Südbrookmerland

Wie die Wirtschaft vom Tourismus profitiert

| | 11.03.2022 15:34 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Feriengebiet am Großen Meer. Foto: Bernd Heiken
Das Feriengebiet am Großen Meer. Foto: Bernd Heiken
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Investitionen in den Tourismus in Südbrookmerland sind häufig umstritten. Nun legten Fachleute und Verwaltung offen, wie Wirtschaft und Gemeindekasse vom Fremdenverkehr profitieren.

Südbrookmerland - Es sind Summen, die in der Politik immer wieder für Diskussionsstoff sorgen: Rund 450 000 Euro zahlt die Gemeinde Jahr für Jahr aus ihrem Haushalt an die eigene Touristik GmbH, um das erwirtschaftete Defizit auszugleichen. Geld, das nach Meinung mancher Ratsmitglieder und vieler Einwohner der Gemeinde besser in Schulen, Straßen und Kitas investiert werden könnte. Dass dies nur die halbe Wahrheit sei und die Gemeinde an anderen Stellen finanziell stark vom Tourismus profitiere, versuchten Touristik GmbH und Verwaltung am Donnerstagabend darzulegen. Sie lieferten Zahlen.

Alle drei Jahre gibt es für den Landkreis Aurich eine Erhebung zum Tourismus als Wirtschaftsfaktor. Aktuell wird noch mit Zahlen aus 2019 gearbeitet, doch die sind eindrücklich. Laut dem Südbrookmerlander Touristik-Geschäftsführer spülte der Tourismus im Jahr vor der Pandemie rund 1,06 Milliarden Euro in die Kassen von Hotels, Vermietern und anderen Beteiligten. Dazu gehörten laut Willms vor allem der Einzelhandel und Dienstleistungsunternehmen. Für die öffentlichen Kassen bedeutete dies ein Steueraufkommen von etwa 97,5 Millionen Euro.

Geld kommt durch Steuereinnahmen zurück

Heruntergebrochen auf Südbrookmerland gibt es solche Zahlen zwar bislang nicht, aber auch dort sei davon auszugehen, dass Gastgewerbe, Einzelhandel und Dienstleister stark vom Tourismus profitierten. So gäben Wohnmobilisten und Dauercamper im Kreis Aurich durchschnittlich 41,50 Euro pro Tag und Person aus. Bei Gästen in Privatquartieren und auf Bootsliegeplätzen seien es 79,20 Euro, Gäste in Hotels zahlten pro Tag durchschnittlich 106,30 Euro. Dabei handele es sich sowohl um die Kosten für Übernachtungen als auch für Einkäufe, Eintrittsgelder und andere Ausgaben. Große Teile dieses Geldes dürften in Form von Steuern direkt wieder in die öffentlichen Kassen fließen.

Aber auch als Arbeitgeber sei der Tourismus ein wichtiger Faktor. So seien allein in Südbrookmerland etwa 650 Menschen direkt oder indirekt im Tourismus beschäftigt. Beispielhaft nannte Kämmerer Wilfried Müller die Bäckereifiliale, in der wegen des Tourismus mehr Personal benötigt werde. Detaillierte Zahlen für Südbrookmerland ließen sich im Zuge der nächsten Erhebung für den Landkreis ermitteln. Dies koste zwischen 2500 und 5000 Euro.

Sattes Plus bei Zweitwohnungssteuer

Neben den nicht genau zu beziffernden Beträgen gibt es auch Einnahmen, die sich direkt dem Tourismus zuschreiben lassen. Dazu gehören laut Müller die Einnahmen aus Parkgebühren sowie Verwarn- und Bußgeldern. Mehr als 57 000 Euro kamen dabei 2021 zusammen. Nicht berücksichtigt sind dabei allerdings die Kosten für die Parkraumüberwachung.

Den größten touristischen Posten bei den zu beziffernden Einnahmen macht aber die Zweitwohnungssteuer aus. Nach einer Reform zu Beginn des vergangenen Jahres schlägt diese mit 193 000 Euro zu Buche – immerhin rund 55 000 Euro mehr als vor der Reform. Ob diese Zahlen Kritiker am Ende überzeugen, ist fraglich. Immer wieder taucht die Frage auf, ob sich die genannten Erträge in ähnlicher Höhe auch mit weniger finanziellem Aufwand erzielen ließen. Weitgehend einig ist man sich aber darüber, dass der Tourismus in Südbrookmerland auch in Zukunft gefördert werden soll.

Geschehen soll dies auch anhand eines touristischen Leitbildes, das am Donnerstag ebenfalls vorgestellt wurde. Darin wurden Ziele definiert, an denen sich künftig alle Maßnahmen orientieren sollen. Beispielsweise geht es um Naturerlebnisse, Erholung und kulturelle Angebote. Konkrete Maßnahmen wurden in dem Leitbild noch nicht benannt, sollen sich aber daraus ergeben. Beteiligt war unter anderem der frühere VW-Manager Hans-Wilhelm Wildeboer.

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