Aurich

Auricher Altstadtsanierung droht zu bröckeln

| | 17.03.2022 21:42 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eines der Ziele der Altstadtsanierung ist die Belebung der Osterstraße, an deren Ende nun die Kunstschule und das Mach-Mit-Museum geplant sind. Foto: Romuald Banik
Eines der Ziele der Altstadtsanierung ist die Belebung der Osterstraße, an deren Ende nun die Kunstschule und das Mach-Mit-Museum geplant sind. Foto: Romuald Banik
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Seit Jahren wird in der Auricher Altstadt renoviert, doch zwei Drittel fehlen noch. Die Stadtbaurätin fürchtet, dass das Projekt nicht fertig ist, bevor der Geldhahn zugedreht wird. Sie macht einen Vorschlag.

Aurich - Eines der Auricher Groß- und Prestigeprojekte droht zu schrumpfen. Seit dem Jahr 2006 läuft bereits die Altstadtsanierung. Doch für eine Erneuerung im kompletten Innenstadtring wird sie vielleicht nicht mehr sorgen.

Die neue Auricher Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß ließ am Dienstag um Bau- und Sanierungsausschuss eine kleine Bombe platzen. Sie habe sich in die Unterlagen eingearbeitet - und festgestellt, dass in den vergangenen 16 Jahren nur rund ein Drittel der Maßnahmen umgesetzt wurden. Für die verbleibenden zwei Drittel stünden noch acht Jahre zur Verfügung. „Dann geht das Zeitfenster zu“, so Busch-Maaß. Und das heißt nicht, dass bis zum 31. Dezember die Bagger rollen können. Dann muss bereits die Schlussabrechnung vorliegen.

Hoffnung auf Diskussionsbereitschaft

„Mir ist das ziemlich unangenehm aufgestoßen“, so die Stadtbaurätin. Sie wolle daher einen Termin mit dem Amt für regionale Landesentwicklung (ARL) machen, um zu besprechen, wie man sinnvoll weitermachen könne. Das ARL betreut die Förderprojekte und die Mittelvergabe. Was nicht passieren dürfe, sei, dass die Stadt am Ende einer 24-jährigen Förderperiode die festgelegten Sanierungsziele nicht erreicht habe, warnte Busch-Maaß.

Umgesetzte und noch offene Projekte

Zur Altstadtsanierung gehört neben der Sanierung von privaten Gebäuden durch die Eigentümer die bessere Strukturierung der Innenstadt in funktionaler, städtebaulicher und verkehrlicher Hinsicht.

Zu den ersten städtischen Projekten gehörten die Umgestaltung der Bahnhofstraße, der ZOB-Vorplatzes, die Umgestaltung des Lambertshofs und der Kirchstraße, der Wallstraße, Lilienstraße und Marktstraße. Auch die Anlage des Parkplatzes an der Julianenburger Straße, des Knotenpunkts Fischteichweg/Kirchdorfer Straße und die Neugestaltung des Postgeländes sind abgeschlossen.

Ebenso dazu gehört die Sanierung des Hohen Walls und des Nürnburger Walls sowie die noch nicht abgeschlossene Umgestaltung des Georgswalls, wo noch die Nordseite fehlt.

Auch Umlegungsverfahren sind Teil des Großprojekts. Einige sind abgeschlossen, andere nicht. Erst begonnen hat die Sanierung der Osterstraße/Burgstraße, wo zwar die Vorarbeiten erledigt sind, die Pflasterarbeiten aber noch zwei Jahre in Anspruch nehmen. Teil des Vorhabens ist auch die Neugestaltung der Marktpassage, des Carolinengangs und der Hafenstraße.

Nur ansatzweise begonnen hat die Quartiersentwicklung zwischen Großer Mühlenwallstraße und Wallstraße, zwischen Osterstraße und Marktstraße, zwischen Wallstraße und Norderstraße und zwischen Norderstraße und Nürnburger Straße.

Noch nicht erfolgt ist die Umgestaltung der Norderstraße sowie der Wegebeziehungen auf dem Marktplatz, dem Pferdemarkt und am Schloss.

Bald solle die Förderrichtlinie noch einmal verändert werden. Ob es in dem Kontext gelinge, den Förderzeitraum zu verlängern oder das Sanierungsgebiet zu verkleinern und die Sanierungsziele zu modifizieren, müsse geklärt werden.

Riesiges Gebiet noch zu sanieren

„Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann“, sagte Busch-Maaß: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch alles schaffen. Als noch kommende Großmaßnahmen zählte sie die Fertigstellung des Georgswalls an seiner Nordseite und die Schaffung neuer Quartiere zwischen der Großen Mühlenwallstraße und der Wallstraße, zwischen der Wallstraße und der Norderstraße und zwischen der Norderstraße und der Nürnburger Straße auf. „Das ist ein riesiges Gebiet“, so Busch-Maaß: „Und die Zeiten werden nicht einfacher, sondern schwieriger.“

Eigentlich sollte die Förderperiode längst abgelaufen sein. Noch 2018 ging Busch-Maaß‘ Amtsvorgängerin Irina Krantz davon aus, dass bis Ende 2022 abgerechnet sein müsse. Das wurde dann um zwei Jahre verlängert. Kurze Zeit später kam die erlösende Nachricht, dass es ein Förderprogramm gibt, das an das alte anschließt. Aurich hatte Jahre gewonnen.

Anderes Vorgehen bei der Umlegung

Befragt nach dem, was mindestens bis Ende 2023 geschafft werden müsse, antwortete Krantz vor fünf Jahren, dass mit der vollendeten Umlegung von Grundstücken viel gewonnen sei. Denn gerade in Innenstädten sind Grundstücke oft verwinkelt und kleinteilig. Bei der Umlegung werden Eigentumsverhältnisse durch Tausch so verändert, dass auf den zusammengelegten Flächen Projekte leichter zu verwirklichen sind.

Die Höfe links und rechts der Wallstraße sollen neu gestaltet werden. Foto: Romuald Banik
Die Höfe links und rechts der Wallstraße sollen neu gestaltet werden. Foto: Romuald Banik

Busch-Maaß scheint eine andere Strategie zu verfolgen: Sie wolle weniger intensiv bei der weiteren Umlegung vorgehen und dafür klarer agieren. „Sonst haben wir als Stadt ein ganz neues Problem in ein paar Jahren.“

Zwei Grundstücke versperren Straße durch Quartier

Anlass der Ausführungen war die Diskussion über das neue Quartier zwischen Großer Mühlenwallstraße und Wallstraße. Schon 2014 wurden dafür teil relativ konkrete Pläne vorgestellt, nun - acht Jahre später - ist von der Umsetzung wenig zu sehen. Geplant sind zwischen der Einfahrt zur Markttiefgarage bis zur Quartierspitze am ZOB zwei Häuserreihen mit einer innenliegenden Erschließungsstraße.

Einziges Manko ist, dass die Straße zwischen den beiden Häuserreihen, die das Quartier von innen heraus erschließt, für längere Zeit an zwei Stellen unterbrochen sein wird, da zwei Eigentümer ihre Grundstücke nicht verkaufen wollen. Während Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß sagte, man müsse in dem Zusammenhang das Wort Enteignung mitdenken, appellierte Ausschussmitglied Bodo Bargmann (CDU), dies nicht zu tun. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es für einige Grundstücke keine Verkaufsbereitschaft gebe, sagte er. Dabei solle man es belassen.

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