Aurich
Krieg in der Ukraine: Kreis bereitet sich auf Geflüchtete vor
Der Landkreis Aurich bereitet sich im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine auf eine Welle von Geflüchteten vor. Dabei stößt er allerdings auf Probleme.
Aurich - Nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine haben Nachbarländer bereits ihre Hilfe bei der Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge angeboten. Auch Deutschland rechnet mit Flüchtlingen – wie viele kommen werden, könne man noch nicht sagen, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Trotz der Ungewissheit laufen auch im Landkreis Aurich die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren.
Die Auricher Kreisverwaltung bereitet derzeit ein Konzept zur zentralen Erfassung bei der Ankunft von Menschen vor, teilte Kreissprecher Nikolai Neumayer mit. Demnach soll eine zentrale Stelle zur Erstaufnahme entstehen. Dort soll die Identität festgestellt, Daten zum Familien- und Gesundheitszustand sowie die berufliche Qualifikation aufgenommen werden. Vom Erstaufnahmezentrum aus sollen ankommende Flüchtlinge auf Wohnungen im Kreisgebiet verteilt werden, sagte Neumayer.
Utlandshörn könnte Erstaufnahmezentrum werden
Aktuell wird geprüft, welche Immobilien für das Erstaufnahmezentrum in Frage kommen. Der Kreis bringt die ehemalige Funkstelle Utlandshörn ins Spiel. Ihr sei bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise 2015 eine entscheidende Rolle zugekommen, heißt es. Aber: In der Funkstelle sind aktuell Bewohner der Ostfriesischen Beschützenden Werkstätten (OBW) aus Bedekaspel untergebracht. Sie mussten ihre ehemalige Unterbringung verlassen, nachdem dort die Decke eingestürzt war.
Wo die OBW-Bewohner hinsollen, konnte Neumayer noch nicht sagen. Bei dem Plan für das Erstaufnahmezentrum handle es sich um ein erstes Konzept, sagte er. Die Küstenfunkstelle eigne sich aufgrund ihrer Größe gut zur Unterbringung der Geflüchteten. Es sei auch möglich, dass andere Immobilien in Frage kommen. In der kommenden Woche solle eine nähere Ausgestaltung zum Erstaufnahmezentrum folgen.
Kreis geht von 600 bis 1000 Geflüchteten aus
Neben einer Immobilie für das Erstaufnahmezentrum ist der Kreis auf der Suche nach Wohnungen für die Geflüchteten. Die Suche könnte schwierig werden. Schon jetzt findet der Kreis nicht genügend Wohnungen für Asylsuchende. Man müsse nun umgehend den voraussichtlich benötigten Wohnraum organisieren, machte Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert während des Abstimmungsgesprächs am Freitag laut der Mitteilung deutlich. „Es ist unsere Aufgabe, Menschen, die vor Krieg aus ihrem Land fliehen oder vertrieben werden, eine sichere Zuflucht zu geben“, wird er zitiert.
Wie viele Geflüchtete in den Landkreis Aurich kommen, ist nicht klar. Veröffentlichte Prognosen unterschieden sich stark, heißt es. Derzeit geht man grob geschätzt von 600 bis 1000 Geflüchteten aus, die nach einer bundesweiten Verteilung auf den Landkreis Aurich entfallen könnten. Ob es dabei zu einer Umverteilung bereits in Deutschland aufgenommener Geflüchteter aus anderen Staaten oder die direkte Aufnahme ukrainischer Kriegsflüchtlinge kommt, sei ebenfalls bislang unklar.
Neben Immobilien ist der Kreis Aurich auch auf der Suche nach Dolmetschern. In Frage kommen laut Mitteilung ukrainische Staatsbürger, die im Kreisgebiet wohnen. Mit ihrer Hilfe sollen sprachliche Barrieren abgebaut werden.
Auch bei der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen ist noch nicht klar, ob ukrainische Geflüchtete kommen und wenn ja, wie viele es sein werden. „Dazu müssten wir in die Glaskugel schauen“, sagte Sprecherin Hannah Hintze den ON. Es sei ein Krisenstab eingerichtet worden und man bereite sich vor. Ziel ist zunächst die Optimierung bestehender Kapazitäten. Sie sollen bestmöglich ausgeschöpft werden, so Hintze.
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