Südbrookmerland/Aurich
Realschule: Südbrookmerlander Eltern schimpfen auf Gemeinde
Wenn die Stadt Aurich die Schülerzahl an ihrer Realschule begrenzt, schauen viele Südbrookmerlander in die Röhre. Das sorgt für Wut. Vor allem wegen Entscheidungen aus der Vergangenheit.
Vor dem Scherbenhaufen ihrer Schulplanungen stehen spätestens seit Montagabend viele Eltern in Südbrookmerland. Eigentlich wollten sie ihre Kinder für den Besuch der Realschule in Aurich anmelden. Doch der wird künftig allenfalls noch einigen wenigen Kindern aus der Gemeinde möglich sein, nachdem der Auricher Schulausschuss die Begrenzung der Schülerzahl empfohlen hat. In die Ratlosigkeit der Südbrookmerlander Eltern mischt sich nun die Wut auf die Schulpolitik der vergangenen Jahre in der eigenen Gemeinde.
„Das ist eine Frechheit sondergleichen“, sagt beispielsweise Thomas Kruse. Es sei eine „Sauerei“, dass sich die Gemeinde in Sachen weiterführender Schulen vor allem auf andere Kommunen verlasse. In der Tat verfügt Südbrookmerland ab dem Sommer, wenn die Haupt- und Realschule (HRS) in Moordorf ausläuft, über keine eigene weiterführende Schule mehr – als eine der wenigen Kommunen im Kreisgebiet. Zwar kann die Gemeinde bei der Entwicklung der IGS Marienhafe-Moorhusen mitreden, Träger der Schule ist aber die Samtgemeinde Brookmerland.
Keine weiterführende Schule mehr
Thomas Kruse und seine Frau Nicole sind von der Entscheidung der Auricher Stadtpolitiker direkt betroffen. Eigentlich sollte ihre Tochter Talea ab dem Sommer die Realschule besuchen. Hoffnungen darauf, einen der vermutlich wenigen freien Plätze für Kinder, die nicht aus Aurich kommen, zu ergattern, haben sie kaum. Groll gegen die Auricher hegen sie dabei nicht. „Aurich kann ja nicht das ausbaden, was Südbrookmerland verpennt hat“, sagen sie. „Es kann nicht sein, dass es in Südbrookmerland keine Alternative zur IGS gibt.“
Im Gespräch mit den ON kritisiert das Paar die Entscheidung, die Haupt- und Realschule ersatzlos zu schließen. Sie hätten sich mehr Bemühungen für den Erhalt der Schule gewünscht. Der Beschluss zur Auflösung der HRS wurde 2016 gefasst, nachdem die Anmeldezahlen in den Keller gerauscht waren. „Die Schule hatte schon lange einen schlechten Ruf“, sagt Nicole Kruse. Diesen zu verbessern, wäre aus ihrer Sicht eine Aufgabe der Politik gewesen.
Beschluss lässt sich nicht rückgängig machen
Wie berichtet, lässt sich der Beschluss, die Schule zu schließen, nicht mehr rückgängig machen. Einzige Möglichkeit wäre die Neugründung einer Schule. Ein solcher Schritt wäre ganz im Sinne von Thomas und Nicole Kruse. Die Zahl von 54 Schülerinnen und Schülern, die dafür pro Jahr erforderlich wären, ließe sich ihrer Meinung nach problemlos erreichen. Allein an der Auricher Realschule wurden im vergangenen Jahr 40 Kinder aus Südbrookmerland eingeschult. Politisch ist die Neugründung einer Schule derzeit allerdings kein Thema. Bemühungen der Gemeindeverwaltung, die Auricher von einer Außenstelle ihrer Schule in Südbrookmerland zu überzeugen, blieben erfolglos. Ein Grund: Für die Zweigstelle einer Realschule werden vom Land keine zusätzlichen personellen Mittel zur Verfügung gestellt. Das bedeutet: Die zusätzliche Arbeit müsste auf das vorhandene Personal verteilt werden. Stadt und Schulleitung lehnten daher ab, die Gemeinde musste sich mit dem Nein begnügen.
Für Talea Kruse bleibt deshalb wohl nur der Gang zur IGS in Moorhusen und später nach Marienhafe. Der Besuch des Gymnasiums kommt nach Worten ihrer Eltern eher nicht infrage. Der Leistungsdruck sei zu hoch. Ebenfalls ausgeschlossen sei es, ihr Kind an die Haupt- und Realschule in Großheide zu schicken. Von Hinter-Theene aus würde das Kind täglich mehrere Stunden im Schulbus sitzen.
Das Konzept der IGS überzeugt die Eltern jedoch nicht. Dort würden Schüler aller Leistungs- und Entwicklungsstufen „zusammengewürfelt“. Dass eine Lehrkraft dabei allen Bedürfnissen gerecht werde, kann sich das Paar nicht vorstellen. „Da bleibt immer etwas auf der Strecke.“ Mangels Alternativen müsse man das aber nun wohl in Kauf nehmen.
Privatschule stellt sich im Ausschuss vor
Gespannt zuhören will das Paar am Donnerstagabend. Dann lässt sich der Südbrookmerlander Schulausschuss das Konzept und die Arbeit der in Rhauderfehn beheimateten Freien Christlichen Schule Ostfriesland (FCSO) vorstellen. Die hat, wie berichtet, Interesse, eine Außenstelle in Moordorf einzurichten. Fraglich ist allerdings, ob das diejenigen überzeugt, die eine IGS für ihre Kinder für ungeeignet halten. Streng genommen verfolgt nämlich auch die FCSO ein Gesamtschulkonzept.
Darüber hinaus können sich Nicole und Thomas Kruse nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, ihr Kind auf eine kostenpflichtige Privatschule zu schicken. Nicht, weil sie sich die 132 Euro Schulgeld pro Monat nicht leisten können. Eine Privatschule widerspreche vielmehr dem Ziel der Chancengleichheit aller Schüler.