker als systemrelevant. Über die Zeit habe man ein Hygienekonzept entwickelt, das sich bewährt habe – und dazu gehörten auch die Masken, sagt Rita Isermann.
Hoffnung auf mehr Kundschaft
Auch bei „Schecker“ hängt am Montagvormittag noch ein Schild, das auf die Maskenpflicht hinweist. Und das soll auch erst einmal so bleiben. Filialleiterin Roswitha Sendemer möchte ihre Kunden mit dem Schild darum bitten, die Maske weiterhin zu tragen. Sie sollen jedoch die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden. Denn sie habe in den vergangenen Monaten mitbekommen, dass das Tragen der Maske einige Kunden, die zum Beispiel eine Lungenerkrankung haben, wirklich beeinträchtige. „Die Kunden quälen sich mit der FFP2-Maske“, sagt Roswitha Sendemer. Die Filiale in Aurich sei groß genug, um Mindestabstände einhalten zu können. Sie selbst aber verlasse den mit Glasscheiben abgetrennten Bereich hinter der Kasse nur noch, wenn Kunden Fragen zu den Produkten hätten, sagt sie. „Ich versuche, in meinem Schutzbereich zu bleiben.“
Roswitha Sendemer hofft, dass durch die gelockerten Maßnahmen wieder mehr Leute in die Geschäfte kommen. „Im Endeffekt sind wir alle froh, wenn die Kunden kommen“, sagt sie. Viele seien in den vergangenen zwei Jahren wegen der Einschränkungen auf Produkte aus dem Internet umgestiegen. Sie überlege, das Hinweisschild auf das Tragen einer Maske mit einem „freiwillig“ zu versehen.
Ähnlich sieht es bei der Auricher Drogerie Maaß aus. Inhaberin Almut Maaß hofft, dass durch das aufgehobene Verbot wieder mehr Leben in die Geschäfte in der Auricher Innenstadt kommt. Bis jetzt hat sie von dem jährlichen Oster-Tourismus noch nicht viel gemerkt. Sie möchte die Entscheidung zum Maskentragen ihren Kunden selbst überlassen. Ihr wäre es jedoch lieb, wenn die Kunden eine Maske tragen würden. Sie will Kunden, die keine Maske tragen, aber auf keinen Fall wieder wegschicken.
Beratungsgespräche ohne Maske zu riskant
Auch in der Löwen-Apotheke hängt am Montagvormittag noch das Schild aus der vergangenen Woche im Fenster. Inhaber Wolfgang Waßmus ist es lieber, wenn die Kunden weiterhin Maske tragen. „Die Beratungsgespräche sind der Knackpunkt“, sagt er. Man wolle zwar nicht vom Hausrecht Gebrauch machen und das Maskentragen verpflichten. Aber wie genau man mit Kunden umgehe, die keine Maske tragen, sei noch nicht geklärt, sagt Wolfgang Waßmus. „Wir freuen uns über jeden, der weiterhin Maske trägt.“
Am Montagvormittag habe es nur einen Kunden gegeben, der auf den Mund-Nasenschutz verzichtet habe. Solange es sich nur um ein kurzes Verkaufsgespräch handele, welches in der Regel nicht länger als fünf Minuten dauere, sei das kein Problem. Wenn jedoch eine längere Beratung nötig sei, wolle er diese nicht durchführen, solange sein Gegenüber keine Maske trage. Das sei einfach zu riskant. Gerade weil die Apotheker mit vielen erkrankten Menschen in Kontakt kämen, sei es wichtig, sich und die Mitarbeiter sowie die Kunden zu schützen. „Wir müssen sehen, dass wir den Betrieb am Laufen halten“, sagt Wolfgang Waßmus. Trotzdem wolle man die Leistung auch nicht verweigern. Schon als die Maskenpflicht galt, fanden Gespräche mit Kunden, die keine Maske trugen, vor der Tür statt. Er könne sich vorstellen, das weiterhin so zu handhaben, habe jedoch mit seinen Mitarbeitern noch keine Rücksprache gehalten, sagt Wolfgang Waßmus.
Unter den Kunden scheint die Bereitschaft, die Maske weiterhin zu tragen, groß zu sein. Das bestätigten alle von den ON befragten Mitarbeiter der Auricher Geschäfte. Nur einzelne Kunden seien am Montagvormittag ohne Mund-Nasenschutz in die Läden gekommen. Viele tragen die Maske einfach weiter. Ähnlich sieht das auch bei den Mitarbeitern der Auricher Geschäfte aus. Ilona Jauken, Mitarbeiterin des Modegeschäftes „Street One“, will die Maske weitertragen. Und das, obwohl sie nach einem Arbeitstag mit Kopfschmerzen und Hautproblemen zu kämpfen habe, wie sie sagt. Wie für alle Befragten gehe auch für sie die Sicherheit vor.