Leer/Nortmoor
Liefer-Engpässe bedeuten Kraftakt für Bünting
Alle Branchen haben wegen Corona mit Materialproblemen zu kämpfen, auch der Lebensmittelhandel. Doch trotz Herausforderungen ist der Leeraner Handelskonzern Bünting weiter auf Wachstumskurs.
Leer/Nortmoor - Im dritten Jahr der Corona-Pandemie plagen auch den Leeraner Handelskonzern Bünting Probleme mit den weltweiten Lieferketten. Diese führten teilweise zu Engpässen bei der Warenversorgung, vor allem im Nicht-Lebensmittel-Sortiment („Non-Food“), berichtete Bünting-Vorstandsvorsitzender Markus Buntz am Donnerstag bei einem Pressegespräch. So gebe es aus Fernost zum Teil keine Frachtkapazitäten auf dem See-, Land- oder Luftweg mehr. Man tue aber alles, damit die Kunden ihren Einkaufskorb weiter wie gewünscht füllen können. „Im Hintergrund ist das ein enormer Kraftakt“, berichtete Buntz.
Die Probleme zeigten sich auch beim Bau oder der Modernisierung neuer Supermärkte, so verzögerte sich etwa in Emden zuletzt die Lieferung von Kühlmöbeln, weil Platinen dafür fehlten. „Wir kämpfen auf den Baustellen um jede Schraube“, so Buntz.
Im harten Lockdown griffen Kunden stärker zu höherpreisigen Produkten
Auch bei den Kunden zeigte sich das Auf und Ab der Lockdowns. Während in den Zeiten der harten Schließungen vieler Freizeitbereiche mehr Geld in Supermärkten auch für höherpreisige Produkte gelassen wurden, schauten die Menschen jetzt wieder stärker auf den Preis, so Buntz.
Und auch bei den mittlerweile rund 12.500 Mitarbeitern stiegen angesichts hochschnellender Coronazahlen die Krankheitsquoten. „Im Moment kommen wir aber noch gut klar“, so Vorstand Buntz. Einige Mitbewerber schränkten wegen Personalausfällen bereits Öffnungszeiten ein.
Bünting steigerte Umsatz und Gewinn deutlich
Trotz solcher Herausforderungen der Corona-Krise ist der Leeraner Handelskonzern wieder deutlich auf Wachstumskurs. Bünting konnte im ersten Corona-Jahr 2020 Umsatz und Gewinn deutlich steigern. Der Umsatz stieg um 173 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro, das operative Betriebsergebnis verdoppelte sich auf rund 45 Millionen Euro. 2021 sei der Umsatz noch einmal im mittleren einstelligen Prozentbereich gestiegen. Im Jahr 2020 investierte Bünting rund 46 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Märkte, wie Buntz berichtete. Und im vergangenen Jahr wurde etwa in den Emder Neutor-Arkaden ein teilautomatisierter Markt mit Selbstbedienungskassen eröffnet, der spätabends weitgehend ohne Personal auskommt. Mehr als ein Drittel der Kunden nutzten die Möglichkeit des „Self-Checkout“ nach Angaben von Buntz. Auch die Randzeiten frühmorgens und spätabends würden von den Kunden gerne genutzt, gerade in Coronazeiten, wo volle Supermärkte von manchen eher gemieden werden.
Neuer Finanzchef
Zum 1. Juli wird es einen Wechsel im Vorstand des Bünting-Konzerns geben: Finanzvorstand Rolf Warnders geht dann in Ruhestand. Nachfolger wird Oliver Bach, bisher Finanzvorstand bei der Düsseldorfer Textil-Einzelhandelskette Peek & Cloppenburg.
Der Bünting-Konzern mit Sitz in Leer und Nortmoor betreibt 203 Supermärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, darunter 183 Combi-Filialen und 20 Famila-Märkte.
Noch weiter geht ein neues Konzept, das in vier Märkten in Norden, Oldenburg, Osnabrück und Bielefeld getestet wird. Über die „Moin-Card“ von Bünting ist dort „Scan & Go“ möglich. Dabei wird die Ware per App mit dem eigenen Handy eingescannt. Solche neuen Einkaufskonzepte wolle und müsse man den Kunden natürlich zunächst erklären – und sie langsam daran gewöhnen, so Buntz.
Vorstand Buntz:„Corona wie Katalysator für E-Commerce“
Dazu gehört auch der Bereich E-Commerce, also der Verkauf auch von Lebensmitteln über das Internet. Dieses Segment sei allein 2020 um rund 62 Prozent gewachsen – wobei der Anteil am Gesamtumsatz weiter im niedrigen einstelligen Bereich liegt. Diesen wolle man aber weiter deutlich ausbauen mit verschiedenen Konzepten und Kooperationen. „Corona wirkt wie ein Katalysator für E-Commerce, auch im Bereich der frischen Lebensmittel. Das hat einen Boost gegeben bei den Kunden“, sagte Buntz. Das Thema werde auch nach der Pandemie auf einem hohen Niveau weitergehen.
Viel Wert legt Bünting nach Angaben von Vorstandschef Buntz weiter auf Regionalität. Dazu gehöre auch die Bedeutung des Tierwohls bei Lebensmitteln. Dafür baue man Partnerschaften vor Ort schrittweise weiter aus. „Die Landwirte investieren in ihre Anlagen, weil wir ein verlässlicher Partner sind“, betonte Buntz. Bei der Milch aus der Molkerei Ammerland habe man zum Beispiel einen Aufschlag von zehn Cent mit den Landwirten vereinbart, der diesen zugutekommt. Der Bünting-Chef betonte aber zugleich, dass das Angebot von Tierwohl-Produkten auch von der Nachfrage der Kunden abhänge.
Und dann war da noch die seit mehr als einem Jahr immer wiederkehrende Frage nach den großen Real-Märkten, die nach einer Zerschlagung zur Übernahme bereitstehen. Eine Übernahme des Marktes in Norden könne er ausschließen, sagte der Bünting-Chef. Den Markt direkt an der Autobahnabfahrt Emden-Mitte in Harsweg aber habe man weiter „auf der Watchlist“, so Markus Buntz. Man müsse sich die Substanz und den Bestand dieser Märkte sehr genau ansehen, um die Wirtschaftlichkeit zu prüfen.