Aurich

Umzug von Museum und Kunstschule in Osterstraße vor dem Aus

| | 30.03.2022 22:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Seit vier Jahren wird geplant, dass Kunstschule und Mach-Mit-Museum ans Ende der Osterstraße ziehen. Foto: Romuald Banik
Seit vier Jahren wird geplant, dass Kunstschule und Mach-Mit-Museum ans Ende der Osterstraße ziehen. Foto: Romuald Banik
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Am 7. April hebt oder senkt der Rat den Daumen für den Umzug der Kunstschule und des Mach-Mit-Museums in Aurich. Eine Vorentscheidung ist bereits gefallen. In einer Petition formiert sich Widerstand.

Aurich - Es wird aller Voraussicht nach eine knappe Entscheidung werden: Am 7. April berät der Auricher Stadtrat in einer Sondersitzung darüber, wie es mit dem Mach-Mit-Museum und der Kunstschule weitergehen soll. Eigentlich sollten beide Einrichtungen zusammen das Ende der Osterstraße bereichern und deutlich mehr Platz bekommen als an ihren bisherigen Standorten. Der Umzug wurde 2018 beschlossen.

Doch nun steht auf der Tagesordnung der Ratssitzung der Tagesordnungspunkt der Punkt 8: „Aufhebung von Beschlüssen zur Förderung und Verlegung/Zusammenführung der Auricher Kunstschule und des Mach-Mit-Museums in die Osterstraße“. Das lässt darauf schließen, dass am Montag im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss (VA) die Umplanungen des beauftragten Architekturbüros durchgefallen sind. Wie berichtet, befürworteten nach der Fachausschusssitzung in der vergangenen Woche SPD/GAP, Linke und Grüne den Umzug trotz der unsicheren Kostenlage. CDU/FDP und AWG äußerten sich kritisch.

Sitzungstermin ist pikant

Im VA haben Kritiker und Befürworter je fünf Stimmen. Bürgermeister Horst Feddermann bildet als elftes stimmberechtigtes Mitglied das Zünglein an der Waage. Er wollte sich auf ON-Nachfrage weder zum Abstimmungsergebnis im VA äußern noch die Entscheidung kommentieren. Thematisiert werde das Projekt in der Ratssitzung.

Dort sind die Mehrheitsverhältnisse ähnlich, allerdings sind dort auch die Linken-Fraktion und die GfA stimmberechtigt, anders als im VA. Eine Entscheidung soll schnell getroffen werden, weil die Zeit für einen Umbau drängen würde. Der Sitzungstermin ist dennoch pikant: Ketzerisch könnte man sagen, dass es bei der Abstimmung angesichts der Osterferien und der hohen Inzidenz möglicherweise darauf ankommt, welche Gruppe stärker mit Quarantäne zu tun hat und aus welchem Lager mehr Mitglieder im Urlaub sind.

Petition bekommt binnen Stunden 380 Unterschriften

In Aurich formiert sich unterdessen Widerstand gegen das Aus für die Planung. Kunstschul- und Museumsleiterin Steffi Leferink hatte in der vergangenen Woche in der Fachausschusssitzung betont, dass der neue Standort auch verkleinert eine deutliche Verbesserung für die beiden Einrichtungen sein werde.

Peter Veckenstedt, der seit Jahren bei Projekten der Kunstschule als Schauspieler und Fotograf aktiv ist, hat am Mittwoch kurzerhand eine Petition auf der Plattform Change.org gestartet. Binnen fünf Stunden hatte er mehr als 200 Unterschriften zusammen. Am Abend waren es bereits 380. Einer der Kommentare lautete: „Das Miraculum ist systemrelevant – weil unsere Kinder es sind.“

Sorge, dass Einrichtungen unter dem Hin und Her leiden

Veckenstedt sagte, es habe ihn auf die Palme gebracht, als er gehört habe, dass die Planungen nach vier Jahren scheitern könnten. Am Ende des Jahres müsse die Kunstschule ihren jetzigen Standort bereits verlassen und in ein Zwischenquartier ziehen. Er habe Angst, dass die Einrichtungen unter dem Hin und Her leiden. Es sei erforderlich, im Bereich der Innenstadt schleunigst einen neuen Standort zu finden, der mindestens so groß sei wie die bisherige Fläche der Einrichtungen.

„Ich habe noch nie eine Petition gestartet, aber jetzt muss es sein“, so Veckenstedt. Nach seinem Eindruck sei wichtige Zeit vertan worden, sodass nun alles teurer und zeitlich zu knapp werde. Darunter dürften aber die Kinder und andere Nutzer der Einrichtungen nicht leiden.

Ratsherr: Nicht mehr das, was wir uns vorgestellt hatten

Welche Argumente treiben also die Gegner um? Die ON haben stellvertretend mit Bodo Bargmann (CDU) gesprochen, der bis November den Auricher Sanierungsausschuss geleitet hat.

Die CDU-Fraktion habe sich die Situation vor Ort angeschaut und halte das Projekt aus mehreren Gründen für nicht mehr realisierbar, so Bargmann. Zum einen sei aus Kostengründen die Fläche gegenüber den ursprünglichen Planungen halbiert worden. „Das ist nicht das, was wir uns für das Museum und die Kunstschule vorgestellt haben“, so Bargmann. Zudem habe er Zweifel, dass in den Bestandsgebäuden tatsächlich so viel Raum für die Einrichtungen bleibe, wie nun vom Planer grob überschlagen wurde. Eine konkrete Planung mit Grundrissen liege durch die Umplanung gar nicht vor. Alles sei sehr vage. „Wir kennen im Moment nur Farbflächen.“ Rettungswege und Nebenflächen forderten Platz – vielleicht mehr als kalkuliert.

Risiken bei der Finanzierung ist der CDU zu hoch

Er scheine auch nicht mehr so, als könne optisch eine deutliche Belebung der Osterstraße erreicht werden, so Bargman. Das Haus neben den beiden Gebäuden sei schon abgerissen. Ohne den geplanten Anbau werde dort eine absurd breite Lohne entstehen – mit Blick auf das Parkhaus. Mögliche Außenanlagen des Museums hätten ebenfalls diesen Ausblick.

Zudem sei zum einen in der gegenwärtigen Lage nicht sicher, dass die Kosten nicht weiter explodieren, warnte Bargmann. Und noch wichtiger: Da bis Ende 2024 der erste Bauabschnitt abgerechnet sein müsse, habe die Stadt keine Möglichkeit, eine Ausschreibung wegen möglicherweise nicht tragbarer Preise zu wiederholen. Und gehe im Bau etwas schief oder trete ein Baustoffmangel auf, bleibe die Stadt auf allen Kosten sitzen, wenn sie diese Frist reiße.

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