Aurich

Geburtshaus in UEK gefordert

| | 28.01.2022 19:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit einem Pinard-Rohr hört eine Hebamme die Herztöne eines Babys ab. Symbolfoto: DPA
Mit einem Pinard-Rohr hört eine Hebamme die Herztöne eines Babys ab. Symbolfoto: DPA
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Auricher Frauen fühlen sich eingeschränkt: Sie wollen die Chance, Kinder nicht in Uthwerdum, sondern in einem Geburtshaus in Aurich zu bekommen. Nun fordern sie Gehör bei Klinikplanern und Politik.

Aurich Eine freie Wahl, wo Mütter ihre Kinder zur Welt bringen, fordert die Arbeitsgemeinschaft Auricher Frauen. In einer Mitteilung kritisieren die Auricher Gleichstellungsbeauftragte Birgit Ehring-Timm und Tanja Gerdes vom Verein Motherhood, dass laut derzeitigem Plan im geplanten Gesundheitszentrum in der Auricher Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) nach der Eröffnung der Zentralklinik keine Geburtshilfe vorgesehen ist.

Sie fordern, dass die Stadt, der Stadtrat, der Landkreis und die Trägergesellschaft der Kliniken zum jetzigen Planungsstand mit den Frauen in eine Diskussion eintreten, wie sich doch noch ein Geburtshaus im UEK-Gebäude realisieren lässt.

Auricher Politik verabschiedete Resolution

Nachdem Ende November schon der Auricher Sozialausschuss einstimmig für eine Resolution zum Erhalt einer Geburtsmöglichkeit im geplanten Gesundheitszentrum in der Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) gestimmt hat, meldet sich nun noch die Arbeitsgemeinschaft Auricher Frauen mit der gleichen Forderung.

Aurich sei als familiengerechte Kommune zertifiziert. Nun drohe aber auch diese Geburtsstation verloren zu gehen, wenn die Kreißsäle in die geplante Zentralklinik in Uthwerdum umziehen. Frauen hätten das Recht auf eine Hebammenversorgung rund um die Geburt. Sie sollten die Möglichkeit haben, „ihr Baby möglichst selbstbestimmt und interventionsarm in einer angenehmen Atmosphäre auf die Welt zu bringen“, heißt es in einer Mitteilung der Auricher Frauen, unterzeichnet von Birgit Ehring-Timm und Tanja Gerdes. In Norden gebe es seit 2003 keine Geburtshilfe mehr, in Wittmund seit 2019 nicht, in Emden seit 2021 – und in wenigen Jahren solle nun noch Aurich folgen. Dann blieben nur die Kliniken in Leer und die Zentralklinik in Uthwerdum.

Geburtshaus für gesundere Schwangere und Babys eine Option

Frauen wünschten sich eine durchgehende Betreuung durch eine Hebamme von der Schwangerschaft über die Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes, so Gerdes. Sie will eine frauenzentrierte Geburtshilfe für die nächsten Generationen in Aurich etablieren und zukunftsfähig gestalten.

Die Auricher Kinderklinik, die Frauenklinik und die Geburtsstation sind voraussichtlich in Aurich bald Geschichte. Foto: ON-Archiv
Die Auricher Kinderklinik, die Frauenklinik und die Geburtsstation sind voraussichtlich in Aurich bald Geschichte. Foto: ON-Archiv

Wenn keine gesundheitlichen Einschränkungen für die werdende Mutter und das Kind vorliegen, sei oft der Wunsch nach einer außerklinischen Geburt vorhanden, so die zweifache Mutter. Das nächste Geburtshaus befinde sich aber in Oldenburg. Seit Jahren sei Geburtshilfe immer stärker als Risiko bewertet worden. Dabei verfügten Frauen über die natürliche Fähigkeit zu gebären.

