Aurich
„Ja“ von der Politik, Kritik von der Jugend
Die frisch überarbeiteten Projekte für das Förderprogramm für die Auricher Innenstadt fanden bei der Politik eine Mehrheit. Doch die jungen Gäste der Ausschusssitzung waren schwer enttäuscht.
Aurich - Leicht gemacht haben sich die Mitglieder des Bau- und der Wirtschaftsförderungsausschusses es sich nicht: Punkt für Punkt diskutierten sie die elf Vorschläge der Verwaltung für das Förderprogramm Perspektive Innenstadt. Punkt für Punkt stimmten sie ab.
Am Ende gab es mehrheitliche Zustimmung zu allen Projekten. Dass der Rat in der nächsten Woche gänzlich anders abstimmt, ist wohl kaum zu erwarten, denn es war vor allem die fünfköpfige Grünen-Fraktion und vereinzelt einzelne Ratsmitglieder, die dagegen stimmten oder sich enthielten.
Nach Kritik kurzfristig nachjustiert
Ohne kritische Anmerkungen oder Gegenvorschläge ging es bei keinem der Tagesordnungspunkte ab. Bürgermeister Horst Feddermann hatte am Anfang der Sitzung gesagt, dass es unmöglich sei, alle Auricher mit den Projekten gänzlich zufriedenzustellen. Er wirkte als Beobachter der ellenlangen Abstimmung am Ende fast etwas überrascht, dass alles so glatt durchging.
Denn im Vorfeld der Sitzung hatte es aus den großen Fraktionen und der Kaufmannschaft recht deutliche Kritik daran gegeben, dass der stationäre Einzelhandel und die Fußgängerzone als Aufenthaltsraum nicht stärker berücksichtigt wurden.
Deutlich mehr Budget zur Belebung des Marktes
Stadtmanagerin Vicki Janssen hatte daraufhin kurzfristig nachjustiert. Der inklusive Spielplatz auf der Grünfläche am Pferdemarkt ist ersatzlos gestrichen. Der Platz an der viel befahrenen Kreuzung war den Kritikern nicht angemessen erschienen. Das Geld, das dort eingespart wurde, soll nun im Bereich des Marktplatzes investiert werden. Auf Antrag von Bodo Bargmann (CDU) wurde das Budget für den Marktplatz sogar noch um zusätzliche 100.000 Euro aufgestockt.
Das Geld wurde dem Budget für eine bessere Fußgängerführung in der Innenstadt entnommen. Dass die Wegeführung anhand der bestehenden Beschilderung nicht immer klar sei, sei vielfach moniert worden, so Janssen. Deshalb hatte sie 200.000 Euro dafür eingeplant. Bargmann argumentierte jedoch, dass die Stadt durch die Baustellensituation in der Fußgängerzone ohnehin im Umbruch sei. Die neue Beschilderung sei notwendig, komme jetzt aber zu früh.
Weiterhin viele neue Spielorte im Konzept
Einige Politiker hatten sich auch an den neuen Spielplätzen gestoßen, die eingeplant sind. Doch abgesehen vom Pferdemarkt wurde in dem Bereich nichts gestrichen. Am Georgswall, am Großen Sett und an der Stiftsmühle sollen Orte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Spieltrieb entstehen.
Der Georgswall sei attraktiv für Familien, die damit in direkter Nähe der Läden ein Angebot für die Kinder vorfinden, argumentierte Vicki Janssen. Der Work-out-Spielplatz am Großen Sett biete Jugendlichen einen Raum, wo sie sich austoben und treffen könnten, so die Stadtmanagerin. Auch für die Wohnmobilisten am Schwimmbad seien die Geräte vielleicht ein willkommener Anlaufpunkt.
Ideenschmiede der Jugendlichen blieb unbeachtet
Doch ausgerechnet von den Jugendlichen gab es den meisten Gegenwind für das Konzept. Sie waren zwar nicht als gewählte Ratsleute vertreten, allerdings als Bürger. Sie äußerten in der Einwohnerfragestunde deutliche Kritik. Es gebe neu gegründete Schülervertretungen in Aurich, die Jugendorganisationen der Parteien und vor allem habe ein Brainstorming für Projekte im Familienzentrum stattgefunden. Doch gefragt worden seien sie bei der Ausarbeitung der Projekte nicht.
Im Brainstorming hätten sich die Jugendlichen für Basketballkörbe, eine Skateranlage und eine Freifläche ausgesprochen. Durchaus Projekte, die sich im Rahmen des Programms hätten umsetzen lassen, sagte einer der Gäste der Sitzung.
Enttäuschung über den Betrag
Vicki Janssen sagte, dass die Projekte in der Feinabstimmung noch Anregungen aus dieser Ideenschmiede aufnehmen könnten. Im März gebe es einen Gesprächstermin im Familienzentrum. „Ein bisschen spät. Sie hätten vorher auf die Jugendlichen zukommen müssen“, sagte einer: „Das ist schon etwas traurig und sorgt für Frust.“
Die Jugendlichen hielten mit ihrer Enttäuschung jedoch nicht hinterm Berg. 1,2 Millionen Euro würden insgesamt ausgegeben. Darin befänden sich für Jugendliche die Ideen „Anlehnstangen“ und die Work-out-Spielgeräte für insgesamt 40.000 Euro.