Südbrookmerland
Entwässerung: Vier Faktoren für ein Problem
Hohe Wasserstände versetzten am Wochenende Experten des Entwässerungsverbandes in Alarmbereitschaft. Verursacht wurde das Problem durch ein Zusammenspiel von vier Faktoren.
Südbrookmerland - Alarmbereitschaft war am vergangenen Wochenende beim Ersten Entwässerungsverband Emden angesagt. Ergiebiger Regen, Wind und hohe Wasserstände außerhalb der Deiche machten dem Team um Verbandsingenieur Jan van Dyk das Leben schwer. Besonders im Blick hatte er dabei das Große Meer, das eine Schlüsselrolle im Gebiet des Entwässerungsverbandes einnimmt.
„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt van Dyk. Das Zusammenspiel mehrerer Faktoren hat für teils kritische Situationen, unter anderem in Südbrookmerland, gesorgt. Stellenweise drohten Kanäle überzulaufen. Verantwortlich dafür war vor allem der teils langanhaltende und ergiebige Regen. Anders als im September in Moordorf, sei dieser aber nicht punktuell, sondern flächendeckend aufgetreten. Das Problem: Weil es auch in den vergangenen Wochen immer wieder geregnet hatte, konnten die Böden kaum noch Wasser aufnehmen. Jeder Tropfen, der dort sonst versickert, braucht nicht abgeführt werden. Eine Rolle spielt bei den unzähligen Quadratmetern Wasserfläche, für die der Entwässerungsverband zuständig ist, auch die Verdunstung. Die ist aber in der aktuellen Jahreszeit gering.
Zu viel Wasser machte Pumpen zu schaffen
Das vierte Problem, das für die kritischen Situationen gesorgt hat, betrifft die außendeichs liegenden Bereiche. Beispielsweise an der Knock. Dort betreibt der Entwässerungsverband ein Schöpf- und Sielwerk. Vereinfacht dargestellt muss jeder Tropfen Wasser, der in den Entwässerungskanälen des Verbandsgebietes landet, durch das Schöpf- und Sielwerk ins Meer abgeführt werden. Vorwiegend geschieht das durch sogenannte Sielzüge. Bei Ebbe werden die Sieltore geöffnet und das Wasser aus dem Binnenland fließt ab.
Die Rede ist dann von einem Sielzug. Ist der Wasserstand trotz Ebbe zu hoch, funktioniert das jedoch nicht mehr. Dann werden elektrisch betriebene Pumpen angeworfen. Die stehen einem Sielzug zwar grundsätzlich in nichts nach. Zu hohe Wasserstände drosseln jedoch die Leistung. Dieses Problem bestand am Wochenende. Kurzum: Der Entwässerungsverband wurde das Wasser nicht in der gewünschten Geschwindigkeit los.
Großes Meer als Sammelbecken
Das machte sich auch am Großen Meer bemerkbar. Üblicherweise wird der Wasserstand dort im Winter auf 1,40 Meter unter dem normalen Meeresspiegel geregelt. Am Wochenende stieg der Wasserstand jedoch deutlich höher, sodass die Stauwehre überliefen. Selbst am Donnerstag waren die Auswirkungen noch spürbar. Bootsstege wurden überspült und am Badestrand hat sich eine kleine Kante gebildet.
„Wir hatten mit sehr viel Wasser zu kämpfen, sind aber geradeso durchgekommen“, so van Dyk gegenüber den ON. Ein Vorteil: Die wichtigen Entwässerungsgräben waren geräumt und von Bewuchs befreit. So konnte das Wasser schnell in die Entwässerungskanäle geführt werden. In derartigen Situationen, so van Dyk, würden schnell die Grenzen der Entwässerung aufgezeigt.
Über größere Schäden durch die Schwierigkeiten bei der Entwässerung ist bislang nichts bekannt geworden. Diesmal haben die Systeme des Entwässerungsverbandes also standgehalten. Dass dies in Zukunft immer so bleibt, ist aber keineswegs garantiert. Auch deshalb achten van Dyk und sein Team stets darauf, dass ihre Vorgaben rund um die Verbandsgewässer eingehalten werden – zum Schutz aller.