Südbrookmerland
Feuerwehrbedarfsplan: Millionen für Südbrookmerlander Retter
Ein Gutachter hat am Dienstag den neuen Bedarfsplan für die Südbrookmerlander Feuerwehren vorgestellt. Eine der fünf Ortsfeuerwehren hält der Experte für verzichtbar.
Südbrookmerland - Vermutlich mehrere Millionen Euro muss die Gemeinde Südbrookmerland in den kommenden Jahren in ihre Feuerwehren investieren. Vor allem für neue Fahrzeuge und damit verbunden auch für neue Gerätehäuser. Das geht aus dem neuen Feuerwehrbedarfsplan hervor, der am Dienstag der Südbrookmerlander Politik vorgestellt wurde. Auf eine der fünf Südbrookmerlander Feuerwehren könnte nach Auffassung des Gutachters aber ganz verzichtet werden. Rund zwei Jahre lang hat sich Brandschutzingenieur Manfred Fennen aus dem Saterland mit dem Brandschutz in der Gemeinde beschäftigt. Dabei erstellte er zunächst eine Risikoeinschätzung.
Welche Gewerbebetriebe gibt es, wo liegen die besonderen Gefahren, was ist in Zukunft noch geplant? Unter anderem spielt dabei auch der geplante Bau der Zentralklinik in Uthwerdum eine Rolle. Die Einschätzung der Risiken glich Fennen dann mit dem Ist-Zustand in den Feuerwehren und mit gesetzlichen sowie fachlichen Vorgaben ab. Das Ergebnis: Vieles ist bereits abgedeckt, in einigen Bereichen muss noch nachgebessert werden – vor allem dann, wenn die Klinik gebaut wird. In diesem Fall müsste die Gemeinde beispielsweise eine Drehleiter anschaffen. „Das ist unumgänglich“, so Fennen. In den vergangenen Jahren beliefen sich die Kosten für solche Fahrzeuge, je nach Ausstattung, auf Summen zwischen 700.000 und 850.000 Euro. Tendenz steigend.
Gutachter sieht viele Überschneidungen
Überprüft hat Fennen auch die Abdeckung des Gemeindegebietes durch die Feuerwehren innerhalb einer bestimmten Hilfsfrist. Grob gesagt wurden dazu auf einer Karte Kreise um die Feuerwehrhäuser gezogen. Auch die Wege der einzelnen Einsatzkräfte von ihrem Wohnort zum Gerätehaus wurden dabei berücksichtigt. Abgesehen vom östlichen Teil Moordorfs ist die Abdeckung seiner Einschätzung nach überall gut. Manchmal sogar zu gut. So gebe es in einigen Bereichen starke Überschneidungen. Fennen kam deshalb zu dem Schluss, dass auf die Ortsfeuerwehr Oldeborg theoretisch verzichtet werden könnte. Zugleich mahnte der Experte aber, dass sich die Politik einen solchen Schritt gut überlegen müsse. Erfahrungsgemäß gingen durch einen solchen Schritt zahlreiche Feuerwehrmitglieder verloren. Darauf wies in einer späteren Unterbrechung der Sitzung auch Theo Peters, stellvertretender Ortsbrandmeister in Wiegboldsbur, hin. „Wir brauchen vielleicht die Feuerwehr nicht, aber wir brauchen die Leute.“
Ernsthaft Sorgen machen muss sich in der Feuerwehr Oldeborg aber wohl ohnehin niemand. Verwaltung und Feuerwehrführung sind sich einig darin, an allen fünf Standorten festhalten zu wollen. Und auch aus Reihen der Politik war am Dienstag nichts von Plänen zu hören, eine Ortsfeuerwehr aufzulösen. Mit Blick auf den hohen Stellenwert der Retter in der Gemeinde wäre ein solcher Vorschlag wohl auch der viel zitierte politische Suizid. Darüber hinaus dürfte ein solcher Schritt auch anderen Empfehlungen des Gutachters entgegenlaufen. In Sachen Personal sieht Fennen laut seinem Gutachten mittelfristig Nachholbedarf. Zwar sei die Verfügbarkeit von Einsatzkräften grundsätzlich rund um die Uhr gegeben.
Spitze gegen Nachbarn im Brookmerland
Dennoch empfiehlt Fennen, weitere Mitglieder anzuwerben und die Nachwuchsarbeit zu fördern. Ebenfalls Nachholbedarf sieht Fennen bei der Löschwasserversorgung. Weil der Ausbau aber sehr kostspielig sei, empfiehlt er die Anschaffung neuer Tanklöschfahrzeuge. Noch in diesem Jahr sollte seiner Ansicht nach ein Wagen mit 3000 Litern Löschwasser für die Ortsfeuerwehr Wiegboldsbur ausgeschrieben werden. 2024 soll ein solches für die Victorburer Kameraden folgen. Kommt die Zentralklinik, empfiehlt er für diese Ortsfeuerwehr ein Fahrzeug mit 4000 Litern Wasser an Bord.
Bei dem vorgestellten Gutachten handelt es sich zunächst einmal um Handlungsempfehlungen. Gleichzeitig setzt es die Politik aber unter einen gewissen Druck. Beispielsweise für den Fall, dass ein Schaden eintritt, der nachweislich mit der empfohlenen Ausstattung zu verhindern gewesen wäre. Das wissen auch die Ratsmitglieder, die den Feuerwehren auch in der Vergangenheit kaum einen Wunsch abgeschlagen haben. Dieter Dirksen (CDU) zeigte sich in der Sitzung glücklich über die Einigkeit, die zwischen Feuerwehrführung, Politik und Verwaltung herrschte.
Mit Blick auf Streitigkeiten im Zuge einer Umstrukturierung der Feuerwehren in der Nachbargemeinde sagte Dirksen: „Ich bin froh, dass ich in Südbrookmerland wohne und nicht im Brookmerland.“ Aus Reihen der Ratskollegen und der anwesenden Feuerwehrleute erhielt er dafür reichlich Zustimmung.