Moordorf

Eine etwas andere Schule

| | 04.02.2022 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
„Das sind wir“: Am Donnerstagabend stellte die Freie Christliche Schule Ostfriesland ihre Pläne für eine Außenstelle in Moordorf vor. Foto: Holger Janssen
„Das sind wir“: Am Donnerstagabend stellte die Freie Christliche Schule Ostfriesland ihre Pläne für eine Außenstelle in Moordorf vor. Foto: Holger Janssen
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Die Freie Christliche Schule Ostfriesland hat ihr Konzept für eine mögliche Außenstelle in Moordorf vorgestellt. Die Reaktionen von Eltern waren dabei eindeutig.

Moordorf - Hätte Christian Hunsmann am Donnerstagabend Anmeldeformulare für einen Standort der Freien Christlichen Schule Ostfriesland in Moordorf dabeigehabt, hätten diese wohl reißenden Absatz gefunden. Zahlreiche Eltern, vor allem aus Südbrookmerland, waren nach dem Vortrag des Schulleiters vom Konzept der Schule überzeugt. Noch ist jedoch gar nicht klar, ob es eine solche Außenstelle der FCSO in der Gemeinde geben wird. Zunächst ist nun die Politik am Zug.

Mit zwei Lehrern und 26 Schülern begann in den 1980er Jahren die Geschichte der FCSO in der Gemeinde Moormerland. Mittlerweile besuchen 1300 Schülerinnen und Schüler die Einrichtung mit ihren zwei Standorten. Kurze Dienstwege und schnelle Entscheidungen nannte Geschäftsführer Kurt Plagge als Vorteile. Finanziert werde die Schule zu 80 Prozent durch staatliche Zuschüsse und zu 20 Prozent aus dem Schulgeld, das Eltern für ihre Kinder zahlen müssten. 132 Euro werden dafür pro Monat in Rechnung gestellt. Dass sich das nicht jeder leisten kann, ist auch den FCSO-Verantwortlichen bekannt. „Es soll nicht am Geld scheitern“, so Plagge. Weniger betuchte Familien hätten die Möglichkeit, Anträge auf Ermäßigungen zu stellen. Entschieden werde von Fall zu Fall.

„Wir beten nicht den ganzen Tag“

35 Jahre Erfahrung hat die FCSO mittlerweile vorzuweisen, wie Schulleiter Christian Hunsmann anschließend sagte. In dieser Zeit habe man viele Schulformen hochschießen und wieder fallen sehen. Gleich zu Beginn seines Vortrages räumte er mit einem Vorurteil auf, mit dem die FCSO offenbar immer wieder konfrontiert wird. „Wir beten nicht den ganzen Tag“, so Hunsmann. Auch seien an der Schule keineswegs nur Gläubige willkommen. Unter anderem Atheisten und Muslime seien dort ebenfalls vertreten. „Alle sind willkommen, egal mit welchem Intellekt und welcher Religion.“ Der Religionsunterricht an der FCSO sei mit dem an anderen Schulen vergleichbar. Ob man Mitglied der Kirche sein müsse, wollte später ein Zuhörer wissen. Als Antwort bekam er ein klares „Nein“ zu hören.

Ziel der Schule sei es, eine Begegnungsstätte zu sein, in welche die Kinder gerne kommen. Das Konzept seiner Schule bezeichnete Hunsmann als einzigartig in Norddeutschland. Von außen betrachtet handele es sich um eine IGS. „Von innen eigentlich nicht“, so Hunsmann. Anders als an vielen Gesamtschulen finde an der FCSO frühzeitig, also ab Jahrgang sechs, eine Differenzierung zwischen Schülern mit Hauptschul-, Realschul- und Gymnasial-Niveau statt. Rund 50 Prozent des Unterrichts fänden aber dennoch in der gewohnten Umgebung des Klassenverbandes statt. Außerdem sei der Wechsel zwischen den einzelnen Leistungsstufen problemlos möglich. „Wir haben uns von jeder Schulform das Beste herausgesucht“, so Hunsmann. Man sei so etwas wie die „eierlegende Wollmilchsau“.

Von der Hauptschule ins Lehramt

Und das zeigt offenbar Erfolg. Seit 2013 hätten die Abiturienten der Schule stets Leistungen über dem Landesdurchschnitt gezeigt. Schulabgänger der FCSO seien zudem in Betrieben gern gesehen. Schüler, die mal eine schlechtere Phase hätten, würden gestärkt und nicht fallengelassen. Auch das belegte Hunsmann mit einem Beispiel. Einer seiner Schüler habe in Jahrgang acht noch Hauptschulkurse besucht und studiere nun auf das Lehramt.

In seinem Vortrag und der anschließenden Fragerunde nannte Hunsmann aber auch Bedingungen, die für eine Außenstelle der FCSO in Südbrookmerland erfüllt sein müssen. „Ich brauche eine Gemeinde, die absolut Ja zu dieser Schulidee sagt.“ Dabei könne es nicht nur darum gehen, das leerlaufende Gebäude der Haupt- und Realschule zu füllen. Starten wolle man voraussichtlich mit dem fünften Jahrgang, aus dem die Schule dann über die Jahre wächst. Mindestens dreizügig müsse dieser Jahrgang sein, damit das Konzept aufgeht. Das bedeutet, dass etwa 90 Schüler angemeldet werden müssten.

Keinen Hehl machte Hunsmann daraus, dass die Schule nicht alle Schüler aufnehmen wird. Der Auswahlprozess sei komplex und ziehe sich über Wochen hin. Klare Kriterien gebe es nicht. Das Gefüge in den Klassen müsse stimmen, ebenso wie die Mischung. Je mehr Schüler mit Gymnasialniveau dabei seien, desto mehr Schüler mit Hauptschulniveau könnten dazustoßen. Eine Eliteschule, das stellte Hunsmann ebenfalls klar, wolle man aber nicht sein.

Ob sich die FCSO am Ende tatsächlich in Südbrookmerland ansiedelt, liegt nun in den Händen der Politik. Frühestens zum Schuljahr 2023/2024 könnte der Betrieb starten – vorausgesetzt, das Thema hat bis dahin sämtliche politischen Gremien und das Genehmigungsverfahren bei den Schulbehörden durchlaufen. Die Mitglieder des Südbrookmerlander Schulausschusses zeigten sich am Donnerstag bereits sehr angetan von dem Schulkonzept. Ebenso wie viele der rund 50 anwesenden Zuhörer. Einige von ihnen bedauerten jedoch, dass der Start frühestens im kommenden Jahr erfolgen kann. Für ihre Kinder, die die Grundschule schon in diesem Sommer verlassen, komme das zu spät.

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