Gleichstellungsbeauftragte: „Nachnutzung der UEK bietet eine einmalige Chance“

Und wenn doch unvorhergesehen etwas schief ginge? Dann wäre die nächste größere Notfallstation mit OP doch rund 15 Kilometer entfernt? Das schreckt Gerdes nicht: Jede Frau habe die Wahl, in die Klinik zu gehen. Und bei Geburten, bei denen sich ein Risiko abzeichne, werde das ohnehin so gehandhabt. Die Geburt im Krankenhaus sei aber bei weitem nicht in allen Fällen erforderlich.

Auch wenn aus dem Krankenhaus ein Gesundheitszentrum wird und nur eine kleine Notfallversorgung vor Ort bleibt, hält die Arbeitsgemeinschaft Auricher Frauen die Gebäude der UEK für einen idealen Standort für ein Geburtshaus. Foto: Romuald Banik
Auch wenn aus dem Krankenhaus ein Gesundheitszentrum wird und nur eine kleine Notfallversorgung vor Ort bleibt, hält die Arbeitsgemeinschaft Auricher Frauen die Gebäude der UEK für einen idealen Standort für ein Geburtshaus. Foto: Romuald Banik

„Es ist an der Zeit, dass wir über eine frauenzentrierte Geburtshilfe in Aurich diskutieren und die Wünsche der Eltern berücksichtigen. Dazu ist es erforderlich, dass die Elterninitiative gehört und an der Planung beteiligt wird“, so Ehring-Timm: „Die Nachnutzung der UEK bietet eine einmalige Chance, ein alternatives Angebot – in Form eines hebammengeleiteten Kreißsaals oder eines Geburtshauses – zu entwickeln.“ Über die Details müsse nun gesprochen werden, so Gerdes.

Geburtshaus soll nach Aurich, nicht nach Südbrookmerland

Wenn die Frauen ein Geburtshaus wünschen, wäre dies wegen der kürzeren Wege nicht in der Nähe der Klinik in Uthwerdum besser aufgehoben? Dem widerspricht die Motherhood-Sprecherin entschieden. In Aurich sei ein Klinikgebäude und damit eine geeignete Infrastruktur vorhanden. Zu einer Kommune mit 42.000 Einwohnern gehöre auch die Möglichkeit zu gebären.

Mit der UEK sei ein idealer Ort vorhanden, um werdenden Eltern Ängste zu nehmen, es unter Wehen nicht rechtzeitig in die Zentralklinik zu schaffen. Es könnten dort Geburtsvorbereitungskurse, Rückbildung, Still- und Krabbelgruppen stattfinden. „Wir wollen jetzt Kontakte knüpfen, um auszuloten, was in Aurich möglich ist“, so Gerdes.

Altmann: Elternwille sollte ausschlaggebend sein

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, Gila Altmann, fordert, dass das Geburtshaus in die Trägerschaft der neuen Klinik eingeordnet wird. Die Grünen hatten das Thema in der Stadtpolitik angesprochen. Mit dieser Trägerschaft wäre die Frage der Zuständigkeiten geklärt, so Altmann. Auch siehält den Elternwillen für sehr ausschlaggebend für die Entscheidung über die Versorgung.

Hebammen kümmern sich in der Schwangerschaft um Mutter und Kind und sollen dies nach dem Willen vieler Eltern auch während der Geburt in einem Geburtshaus tun. Symbolfoto: DPA
Hebammen kümmern sich in der Schwangerschaft um Mutter und Kind und sollen dies nach dem Willen vieler Eltern auch während der Geburt in einem Geburtshaus tun. Symbolfoto: DPA

Doch wäre ein hebammengeleitetes Geburtshaus finanziell realistisch? Viele freiberufliche Hebammen haben in den vergangenen Jahren wegen exorbitant gestiegener Versicherungsgebühren die Geburtshilfe an den Nagel gehängt.

Welche versicherungstechnischen Änderungen die Forderung nach sich ziehen würde, müsse geklärt werden, so Altmann. Auch Gerdes hat spontan keine Antwort. Sie wisse aber, dass es Hebammen gebe, die gern in einem Geburtshaus arbeiten würden.

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