Aurich
Kunstschule soll übergangsweise neben Landschaft ziehen
In der Diskussion über den Umzug von Kunstschule und Mach-Mit-Museum an die Osterstraße ist eine geplante Zwischenlösung bekannt geworden. Die Verwaltung nennt Argumente, die gegen den Umzug sprechen.
Aurich - Kommt der Umzug in die Osterstraße? Das ist derzeit die Frage in Aurich, wenn es um die Kunstschule Miraculum und das Mach-Mit-Museum geht. Wie berichtet, steht der geplante Umbau der beiden Häuser auf der Ecke Osterstraße wegen schwer zu kalkulierender Baukosten auf der Kippe. Am Mittwoch, 6. April, gibt der Ortsrat Kernstadt eine Empfehlung ab, am Donnerstag entscheidet der Stadtrat, ob die Pläne beerdigt werden.
Die Entscheidung dürfte, wie berichtet, denkbar knapp ausfallen. Im Verwaltungsausschuss ist der Umzug mit knapper Mehrheit bereits gekippt worden.
Knapp 1500 Unterschriften
In Aurich hat sich in der vergangenen Woche Widerstand in Form einer Petition gebildet. „Ich glaube, bisher war vielen Aurichern gar nicht klar, dass das Projekt auf der Kippe steht“, sagt Steffi Leferink, Leiterin der beiden Einrichtungen auf ON-Anfrage. Viele seien nun schockiert und entsetzt.
Deshalb seien nun binnen kurzer Zeit viele Unterschriften zusammen gekommen. Bis Montagmittag hatten knapp 1500 Auricher die Forderung von Petitionsstarter Peter Veckenstedt unterschrieben. Die Kunstschule brauche ein neues Gebäude, fordert er, sonst drohe ihr das Aus.
Georgswall 7 soll Zwischenquartier werden
Ende des Jahres muss die Kunstschule ihren bisherigen Standort an der Lohne neben der OLB verlassen. In einer Ausschusssitzung wurde kürzlich auf Nachfrage von Bodo Bargmann (CDU) klar, welches Gebäude als Zwischenquartier geplant ist. Die Stadt denkt an das Gebäude Georgswall 7, direkt neben dem Haus der Ostfriesischen Landschaft. Dort sind derzeit die Arbeitsstelle für evangelische Religionspädagogik (ARO) und die Steuerberatung RUB untergebracht. Letztere zieht, wie berichtet, zum Landwirtschaftlichen Hauptverein (LHV) an den Südeweg um.
Leferink sagte auf ON-Nachfrage, dass das Gebäude am Georgswall zwar nicht barrierefrei sei - das jetzige Gebäude der Kunstschule aber auch nicht. Als eine mögliche Dauerlösung betrachtet sie die alte denkmalgeschützte Stadtvilla aus dem Jahr 1887/88 aber nicht. „Die Räume sind zwar schön. Bei der Besichtigung ging es aber um eine Übergangslösung, mit der Aussicht, langfristig an die Osterstraße zu ziehen“, so Leferink.
Eckige Räume besser nutzbar als jetzige Räume
Wie berichtet, führen Verzögerungen und steigende Baukosten dazu, dass die Fläche des neuen Domizils an der Osterstraße von 914 auf 416 Quadratmeter verkleinert werden soll. Sollte nach dem ersten Bauabschnitt Fördergeld übrig sein, könnte ein kleiner Anbau entstehen. „Wir können auch mit einer verkleinerten Lösung an der Osterstraße sehr gut leben“, betonte Leferink: „Im Moment ist alles besser als das, was wir jetzt haben.“
Zwei übersichtliche, viereckige Räume für das Museum und ein großer Bereich für die Kunstschule seien besser zu nutzen, als das, was bisher vorhanden sei. Am Standort des Mach-Mit-Museums bespielt das Team derzeit sehr verwinkelte Räume, die Kunstschule ist ebenfalls nicht optimal eingerichtet. Unter anderem für das Büro sucht das vierköpfige Team dringend eine bessere Einteilung, denn dieses ist derzeit sehr beengt.
Team ist geschockt und froh über Rückhalt aus der Bevölkerung
Generell wäre die Zusammenführung an einen Standort eine große Verbesserung, so Leferink. „Wenn wir jetzt eine Ausstellung aufbauen und alle Werkzeuge in der Kunstschule lagern, müssen wir permanent daran denken, alles Nötige mitzunehmen“, sagt die Kunstschulleiterin. Sonst gehe zu viel Zeit verloren.
Das Team sei „schon geschockt“ von der Nachricht, dass sich die Hoffnung auf einen neuen Standort wieder zerschlagen könnte, so Leferink: „Aber es ist schön zu sehen, dass wir jetzt so großen Rückhalt aus der Bevölkerung bekommen.“ Offenbar ärgere es die Auricher, dass der Sparwille der Politik die Kultur, die Bildung und die Kinder treffen solle.
