Aurich
Radfahrer fordern Umgestaltung der Fischteichweg-Kreuzung
Beim Ortstermin soll über die Umwidmung der Rechtsabbiegespur zur Radfahrspur gesprochen werden. Wenn das bei den Behörden nichts bewirkt, stellen die Aktivisten eine gerichtliche Prüfung in Aussicht.
Aurich - Wenn am Mittwochmorgen um 9 Uhr die Vertreter der Verkehrssicherheitskommission der Stadt Aurich mit Teilnehmern der Stadt, des Landkreises, der Polizei und mit dem Auricher Radverkehrsbeauftragten Frank Patschke an der Kreuzung Fischteichweg/Kirchdorfer Straße/Julianenburger Straße/Hafenstraße treffen, sind viele Gedanken bei ihnen. Denn viele Auricher sind mit der im vergangenen Sommer erfolgten Umgestaltung der Kreuzung nicht einverstanden und fordern mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger. Das wurde vor einigen Wochen im Umweltausschuss der Stadt bereits deutlich.
Und auch der ADFC und die Initiative Luma gehören zu den scharfen Kritikern. Gehört werden sie am Mittwoch nicht: „Leider soll dieser Termin offenbar unter Ausschluss kritischer Stimmen erfolgen, denn weder die Luma noch der ADFC werden an diesem Fachgespräch vor Ort beteiligt und sind nicht eingeladen. Ein entsprechendes Ersuchen wurde abgelehnt“, so Albert Herresthal als Vertreter beider Verbände.
Verärgerung über „Ausladung“
Bürgerbeteiligung funktioniere aber nur im Dialog, im direkten Gespräch und unter Einbeziehung von Andersdenkenden, so der Sprecher der Luma: „Wir können nicht nachvollziehen, dass versucht wird, über die Köpfe der Betroffenen hinweg Fakten zu schaffen. Eine solche Kultur der Stadt Aurich von oben herab und unter Verweigerung des Gesprächs mit Kritikern sollte es in Ostfriesland im 21. Jahrhundert nicht geben.“
Am Dienstag diskutierten Gerda Küsel und Udo Haßbargen (beide SPD) sowie Volker Rudolph und Gunther Siebels-Michel (GAP) mit Herresthal und Thomas Gehrke vom ADFC über mögliche Veränderungen. Klar sei, dass die Kreuzung nun mal gebaut sei und nun mit kleinen Veränderungen so viel wie möglich gerettet werden solle, so Rudolph. Er und seine Ratskollegen halten die Kreuzungsgestaltung durchaus für ein Thema der Auricher Politik, auch wenn der Landkreis die Planung gemacht hat. Schließlich gebe es den städtischen Masterplan Radverkehr 2030 und schließlich sei die Stadt für die Fußgängerwege zuständig, so Rudolph. Deshalb werde sich der Rat auch noch damit zu befassen haben. Küsel erhofft sich bereits am Donnerstag im Umweltausschuss Informationen durch den Radverkehrsbeauftragten.
Kritik vor allem an der Ecke bei der Bäckerei
Konkret stört die Kritiker, dass der Kreuzungsbereich vor der Bäckerei Cremer schlecht einsehbar ist. Radfahrer und Fußgänger würden zusammen auf dem schmalen kombinierten Rad- und Fußweg direkt am Eingang der Bäckerei entlang geführt. Fußgänger, die aus dem Laden kommen, seien dadurch in Gefahr. Zudem würden Räder dort abgestellt. Ein Ampelmast nimmt zusätzlich Platz weg, verngt die Stelle in Kombination mit der Stufe vor der Bäckerei auf 1,90 Meter Breite. Da in direkter Nachbarschaft Arztpraxen und die Cirksena-Apotheke liegen, gebe es auch viele Fußgänger, die mit Rollatoren unterwegs seien. Und auch für den Schülerverkehr sei die Kreuzung ein wichtiger Knotenpunkt.
Weiterer Kritikpunkt: Um die Kreuzung zu überqueren, müssten Radfahrer seit dem Umbau zudem die Ampelfurten nutzen, was ihre Fahrt unterbreche und zudem gefährlicher sei als das Passieren der Kreuzung auf der Fahrbahn, da die Sichtbeziehungen gestört sind und die Radfahrer Fußgänger umfahren müssen.
