Südbrookmerland/Norden

Nach Einsturz in Heim: Neue Bleibe für Bewohner in Norden

| | 09.07.2021 20:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Das ging schnell: Nachdem in einem Wohnheim in Bedekaspel die Decke eingestürzt war, fanden die Betreiber der Einrichtung schnell eine neue Bleibe in Norden – dank des Landkreises.

Südbrookmerland. Im Norder Ortsteil Utlandshörn finden die Bewohner eines Wohnheims für Menschen mit Behinderungen in Südbrookmerland eine vorübergehende Unterkunft. Wie berichtet, war in der Einrichtung in Bedekaspel am Donnerstag die Decke eines Gemeinschaftsraumes eingestürzt. Das Gebäude ist unbewohnbar. Am Freitag hat der Landkreis Aurich deshalb die frühere Küstenfunkstelle in Utlandshörn als Notquartier angeboten. Der Umzug erfolgt schon am heutigen Sonnabend.

Betreiber des Wohnheims ist die Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW). Geschäftsführer Professor Burghardt Zirpins sprach gegenüber den ON von zahlreichen Hilfsangeboten aus verschiedenen Bereichen. Schon am Abend, kurz nach dem Einsturz, hätte es von vielen Seiten Hilfe für die Betroffenen gegeben. Unter anderem direkt aus dem Ort. „Das ist eine tolle Gemeinschaft“, so Zierpins.

Glück im Unglück

Wie berichtet war die Decke eines Gemeinschaftsraumes gegen 20.20 Uhr plötzlich eingestürzt. Kurz zuvor hatten Bewohner und Mitarbeiter noch in dem Raum gegessen. Als die Decke herunterkam, befand sich dort glücklicherweise niemand mehr, sodass es keine Verletzten gab. Weil das aber nicht von Anfang an sicher war, gab es einen Großeinsatz, unter anderem für Feuerwehren, Sanitäts- und Rettungsdienste sowie das Technische Hilfswerk.

Fachleute des THW machten sich noch am Abend ein Bild von der Situation vor Ort und erklärten das Gebäude zunächst für unbewohnbar. Noch am Abend wurde deshalb nach einer Unterkunft gesucht – mit Erfolg. Die Nacht zu Freitag verbrachten die Betroffenen im „Ponyhof“, einem Pensions- und Saalbetrieb in unmittelbarer Nähe zum Unglücksort. Eine Dauerlösung ist das nach Zirpins’ Worten aber nicht. Und die muss es auch nicht sein, wie seit Freitagnachmittag feststeht. Bereits am Sonnabend steht der Umzug nach Utlandshörn an. Das Gebäude, in dem früher die sogenannte Küstenfunkstelle Norddeich Radio untergebracht war, steht aktuell leer. Zwischenzeitlich war es als weiteres Impfzentrum im Gespräch. Daraus wurde aber nichts.

Suche nach der Ursache

In Bedekaspel läuft unterdessen die Suche nach der Ursache für das Unglück vom Donnerstag. Einen Verdacht haben Fachleute bereits. Am frühen Freitagmorgen hatte der NDR noch berichtet, dass der Grund für den Einsturz in den Fundamenten des Gebäudes liegen könnte. Dabei berief sich der Sender auf einen Polizeisprecher. Im Laufe des Tages verdichteten sich hingegen Informationen, dass eher morsche Holzbalken in der Deckenkonstruktion Schuld an dem Vorfall sein könnten.

Bilder aus dem Innern des Gemeinschaftsraumes zeigen, dass eine Leichtbaudecke beinahe in einem Stück herabgestürzt ist. „Man darf sich das nicht als große schwere Betonbrocken vorstellen“, so Professor Burghard Zierpins von der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW) die das Wohnheim betreibt. Dennoch hätte es aber zu Verletzungen kommen können, wenn sich zum entsprechenden Zeitpunkt Menschen in dem Raum aufgehalten hätten. Wenige Minuten zuvor war genau das aber noch der Fall. Der Raum wird üblicherweise als Gemeinschafts- und Speiseraum genutzt.

Lob für Einsatzkräfte

Großes Lob gab es von Zirpins für die Arbeit der Einsatzkräfte. Es habe sich ausgezahlt, dass man in der Vergangenheit immer wieder mit ihnen, aber auch mit den Bewohnern verschiedene Notsituationen geübt habe. Dazu habe immer wieder auch die Evakuierung des Gebäudes gehört. „Die wussten also, wie das läuft und dass sie ins Gemeindehaus gehen mussten“, so Zierpins. Dort wurden Bewohner und Mitarbeiter kurz nach dem Vorfall zunächst betreut. Und von dort aus ging es später auch in das Übergangsquartier, in den Pony- und Pferdehof Ubben am Langen Weg. Feuerwehr und THW halfen dabei, spezielle Betten aus der Einrichtung zu holen und in den Saalbetrieb zu bringen. Laut Zirpins handelt es sich dabei aber allenfalls um eine Notunterkunft, maximal für ein paar Nächte. Die Suche nach einer längerfristigen Lösung läuft.

Wie langfristig hängt auch von der Zukunft des nun in Teilen eingestürzten Gebäudes ab. Laut Zirpins sei dieses durchaus wieder instandzubringen. Er beruft sich auf vorläufige Aussagen eines Sachverständigen. Demnach müsse vermutlich die alte Zwischendecke entsorgt und durch eine neue ersetzt werden. Letztlich sei das aber Sache des Eigentümers.

Zweimal Glück gehabt

Das Gebäude gehört der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde in Bedekaspel. Es handelt sich um ein altes, früher zum Teil landwirtschaftlich genutztes Gebäude, das seit Jahren an die OBW verpachtet ist. Nach Informationen der ON wollte der Kirchenrat der Reformierten Gemeinde am Freitagabend über das weitere Vorgehen beraten.

OBW-Geschäftsführer Zierpins schien das zumindest am Freitag auch noch gar nicht so wichtig zu sein. Er war nur froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Es sei gut, dass es den Menschen gut gehe. „Dafür sind wir schließlich da.“ Dass sich mit der neuen Unterkunft in Utlandshörn so schnell eine Übergangslösung gefunden hat, bezeichnete er als großes Glück. Das hatten Verantwortliche und Bewohner damit schon zum zweiten Mal.

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