Vorlage stellt Gegenargumente zusammen
Solange nicht klar sei, wo die Kunstschule im nächsten Jahr übergangsweise und wo sie langfristig untergebracht ist, sei es extrem schwierig, das Programm weiterzuentwickeln, sagte Leferink. „Sollte ich im September nicht wissen, wo wir nächstes Jahr unterkommen, kann ich kein Frühjahrsprogramm 2023 machen.“
Die Auricher Stadtverwaltung hat in einer Beschlussvorlage nun die Argumente gegen den Umzug zusammengestellt. Die ursprüngliche große Planung würde 840.000 Euro mehr kosten als 2018 bei der Stellung des Förderantrags kalkuliert. Aufgrund der angespannten Haushaltslage müssten die freiwilligen Leistungen überdacht werden.
Folgekosten steigen um 90.000 Euro im Jahr
Zum einen sei ein kritischer Umgang mit den Folgekosten beim Betrieb der beiden Einrichtungen nötig, heißt es in der Vorlage. Beide Einrichtungen arbeiteten defizitär, sodass die Stadt am neuen Standort jährlich 412.000 Euro zuschießen müsste. Bislang liegt das Defizit bei rund 325.000 Euro.
Zudem bergen laut Verwaltung die steigenden Baukosten das Risiko, dass am Ende tatsächlich nur die kleinste Lösung mit 416 Quadratmetern gebaut werden kann. Diese Minimallösung stehe dem „eigentlichen Ziel der Maßnahme der ganzheitlichen Zusammenführung der Einrichtung weitgehend entgegen“, heißt es.
Planung bis Baubeginn kostet noch 380.000 Euro
Zudem fürchtet die Verwaltung, dass Fördergeld verloren werden könnte, wenn Bauabschnitt 1 nicht bis Ende 2024 fertig wird. Mit den noch erforderlichen Planungsschritten und der Baugenehmigung sei erst im April 2023 mit dem Baubeginn zu rechnen. Wenn aufgrund möglichen Baustoff- oder Baufirmenmangels oder wegen unerwarteter Probleme im Bestandsgebäude der Bau nicht rechtzeitig fertig würde, würde die Stadt Fördergeld zurückzahlen müssen.
Sofern jetzt weitergeplant würde, müssten für die Umplanung, die durch die Verkleinerung nötig wird, und die weitere Planung noch 379.000 Euro ausgegeben werden. Sollte sich erst dann zeigen, dass das Projekt nicht realisierbar sei, wäre das Geld auch noch verloren, ohne dass ein einziger Stein bewegt wurde, so die Meinung der Umbau-Skeptiker.
Förderbindung verpflichtet zu langfristigem Betrieb
Noch ein Argument führt die Verwaltung an: Wenn das Fördergeld in Anspruch genommen wird, müssen Kunstschule und Museum für die Dauer von 25 Jahren am neuen Standort betrieben werden. Ansonsten drohe eine Rückzahlung. Gemeint ist mit dieser Aussage wohl, dass dann eine deutliche Reduktion dieser freiwilligen Leistung nicht ohne Fördergeld-Rückzahlung möglich wäre.
Bedacht werden muss bei den Überlegungen auch, dass der Standort an der Osterstraße schon der vierte Standort ist, den die Stadt geprüft hat. Jede Prüfung hat Arbeitszeit und erstes Geld gekostet.
Schon viel Geld für Standort ausgegeben
Bislang sind 240.000 Euro für die bisherigen Planungen für den Standort Osterstraße ausgegeben worden, wie aus einer Antwort auf Fragen von Bodo Bargmann hervorgeht.
Zudem hat der Abbruch der Gebäudes Georgswall 44 und Osterstraße 38 bereits 165.000 Euro gekostet. Für den Kauf der Gebäude hat die Stadt vor Jahren 1,18 Millionen Euro ausgegeben. Darunter fällt laut Vorlage auch eine Teilfläche für das am Georgswall geplante Parkhaus. Da das gesamte Parkhaus-Grundstück, das deutlich größer ist, aber für nur 75.600 Euro an den Investor verkauft würde, entfällt der Kaufpreis im wesentlichen auf die Gebäude.
Noch eine Zahl gibt der Politik zu denken. Wie schon vom Architekten angekündigt, steigt der Quadratmeterpreis bei deutlich verringerter Nutzfläche im Museum deutlich. Und zwar von 3488 Euro pro Quadratmeter bei der großen Lösung inklusive Café auf 8270 Euro pro Quadratmeter bei der Minimallösung.