Fünf Vorschläge für kleine bauliche Veränderungen
Der ADFC hat daher fünf „Rettungsmaßnahmen“ überlegt, die die Verkehrssituation der Radfahrer und Fußgänger sicherer machen sollen. Erstens soll die neu geschaffene Rechtsabbiegespur für Autos in der Julianenburger Straße zu einer geschützten, also optisch klar getrennten, Radspur für den Geradeaus- und Rechtsabbiegefahrradverkehr umgebaut werden. Dazu sei nur eine farbige Kennzeichnung erforderlich und ein Übergang vom Radweg auf die Fahrbahn. Das sei leicht und mit geringem Kostenaufwand zu machen, befand Rudolph. Laut Gehrke könnte man die Fahrbahn auch mit leichten und im Dunkeln reflektierenden Erhebungen kennzeichnen.
Es wird ein eigenes Ampelsignal für den Radverkehr gefordert, mit Grünphasen, die der Geschwindigkeit des Radverkehrs entsprechen und nicht nach der Geschwindigkeit der Fußgänger getaktet sind. Radfahrende, die nach links in die Hafenstraße wollen, erhalten an der Fußgängerampel zur Querung des Fischteichweges eine eigene Aufstellfläche. Zudem soll dort die Radspur an der Ampel von der Fußgängerspur getrennt werden.
Eigene Ampeln für Radfahrer
Zweitens soll der Radverkehr aus der Kirchdorfer Straße auf der Fahrbahn geführt und vor der Haltelinie für Autos eine Aufstellfläche bekommen. Der Radverkehr erhält einen Vorlauf bei der Ampelschaltung. Mit dieser Verkehrsführung wäre dann auch das Linksabbiegen in die Julianenburger Straße mit einer Ampelphase möglich.
Drittens soll der Radverkehr aus der Hafenstraße auf der Fahrbahn geführt werden und vor der Haltelinie für Autos eine Aufstellfläche bekommen. Der Radverkehr erhält einen Vorlauf bei der Ampelschaltung. Mit dieser Verkehrsführung werde die Gefahrenstelle an der Bäckerei vermieden. Außerdem sei auch das Linksabbiegen in den Fischteichweg mit einer Ampelphase möglich.
Viertens sollen linksabbiegende Radfahrende aus dem Fischteichweg eine Aufstellfläche auf der Freifläche zwischen dem Fußweg über die Hafenstraße und dem in Ost-West-Richtung fließenden Kfz-Verkehr erhalten. Sie überqueren die Kreuzung nach einem eigenen Grün-Signal für die Radfahrer.
Ratsleute nahmen Vorschläge positiv auf
Fünftens fordert der ADFC auf der Ecke bei der Ostfriesischen Landschaft, dass der Fußweg zu einem kombinierten Fuß-/Radweg umgestaltet wird, damit das Abbiegen in die Hafenstraße erleichtert wird.
Die Vorschläge stießen bei den Ratsleuten auf offene Ohren. Haßbargen sagte, als Autofahrer habe er die Kreuzung vor dem Umbau gehasst, weil der Verkehr so zäh floss. Inzwischen finde er sie gefährlich und unübersichtlich. Er könne nicht verstehen, warum bei der Verkehrsführung nicht stärker in Nachbarstädte wie Emden geschaut worden sei, wo es Radfahrerampeln und Aufstellflächen längst gebe.
Wie Herresthal sagte, sei beim Umbau nur darauf geachtet worden, dass der Autoverkehr gut fließe. Wirklich genutzt werde die zusätzliche Abbiegespur von der Julianenburger Straße zur Kirchdorfer Straße aber nur zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr.
Rechtliche Konsequenzen könnten die Konsequenz sein
Laut Herresthal hat der ADFC frühzeitig Vorschläge zur Umgestaltung der Kreuzung eingebracht, sei aber nicht erhört worden. Schon vor dem Baubeginn sei er mit dem Ratsherrn Reinhard Warmulla (Linke) zum Gespräch beim Landkreis gewesen, um über die Planung zu diskutieren. Auch das habe nichts bewirkt.
Nun hoffe er, dass die Verkehrssicherheitskommission mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangehe und erkenne, dass mit geringen baulichen Veränderungen eine höhere Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger zu erreichen sei, so Herresthal.
Und wenn nicht? Aus seiner Sicht sei die Anlage der Kreuzung zumindest auf der Bäckerei-Ecke nicht rechtskonform. Dann müsse geprüft werden, ob ein Gericht sich die Sache anschauen solle.