Aurich
Flüchtlinge: Kreis appelliert an Helfer
In diesen Tagen brechen viele Ehrenamtliche Richtung Ukraine auf, um Kriegsvertriebene nach Deutschland zu bringen. Kreis-Ordnungsamts-Leiter Marcel Schäfer warnt jedoch vor einem bestimmten Vorgehen.
Aurich - Der Landkreis Aurich warnt ehrenamtliche Helfer vor nicht abgestimmten privaten Flüchtlingskonvois. Wenn die Kreisverwaltung nicht wisse, wie viele Menschen wann zu erwarten sind, sei das ein Problem. „Die Kapazitäten werden dadurch unkalkulierbar“, sagte Kreis-Ordnungsamtsleiter Marcel Schäfer am Dienstag im Sozialausschuss. Wichtig sei, dass die Flüchtlinge zunächst am zentralen „Drehkreuz“ in Hannover-Laatzen registriert und von dort aus weiter verteilt würden, so Schäfer. Alles andere würde die Aufnahmeprozeduren nur verkomplizieren. Denn einige der Kriegsvertriebenen wollten womöglich gar nicht in den Landkreis Aurich, so Schäfer.
Der Ordnungsamtsleiter berichtete den Kreispolitikern von der aktuellen großen Herausforderung und dem Tempo der Ereignisse der vergangenen Tage. Bereits kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am Morgen des 24. Februar habe man in der Kreisverwaltung eine Koordinierungsgruppe mit Mitarbeitern verschiedener Ämter gebildet.
Anderes Vorgehen als bei Krise 2015/16 nötig
Grundsätzlich sei ein anderes Vorgehen als bei der Flüchtlingskrise 2015/16 notwendig, so Schäfer. Denn seinerzeit waren Asylanträge an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vonnöten. Bei den nun Vertriebenen aus der Ukraine aber seien die Ausländerbehörden zuständig.
Dem Landkreis wichtig sei eine zentrale Aufnahme. „Damit die Betroffenen nicht quer durch das Kreishaus geschickt werden.“ Wohnmöglichkeiten für 120 Menschen wurden in der ehemaligen Küstenfunkstelle Utlandshörn bei Norden geschaffen, wo bereits in der letzten Flüchtlingskrise Menschen untergebracht waren. Der Aufenthalt dort solle aber nur von kurzer Dauer sein, im Idealfall nur eine Woche. Dann sollen die Vertriebenen in Wohnungen im Kreisgebiet vermittelt werden. Dafür suche man weiter dringend Wohnraum, so Ordnungsamtsleiter Schäfer.
Die Zahl der Vertriebenen stieg in den vergangenen Tagen rasant: von elf am 1. März auf 129 am 7. März und 256 an diesem Dienstag. Marcel Schäfer ist sicher: „Es werden mehr werden. Was am Ende auf uns zukommt, wissen wir nicht.“ In der letzten großen Flüchtlingskrise 2015/16 seien rund 3500 Menschen in den Kreis Aurich gekommen. „Eine solche Größenordnung ist auch diesmal nicht unrealistisch.“