Südbrookmerland

Großes Meer: Neuheit brachte die Rettung

Heino Hermanns Karin Böhmer
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Von Heino Hermanns und Karin Böhmer
| 22.02.2022 10:10 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Doris Scholz hat ein Haus am Hasenweg. Seit 1986 hat sie so eine Flut nicht erlebt. Foto: Karin Böhmer
Doris Scholz hat ein Haus am Hasenweg. Seit 1986 hat sie so eine Flut nicht erlebt. Foto: Karin Böhmer
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Über die Ufer getreten ist das Große Meer am Montagabend. Hinzu kam ein Dammbruch in Forlitz-Blaukirchen. Rund 250 Kräfte waren im Einsatz. Dabei half eine neue Technik.

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"Das Wasser rauschte wie ein Fluss"
22.02.2022
Südbrookmerland - Etwas beruhigt hat sich die Hochwasserlage am Großen Meer am Dienstagmorgen. Bereits in der Nacht zeichnete sich ab ungefähr 1 Uhr ab, dass das Wasser wieder besser in Richtung Nordsee abgeleitet werden konnte. Am Dienstagmorgen war der Pegel bereits um 40 Zentimeter gesunken, sodass sich die Lage entspannt hatte.

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"Das Wasser rauschte wie ein Fluss"
22.02.2022

Laut Andreas Dirksen vom THW Norden konnte die erste Entspannung der Lage in der Nacht mit Hilfe des Unterschöpfwerkes Victorbur, an der Schöpfwerkstraße, erreicht werden. Das Wasser sei sozusagen im Kreis gepumpt worden, was zu einer leichten Absenkung des Pegels geführt habe. Das habe geholfen. Verbandsingenieur Jan van Dyk (Entwässerungsverband Emden) merkte im ON-Gespräch an, dass es nun an den Dämmen am Großen Meer an einigen Stellen Änderungen geben müsse. So sei der Damm an der Störtebekerstraße überspült worden. Dieser müsse erhöht werden. Andere Dämme seien von den Anwohnern teilweise überbaut worden. Dadurch sei die Grasnarbe nicht mehr so stabil, wie sie sein sollte. Auch diese Stellen müsse man sich genau anschauen.

Rettung durch den Tiger-Damm

Die Rettung kam in der Nacht zu Dienstag durch die „Tiger-Dämme“. Diese orangefarbenen Schläuche heißen auch Hydrobaffle. Sie werden vor Ort mit Wasser befüllt und mit Sandsäcken gestützt. Zum ersten Mal wurden sie nun am Großen Meer gegen das Hochwasser eingesetzt. Die Wirkung, so Dirksen, sei sehr viel besser als das Stapeln von Sandsäcken.

So genannte Tigerdämme haben das Schlimmste verhindert. Foto: Karin Böhmer
So genannte Tigerdämme haben das Schlimmste verhindert. Foto: Karin Böhmer

Im Einsatz waren seit Montagabend rund 250 Einsatzkräfte von Technischem Hilfswerk (THW) und Feuerwehr. Diese Zahl nannte Dirksen, Zugführer des THW Norden, im ON-Gespräch. Davon seien 70 am Schöpfwerk in Forlitz-Blaukirchen im Einsatz gewesen, der Rest schuftete im Ferienhausgebiet. Die Zusammenarbeit aller Helfer habe hervorragend funktioniert, so Dirksen. Am Schöpfwerk in Forlitz-Blaukirchen halfen 70 Kräfte, als dort ein Damm an zwei Stellen gebrochen war. Dadurch war ein Schöpfwerk quasi „ausgehebelt“ worden. Das Wasser floss in der Folge in die falsche Richtung. Der Damm hat aber so weit gehalten, dass nur eine Wiese überschwemmt worden ist. Erreicht werden konnte das offenbar dadurch, dass ein sogenanntes Entwässerungsflies aufgerollt, mit Erde befüllt und mit Hilfe eines Baggers an den gebrochenen Stellen verbaut wurde. So konnte relativ schnell ein provisorischer Damm errichtet werden. Erst am Dienstagmorgen konnte das THW wieder vom Schöpfwerk abrücken.

EWE prüft Stromanschluss bei jedem Haus

Die EWE ist im Ferienhausgebiet unterwegs und prüft bei jedem einzelnen Gebäude, ob der Strom sicher wieder angestellt werden kann. Die ersten Gebäude werden bereits wieder mit Energie versorgt. Es scheint so zu sein, dass die Häuser, die auf Stelzen errichtet worden sind, die Flut besser überstanden haben als die anderen. Die ersten Anwohner sind gekommen und kümmern sich nun um ihre Häuser. Sie berichten davon, dass es zuletzt in den 1970er-Jahren eine solche Überschwemmung am Großen Meer gegeben habe. Deswegen seien viele Häuser auf Stelzen errichtet worden.

EWE-Mitarbeiter prüfen an jedem Haus, ob der Strom wieder eingeschaltet werden kann. Foto: Karin Böhmer
EWE-Mitarbeiter prüfen an jedem Haus, ob der Strom wieder eingeschaltet werden kann. Foto: Karin Böhmer

Doris Scholz besitzt am Hasenweg ein Haus, das auf Stelzen gebaut worden ist. In der ON-Ausgabe von Dienstag hat sie am Morgen gesehen, dass das Gebäude von Wasser umgeben ist. Ganz so schlimm ist es aber nicht gekommen. Denn die Stelzen sind mit 50 Zentimetern hoch genug gewesen. So konnte das Wasser nicht in das Gebäude laufen. Aber seit 1986, seit sie das Haus habe, habe es nicht so viel Wasser gegeben, sagt Scholz im Gespräch mit den ON.

Die Häuser auf Stelzen sind besser mit der Flut klargekommen als andere. Foto: Karin Böhmer
Die Häuser auf Stelzen sind besser mit der Flut klargekommen als andere. Foto: Karin Böhmer

Vor Ort sind derzeit auch Bürgermeister Thomas Erdwiens sowie sein allgemeiner Vertreter Wilfried Müller. Sie machen sich bei Tageslicht ein Bild der Lage.

Für die vielen Einsatzkräfte, die stundenlang im Einsatz waren, wurde in der Nacht das Sanitätsgebäude am Großen Meer geöffnet. So können sie wenigstens zwischendurch einmal eine Dusche nehmen.

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