Aurich

Ex-Kunstschulleiter: Existenz der Einrichtung in Gefahr

| | 04.04.2022 17:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zunehmend formieren sich Unterstützer der Kunstschule. Foto: Romuald Banik
Zunehmend formieren sich Unterstützer der Kunstschule. Foto: Romuald Banik
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Auricher Stadtverwaltung und Teile der Politik wollen den beschlossenen Umzug von Kunstschule und Mach-Mit-Museum stoppen. Dagegen formiert sich immer breiterer Widerstand. Rainer Strauß findet deutliche Worte.

Aurich - Er musste seine vorbereitete Stellungnahme ablesen, so aufgewühlt und empört war Rainer Strauß. Der frühere Leiter der Auricher Kunstschule, der die Einrichtung von 1986 bis 2016 rund 30 Jahre lang führte, fand deutliche Worte für aktuelle Pläne der Auricher Stadtverwaltung und Politik.

„Die Lage ist ernst. Die Kunstschule ist in echter Gefahr“, sagte Strauß bei einem Pressegespräch, zu dem Peter Veckenstedt eingeladen hatte. Veckenstedt hatte vergangene Woche eine Online-Petition gegen den Stopp der Umzugspläne der Kunstschule in die Auricher Osterstraße gestartet. Am Montagnachmittag hatte die Petition 1500 Unterzeichner. Am Donnerstag will der frühere Polizeikommissar die Petition Bürgermeister Horst Feddermann in der Ratssitzung (17 Uhr, Stadthalle) überreichen. Strauß sagte, es gebe offenbar Leute in der Auricher Politik, die die Kunstschule „nicht mehr haben wollen“ und nun die Gelegenheit nutzten, sie loszuwerden.

Strauß: Haben Zwischenlösung vor 22 Jahren ohne Murren hingenommen

Er erinnerte daran, dass die Stadt Aurich die 1982 gegründete Einrichtung vor 22 Jahren vom Landkreis übernommen habe. Schon damals sollte das jetzt genutzte Gebäude in der Lohne zwischen OLB und Rathaus eigentlich nur eine „Zwischenlösung“ sein. „Wir haben das seinerzeit ohne Murren hingenommen“, erinnert sich Strauß. Später wurde das Mach-Mit-Museum in der Burgstraße, neben dem Historischen Museum, gegründet, das sich als Zuschauermagnet erwies. Bis zu 25.000 Besucher kamen im Jahr, darunter nicht nur Kita-Gruppen und Schulklassen, sondern auch viele Urlauber und private Besucher.

„Es wurde klar, dass die getrennten und beengten Räumlichkeiten problematisch werden“, erinnert sich Rainer Strauß. „Aber Politik und Verwaltung haben es in 22 Jahren nicht geschafft, das Problem zu lösen.“ Zwischenzeitlich waren verschiedenste Lösungen im Gespräch, vom Postgebäude am Burgtor, über das Ärztehaus in der Kirchstraße bis hin zum Hof Harms in Sandhorst. Immer gab es Gründe, die dagegensprachen. Nun aber gebe es eine Lösung am östlichen Beginn der Osterstraße mit einer Millionenförderung in Ausssicht. Und nun sprächen Politik und Verwaltung plötzlich von explodierenden Folgekosten. „Die Politik will das Problem weiter vor sich herschieben“, so die Kritik von Strauß.

Befürchtung: „Man wird sie irgendwo hinschieben“

Er fürchtet: Wenn die Umzugspläne in die Osterstraße scheitern, wird die Kunstschule „sterben“. „Man wird sie irgendwo hinhinschieben, wo sie keiner wahrnimmt.“

Strauß fordert: „Jetzt, zum 40. Geburtstag, ist die Stadt mal dran, etwas für die Kunstschule zu tun.“ Die Stadt habe in den finanziell guten Zeiten viel Geld für große Investitionen ausgegeben. „Aber Kinder und Kultur fallen oft hinten runter.“ Unterstützung bekommt die Kunstschule auch von Schulleitern. Kai Münzel, Rektor der Lambertischule, sagte: „Für uns ist die Kunstschule als Kooperationspartner etwa im Ganztagsbereich unheimlich wichtig.“ Die Mitarbeiter seien sehr kompetent.

Bedeutung auch für Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial schwächeren Familien

Auch Karin Laue vom Lambertihort betonte die Bedeutung von Theaterprojekten, gerade für die vielen Schüler mit Migrationshintergrund und aus sozial schwächeren Familien. „Dass sie dort auf der Bühne stehen, bringt ihnen viel Selbstbewusstsein“, so Laue. Ohne die Kunstschule wären solche Projekte nicht möglich.

Auch die Leiterin der Realschule Aurich, Kathrin Peters, schreibt: „Wir können nicht nachvollziehen, dass man die Kunstschule in eine solch schwierige Situation bringt.“ Die Nachmittagsangebote würden von Realschülern stark genutzt.

„Nicht nur Kosten, sondern positive Folgewirkungen“

Die Macher des Figurentheaters „Puppets in minutes“ schlagen in dieselbe Kerbe. „Ein so renommiertes und ambitioniertes Projekt der Planungsunsicherheit preiszugeben, wäre das falsche Signal.“ Die Arbeit der Kunstschule bedürfte „höchster Wertschätzung“. Das geplante Gebäude würde zudem den Eingang zur Osterstraße deutlich aufwerten, hieß es unisono. Die Kaufleute in der Osterstraße könnten zudem in Kulturprojekte mit einbezogen werden.

Der Bremer Theatermacher Peter Tenge sagte: „Das Projekt hat nicht nur Folgekosten, sondern auch hervorragende Folgewirkungen für Kinder und Jugendliche.“ So sieht es auch Kirchenkreismusikerin und Musikschule-Mitarbeiterin Helen Kroeker.

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