Aurich

Zweite Chance für gescheitertes Seniorenhotel

| | 08.03.2022 09:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mike (von links) und Edith Janßen, Frank Tholen und Rena Wichmann sowie Helmut und Katharina Pflüger haben vor zwei Jahren beim Grillen beschlossen, eins der Appartementhäuser zu kaufen und endlich in Gang zu bringen. Foto: Karin Böhmer
Mike (von links) und Edith Janßen, Frank Tholen und Rena Wichmann sowie Helmut und Katharina Pflüger haben vor zwei Jahren beim Grillen beschlossen, eins der Appartementhäuser zu kaufen und endlich in Gang zu bringen. Foto: Karin Böhmer
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Sechs Freunde haben eines der Appartementhäuser am Badesee in Tannenhausen übernommen. Was vor wenigen Jahren als Hotel mit Pflegeservice gebaut wurde, findet nun eine neue Bestimmung.

Tannenhausen - Nach einem holprigen Auftakt soll nun alles in ruhige Fahrwasser kommen: Eine Gruppe von sechs Investoren hat eines der beiden Appartement-Gebäude am Neustadtweg in Tannenhausen erworben und beginnt nun mit der Vermietung von Ferienwohnungen.

Die neuen Eigentümer sind schon länger befreundet. Beim Grillen im Garten von Edith und Mike Janßen, die in direkter Nachbarschaft wohnen, wurde die Idee geboren, wie Frank Tholen berichtet. „Es wäre einfach zu schade gewesen, das Gebäude verkommen zu sehen“, sagt Mike Janßen.

Namen mit Lokalkolorit

Ebenfalls zur Gruppe gehören Rena Wichmann sowie Katharina und Helmut Pflüger. Seit 2020 spielten sie die Idee durch, das Haus mit den acht Ferienwohnungen, dem Lokal und der Sauna zu übernehmen. Im August 2021 war es dann so weit: Sie kauften das Haus, Ende Oktober begann die Vermietung. Das Gebäude heißt nun Villa Moorstern, die Wohnungen tragen Namen mit Tannenhausener Lokalkolorit: Meerhusen, Südmoor, Goldmoor, Silbersee, Bernuthsfeld, Ewiges Meer, Dobbe und Seeblick.

Die Wohnungen wurden nach dem benannt, was die Gäste vom Fenster aus sehen können – beispielsweise den Badesse Tannenhausen. Foto: Karin Böhmer
Die Wohnungen wurden nach dem benannt, was die Gäste vom Fenster aus sehen können – beispielsweise den Badesse Tannenhausen. Foto: Karin Böhmer

Zu vermieten sind acht Wohnungen in der Größenordnung von 40 bis 85 Quadratmetern. Fünf von ihnen können zwei Gäste beherbergen, in den drei anderen finden vier Gäste Platz. Eine Vier-Bett-Erdgeschosswohnung verfügt laut Rena Wichmann über einen separaten Eingang und einen kleinen eingezäunten Garten und ist speziell für Familien mit Hund gedacht.

Schon mit Vorschriften für Barrierefreiheit auseinandergesetzt

Obwohl die Appartements von den ursprünglichen Investoren als Seniorenhotel gedacht war, ist keines der Appartements tatsächlich rollstuhlgerecht angelegt. Die Wohnungen sind aber generell barrierearm und über einen Lift zu erreichen.

Die Vorgeschichte des Hauses

Im Jahr 2010 machten zwei Investoren ihren Plan bekannt, am Badesse Tannehausen ein Hotel mit 30 Doppelzimmern für die Zielgruppe „Senioren ab 60, die zwar noch nicht in der Pflegestufe I, aber dennoch auf Hilfe angewiesen sind“ zu eröffnen. Der Bau wurde genehmigt, es wurde eigens im Bebauungsplan das Sondergebiet „Seniorenfreizeit“ festgelegt, das Beherbergung von Senioren plus eine Schank- und Speisewirtschaft sowie Anlagen für soziale, sportliche und kulturelle Zwecke gestattete. Der Stadtrat tat sich schwer damit, den Neubau am Rand des Landschaftsschutzgebietes zu genehmigen, ließ sich aber von der Idee überzeugen.

