Aurich
Klimaschutzmanagerin nach nur sechs Monaten wieder weg
Aurich hat kein Glück: Schon die zweite Klimaschutzmanagerin kündigt nach kurzer Zeit. Die Politik will die Stelle aufwerten, um sie attraktiv zu machen. Im Rathaus gibt es noch eine andere Idee.
Aurich - Befristet war die Stelle auf 16 Monate, doch schon nach sechs Monaten ist die Auricher Klimaschutzmanagerin Dr. Katharina Heidtmann wieder weg. Zum 1. April wechselt sie in das Amt für Klimaschutz und Mobilität der Stadt Oldenburg. Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß gab die Neuigkeit am Dienstag mit Bedauern im Umwelt- und Verkehrsausschuss bekannt – und sorgte damit durchaus für Entsetzen bei den Politikern. Denn es ist schon die zweite Klimaschutzmanagerin, die der Stadt Aurich binnen eines Jahres verloren geht.
Erst im vergangenen Juli beendete ihre Vorgängerin Evelyn Brudler nach etwas mehr als einem halben Jahr ihr Arbeitsverhältnis in Aurich. Zuvor war die Stelle nach mehreren Versuchen auch schon mal besetzt worden. Die designierte Klimaschutzmangerin sprang jedoch ab, bevor sie den Dienst antrat.
Stadtbaurätin: Ich hatte gehofft, dass das nicht so endet
Wie Brudler kam auch Heidtmann aus Oldenburg nach Aurich - und kehrt nun in die knapp 170.000-Einwohner-Stadt zurück. Sie werde dort eine Abteilung mit 21 Mitarbeitern leiten, so Busch-Maaß. Dagegen habe sie nicht argumentieren können, als sie vor wenigen Wochen von dem anstehenden Wechsel Kenntnis bekommen habe. „Ich hatte gehofft, dass das nicht so endet, und habe alles gegeben, aber da konnte ich mir die Zunge abreden“, so Busch-Maaß.
Die Aufgaben
Im Juni 2019 hat der Rat beschlossen, dass die Stadt Aurich einen Klimaschutzmanager einstellt, um sich um Fragen der Energieversorgung und Verkehrsentwicklung kümmern, Umwelt- und Klimaschutzprojekte zu koordinieren und Fördermittel einzuwerben. Die Stelle sollte in den ersten zwei Jahren zu rund 66 Prozent vom Bundesumweltministerium bezahlt werden, danach drei weitere Jahre lang zu 40 Prozent. Heidtmann organisierte im Januar einen Workshop zur klimafreundlichen Mobilität, für den es eine Warteliste von interessenten gab. Ein Workshop im Februar befasste sich mit dem Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Dabei ging es beispielsweise um Überschwemmungsgefahren durch Starkregen. In dieser Woche ist zudem ein Treffen von Heidtmann mit Jugendlichen terminiert.
Das einzige, was sie habe tun können, war, einige Aufgaben wie die Organisation der Earth Hour an andere Kollegen zu delegieren, damit Heidtmann sich auf wichtige Punkte wie das Klimaschutzkonzept und des Verkehrskonzept konzentrieren konnte. Einige Aufgaben sollen nun an externe Büros vergeben werden, um erforderliche Konzepte fristgerecht abschließen zu können.
Lob aus dem Ausschuss
In Oldenburg wurde im vergangenen Mai eine neue Organisationseinheit für Klimaschutz und Mobilität gegründet, die zwei Fachdienste kombiniert, die bislang unterschiedlichen Ämtern zugeordnet waren. Nach Angaben der Stadt Oldenburg wurde der Bereich Verkehrsplanung mit dem Fachdienst Umweltmanagement zusammengefasst und um die Stabsstelle Klimaschutz und das Regionale Umweltbildungszentrum ergänzt.
Ebenso wie Busch-Maaß drückten die Ausschussmitglieder ihr Bedauern über den Weggang von Heidtmann aus. „Ich bin zutiefst schockiert“, sagte Reinhold Mohr (Grüne). Heidtmann habe in kompetenter Weise in den sechs Monaten zwei Bürgerbeteiligungen auf die Beine gestellt. „Ich habe das Gefühl, dass der Klimaschutz in Aurich nun eine enorme Bremse erfährt.“ Er mache der 29-Jährigen ein „Riesenkompliment“ für ihre Arbeit. „Und es ist unbedingt nötig, dass die Stelle nun unbefristet vergeben wird“, so Mohr.
Plan: Stelle und Arbeitsplatz attraktiver machen
In diese Kerbe schlugen auch Reinhard Warmulla (Linke) und Heidrun Weber (GfA), die anregte, die Aufgabe Klimaschutz auf zwei weitere Schultern zu legen und eine zweite Stelle in dem Bereich zu schaffen. Bürgermeister Horst Feddermann ist ebenfalls für eine Entfristung der Stelle und hat entsprechende Mittel in den Haushaltsplan eingestellt.
Busch-Maaß sagte, dass direkt eine Maßnahme umgesetzt werden soll, die so manchen Arbeitsplatz im Bauamt attraktiver machen könne. Das Rathaus sei 50 Jahre alt. „Ein Teil der Kollegen wird in zwei Monaten in ein Interim umziehen, um den obereren Bereich zu entkernen und neu zu machen“, so Busch-Maaß. Für neue Mitarbeiter sei ein „Facelift“ der Arbeitsplätze erforderlich, „um die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen, dass sie sich wohlfühlen“, so die Stadtbaurätin. Sie erwähnte in dem Zusammenhang auch, dass die Verkehrsplanerin der Stadt das Rathaus verlassen und sich umorientiert habe.