Aurich

Handwerk: In jedem vierten Betrieb sitzt eine Chefin

| | 08.03.2022 12:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Frauen überzeugen auch in ehemals männerdominierten Berufen. Foto: amh-online.de
Frauen überzeugen auch in ehemals männerdominierten Berufen. Foto: amh-online.de
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Frauen erobern das Handwerk. Bundesweit steigt die Zahl der Meisterinnen. Auch in Ostfriesland sind sie laut Kammer auf dem Vormarsch – aber es gibt Luft nach oben. Vor allem in einem Bereich.

Aurich - Immer mehr Frauen arbeiten im Handwerk und sind dort erfolgreich – auch in Ostfriesland. Das hat die Handwerkskammer für Ostfriesland in den vergangenen Jahren beobachtet. Allerdings sind sie dort immer noch unterrepräsentiert – obwohl sie hochwertige Bildungsabschlüsse erzielen, beklagt HWK-Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs. Er fordert: „Das Handwerk braucht noch mehr Frauen – besonders in Führungspositionen und als Unternehmerinnen.“ Ansonsten würde dem Handwerk in Ostfriesland viel Potenzial verloren gehen.

Der Anteil der Meisterinnen im Handwerk nimmt laut einer ZDH-Studie seit Jahren bundesweit zu. Im ostfriesischen Handwerk gibt es laut Kammer viele Handwerkerinnen, die in ihrem Beruf erfolgreich sind, Betriebe übernehmen, gründen und weiterentwickeln. So werden von den rund 5.600 Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer 1.306 Unternehmen von Inhaberinnen, Gesellschafterinnen oder Geschäftsführerinnen geleitet. 455 von ihnen tragen den Meistertitel. Auch das Gründungsgeschehen verzeichnet eindeutig weibliche Aktivitäten. 398 Frauen haben in den letzten drei Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Das Handwerk ist schon längst nicht mehr allein eine Männerdomäne“, sagt Frerichs. Viele Frauen agieren hinter den Kulissen, da in den meist familiengeführten Betrieben die Ehefrauen den kaufmännischen Bereich übernehmen.

Etwa ein Viertel der Auszubildenden sind weiblich

In den gewerblich-technischen Berufen ist die weibliche Seite jedoch vielfach noch nicht ausgeprägt. „Ziel muss es sein, auch in diesem Bereich deutlich aufzuholen und die Stärken und Talente jenseits von Stereotypen weiterzuentwickeln. Denn die Berufsaussichten und Karrierechancen für Frauen im Handwerk sind exzellent“, sagt Frerichs. Umdenken ist angesagt – auch bei Eltern, Lehrern und in der Gesellschaft insgesamt. Mit dem digitalen Wandel werden die körperlichen Belastungen im Arbeitsalltag geringer, zugleich wächst der Bedarf an kreativem, kommunikativem und gestaltendem Potenzial. Insgesamt liegt der Frauenanteil bei den Auszubildenden bei gut einem Fünftel. Von rund 2.400 Auszubildenden erlernen 546 weibliche Lehrlinge ein Handwerk. Dabei sind die beliebtesten Berufe im Dienstleistungs- und Gesundheitsbereich wie Orthopädie, Hörakustik, im Lebensmittelhandwerk oder der unangefochtenen Nummer Eins, dem Friseurhandwerk, zu finden. Junge Frauen setzen sich aber auch in Männerdomänen durch: Als Malerin und Lackiererin, Tischlerin, Dachdeckerin, Elektronikerin oder Mechatronikerin überzeugen sie mit handwerklichem Geschick und Können.

Die Handwerkskammer für Ostfriesland unterstützt jegliche Bemühungen, um noch mehr Bewerberinnen für das Handwerk zu begeistern: Sei es in Berufsorientierungen, Frauencafés, den Auricher Frauenwochen, der Initiative „#einfachmachen – Frauen ins Handwerk“ oder die Unterstützung der Unternehmerfrauen im Handwerk.

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