Zeitweise war auch von rollstuhlgerechten Wohnungen die Rede. Die beiden Gebäude gingen aber nicht als Seniorenhotel in Betrieb, sondern wurden ohne Beschränkungen als Ferienwohnungen vermietet. Das widersprach den Vorgaben im Bebauungsplan, sodass die Stadt Aurich die Vermietung 2019 untersagte. Eines der Gebäude wurde von den Eigentümern verkauft. Das Gebäude, in dem sich nun die „Villa Moorstern“ befindet, kam in die Zwangsversteigerung, fand mit den geltenden Auflagen aber keinen Käufer.

Schon 2019 begann die Politik darüber nachzudenken, eine Nutzung als Ferienwohnungen zu gestatten, um Leerstand am Badesee zu verhindern. Den entsprechenden Beschluss fasste der Stadtrat im Juli 2021 – mit Zähneknirschen.

Laut Rena Wichmann überlegen die neuen Eigentümer, mittelfristig ein oder zwei Appartements so auszustatten, dass sie tatsächlich barrierefrei sind. Mit den entsprechenden DIN-Vorschriften haben sie sich schon befasst. „Und die Nachfrage ist auch da“, sagt Wichmann – nicht nur von Senioren, sondern auch von Familien, die mit einem behinderten Kind verreisen wollen. Es ist dann aber nur an Vermietung gedacht, nicht an die Betreuung der Gäste durch Tagespflegekräfte, wie in der Ursprungsidee beschrieben.

Bistro soll Spaziergänger am See auch im Winter bewirten

Teil des Hauses ist auch ein Bistro mit 35 Plätzen plus Außenterrasse. Derzeit suchen die sechs neuen Eigentümer einen Mieter, der das Lokal als Bistro betreibt, so Wichmann. Ziel sei es, das Lokal ganzjährig zu öffnen, denn auch im Winter gebe es zahlreiche Spaziergänger am Badesee, aber anders als von Frühjahr bis Herbst keine Möglichkeit zur Einkehr. Es solle ausdrücklich keine Kneipe sein, sondern ein Lokal mit Frühstück, Kaffee und Kuchen und kleinen Gerichten, betont Katharina Pflüger.

Einen großen Teil des Erdgeschosses nimmt der Saunabereich ein. Foto: Karin Böhmer
Einen großen Teil des Erdgeschosses nimmt der Saunabereich ein. Foto: Karin Böhmer

Der Betreiber des Bistros wird noch eine Aufgabe haben: Er soll auch die Sauna verwalten, die einen großen Teil des Erdgeschosses einnimmt. Neben einer finnischen Sauna mit rund 20 Plätzen stehen dort ein Dampfbad, ein großer Ruheraum mit Fußwärmebecken, eine Schwalldusche und Umkleiden zur Verfügung. Dieser Bereich soll für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Anfragen gebe es schon etliche, sagt Frank Tholen, sowohl von Gästen des benachbarten Sportparks als auch von Sportgruppen und Privatpersonen.

Anfragen aus Tannenhausen und deutlich darüber hinaus

Auch für einen Praxisraum, der mal für eine Physiotherapiepraxis vorgesehen war, verhandeln die neuen Eigentümer noch mit einem potenziellen Pächter, der allerdings eine etwas andere Ausrichtung haben wird.

„Das Haus hat eine Vorgeschichte“, sagt Katharina Pflüger: „Aber wir haben das nicht verpatzt, sondern wollen das Projekt nun ins Positive wenden.“ Über die Internetseite und Buchungsportale kämen bereits Anfragen von Tannenhausenern, die Gäste unterbringen wollten, und aus ganz Deutschland und auch aus Österreich herein.

Am 13. März findet von 14 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür statt, damit die Tannenhausener und alle Interessierten sich die Anlage ansehen können. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie kalte Getränke, wobei der Erlös dem SC Tannenhausen zugute kommen soll.

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