Aurich

Bauausschuss will keine halben Sachen

| | 16.03.2022 20:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das große Gebäude links neben dem schon sanierten Architekturbüro Kruse soll einem Mehrparteienhaus weichen. Foto: Romuald Banik
Das große Gebäude links neben dem schon sanierten Architekturbüro Kruse soll einem Mehrparteienhaus weichen. Foto: Romuald Banik
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Kein Entgegenkommen gab es im Auricher Bauausschuss für einen Investor. Statt, wie besprochen, zwei will dieser vorerst nur ein Grundstück kaufen, „das Sahnehäubchen“. Nun muss er nachbessern.

Aurich - Bevor abgestimmt wurde, gab der Auricher Bauausschuss der Verwaltung einen neuen Auftrag. Sonst wäre die Abstimmung wohl vernichtend ausgefallen, denn weder die CDU noch die SPD, die FDP, die Linken oder die Grünen wollten dem von der Verwaltung vorgeschlagenen Verkauf eines Grundstücks an der Wallstraße an die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) zustimmen. Diskutiert wurden dabei mehrere Faktoren, doch nur einer brachte die Politik wirklich gegen die Pläne auf.

Dass die NLG dort aus Kostengründen nicht mehr, wie 2014 ursprünglich in nicht-öffentlicher Sitzung im Bauausschuss präsentiert, drei kleine Stadthäuser mit Stellplatz für Familien plant, sondern ein Mehrparteienhaus mit sieben Wohnungen, stieß auf Verständnis im Ausschuss. Bauamtsmitarbeiterin Britta Gerdes, die die Pläne vorstellte, sah sogar Positives: Statt drei Wohneinheiten entstünden nun sieben. Damit konnte die Politik sich anfreunden.

Weiteres Gebäude in Aussicht gestellt

Dass das Grundstück, wie berichtet, für einen für eine Innenstadtlage vergleichsweise günstigen Quadratmeterpreis von 200 Euro verkauft wird, obwohl der Verkehrswert inzwischen höher veranschlagt wird, wurde diskutiert, sorgte aber nicht für die Ablehnung des Verwaltungsvorschlages. Gerdes hatte zuvor erläutert, dass der unabhängige Gutachterausschuss die Preise regelmäßig neu festlege – und dass der Nach-Sanierungs-Quadratmeterpreis erst in diesem Jahr überraschend und ungewöhnlich stark gestiegen sei. Der Vertrag sei im vergangenen Juli zu dem niedrigeren Preis ausgehandelt worden.

Der Punkt, an dem die Politik nicht mitgehen wollte, war jedoch die Aufteilung des Grundstücks in zwei Teile. Gerdes erläuterte zwar, dass die NLG fest in Aussicht gestellt habe, auch den zweiten Teil der Fläche an der Großen Mühlenwallstraße (B 72) noch zu erwerben und im Sinne der alten Planungen ebenfalls mit einem Mehrparteienhaus zu bebauen. Die Ausschussmitglieder trauten dem Frieden jedoch nicht.

Aus Tortenstück nur das Sahnehäubchen

Sie forderten mehrheitlich, dass die NLG auf einen Schlag, wie 2017 verabredet, beide Grundstücke kauft. Damals hat die Politik davon abgesehen, sie wie im Sanierungsgebiet sonst üblich, per Ausschreibung zu verkaufen und sie für die NLG reserviert. Nun wurden Taten verlangt.

Bodo Bargmann (CDU) schimpfte, dass die jetzt vorgelegte Planung „für mich nichts mehr mit der ursprünglichen Planung zu tun“ habe. Rolf-Werner Blesene (SPD) mutmaßte, dass der Investor sich nun aus einem Tortenstück in der Innenstadt nur noch das Sahnehäubchen an der Wallstraße herausgreifen wolle. Sarah Buss (FDP) betonte, dass eine reine Absichtserklärung nichts wert sei, wenn kein Vertrag mit Unterschrift vorliege. Lediglich Richard Rokicki (AWG) sprach sich dafür aus, der NLG zu vertrauen, dass sie ihre ursprünglichen Pläne umsetzen werde.

Kauf beider Grundstücke wird zur Bedingung

Der Ausschuss wollte es darauf jedoch nicht ankommen lassen und formulierte Bedingungen, um in einer der nächsten Sitzungen dann bei Erfüllung zuzustimmen. Bedingung für den Verkauf des Grundstücks an der Wallstraße ist der gleichzeitige Kauf des noch zu vermessenden Grundstücks an der Großen Mühlenwallstraße. Zudem verlangte Bargmann, dass die NLG kurzfristig zumindest vorläufige Zeichnungen für das an der Großen Mühlenwallstraße geplante Gebäude vorlegen soll.

Denn es geht um die Entwicklung des ganzen Quartiers zwischen der Großen Mühlenwallstraße und der Wallstraße. Zwei Häuserreihen sollen das Quartier zu den beiden Straßen hin begrenzen. Die Erschließung soll über eine kleine Straße zwischen den Häusern erfolgen, damit nicht zu viele Ausfahrten zur viel befahrenen Bundesstraße hin entstehen. Die Häuser sollten nach den Ursprungsplänen so gebaut werden, dass die Parkplätze zum Teil im Erdgeschoss der Gebäude angelegt werden und Wohnnutzung dort erst ab der ersten Etage möglich ist.

Auch im mittleren Quartiersabschnitt könnte sich bald was tun

Wie Gerdes sagte, könne nach dem Abriss der Gebäude auf dem künftigen NLG-Grundstück, für den nun der Auftrag vergeben werden könne, und dem Verkauf des Grundstücks schon der Bau des ersten NLG-Hauses beginnen.

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Auch im mittleren Abschnitt des Quartiers habe die Stadt ein Grundstück erworben. Auch dieser Bereich lasse sich relativ zeitnah veräußern und entwickeln, wenn übergangsweise eine Zuwegung von der Großen Mühlenwallstraße aus in das Quartier gelegt werde. „Es gibt an der Wallstraße jetzt einen gewaltigen Fortschritt“, so Gerdes.