Südbrookmerland
FCSO: Krach trotz Einigkeit im Rat
Eigentlich sind sich fast alle einig: Abgesehen von Bürgermeister Thomas Erdwiens hat sich der gesamte Gemeinderat für eine Außenstelle der FCSO in Moordorf ausgesprochen. Verdruss gab es trotzdem.
Moordorf - Ordentlich gekracht hat es am Donnerstag in der Sitzung des Südbrookmerlander Gemeinderates. Anlass war eine weitere Debatte um eine mögliche Außenstelle der Freien Christlichen Schule Ostfriesland (FCSO) in Moordorf. Am Ende gab es Willensbekundungen aller Fraktionen, viel Kritik am Vorgehen der Verwaltung und einige aufgebrachte Eltern, die vorzeitig den Saal verließen.
Immerhin, eines hat die Sitzung in Bezug auf die FCSO zutage gebracht: Alle Fraktionen im Rat haben sich klar und deutlich zu einer Außenstelle der Schule in Moordorf bekannt. Der Einzige, der dies nicht tat, war Bürgermeister Thomas Erdwiens, obwohl er mehrfach dazu aufgefordert wurde. „Die Verwaltung hält sich bedeckt“, hatte Erdwiens bereits in der vergangenen Woche gesagt – dabei blieb es.
SPD holt zu Rundumschlag aus
Dafür sprachen andere. Beispielsweise SPD-Fraktionschef Hange Ukena. Er nutzte seine Rede für eine handfeste Abrechnung mit der Verwaltung und insbesondere Bürgermeister Thomas Erdwiens (FWG). In dessen Wahlkampf sei die Rede von Meinungsstärke und Transparenz die Rede gewesen. Diese seien im Fall FCSO nicht zu erkennen. „Sagen Sie der Öffentlichkeit endlich die Wahrheit, positionieren Sie sich“, so Ukena in Richtung des Bürgermeisters, der dies weitgehend regungslos zur Kenntnis nahm. Ukena nahm Bezug auf die 434 Unterschriften von Unterstützern der FCSO, die binnen einer Woche gesammelt und an die Verwaltung übergeben wurden. Rund 300 davon kommen aus Südbrookmerland. Kritik übte Ukena an Aussagen aus dem Brookmerland. Wie berichtet, hatten sich der dortige Bürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) und IGS-Schulleiter Kai-Dieter Hoop kritisch zu den Plänen einer FCSO-Außenstelle in Moordorf geäußert.
„Kümmern Sie sich lieber um eine bessere Außendarstellung und schüren Sie keine unnötigen Ängste“, sagte Ukena in Richtung der beiden. „Man scheut Konkurrenz nur, wenn man weiß, dass die eigene Arbeit nicht gut genug ist.“ Mit dem Finger auf andere zu zeigen sei einfacher, als die eigene Arbeit zu hinterfragen. Für die Gruppe SBL/Grüne ergriff Georg Wegener das Wort. Ihm sei vonseiten der FCSO-Verantwortlichen versichert worden, dass sich noch offene Fragen binnen kürzester Zeit klären ließen. Bürgermeister Thomas Erdwiens forderte er zu mehr Neutralität in politischen Diskussionen auf. Er sei erschrocken, dass sich ein Mitglied der FWG vom Bürgermeister Kommentare soufflieren lassen müsse, um diese dann öffentlich wiederzugeben. Wegener spielte damit auf eine Situation im Schulausschuss in der vergangenen Woche an, wo sich für die FWG mehrfach Jan de Vries zu Wort gemeldet hatte. Manche Ausschussmitglieder und Zuschauer hatten danach den Eindruck, Erdwiens habe de Vries Hinweise für seine Redebeiträge gegeben.
Kritik auch von der FWG
In Teilen stimmte auch FWG-Fraktionschef Ralf Geiken in den Chor der Verwaltungs-Kritiker mit ein. „Es hat viel zu viel Zeit gekostet, da gehe ich mit euch“, sagte er mit Blick auf die Tatsache, dass die FCSO bereits im Frühsommer vergangenen Jahres erstes Interesse an einer Nutzung des Moordorfer Schulgebäudes bekundet hatte. Geiken sprach sich für eine Ansiedlung der FCSO aus – jedoch gegen einen Grundsatzbeschluss, den er als eher hinderlich ansieht.
Stattdessen solle die Verwaltung weiter verhandeln und einen Beschlussvorschlag vorlegen, wenn alles geklärt sei. Es solle versucht werden, mit den Verantwortlichen der FCSO auf einen „größtmöglichen Nenner“ zu kommen. Ähnlich sah das auch CDU-Fraktionschef Hilko Gerdes, der SPD/Linke und SBL/Grüne parteipolitischen Aktionismus vorwarf. In einem Grundsatzbeschluss sieht er die Gefahr, dass er von Eltern als endgültige Entscheidung ausgelegt wird und zu falschen Entscheidungen führen könnte.
Kritik an Elternbefragung der Verwaltung
Kritik von verschiedenen Seiten gab es wegen der laufenden Elternbefragung der Gemeindeverwaltung. Diese enthält unter anderem die Frage, welche Schulform sich die Eltern für ihre Kinder wünschen. Angekreuzt werden kann beispielsweise auch eine Realschule, deren Neugründung Politik und Verwaltung bislang immer kategorisch ausgeschlossen haben. Eine Antwort auf die mehrfach gestellte Frage, was passiert, wenn sich eine Mehrheit der Eltern eine Realschule wünscht, blieb die Verwaltung um Bürgermeister Thomas Erdwiens abermals schuldig.
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Mit einer Mehrheit von 17 zu 14 Stimmen wurde anschließend beschlossen, dass die Verwaltung zunächst die offenen Fragen klärt und die Elternbefragung auswertet, bevor ein Beschluss gefasst wird. Rund 20 anwesenden Elternteilen passte dieser Beschluss offenbar gar nicht. Direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses verließen sie geschlossen den Sitzungssaal.