Kita-Bedarf: Zahlenwerk mit klarem Auftrag

| | 27.01.2022 19:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Stein auf Stein: So soll es laut einem Ratsbeschluss bald auch bei einem Kitaneubau gehen – doch das Projekt gerät zunehmend ins Wanken. Foto: Pixabay
Stein auf Stein: So soll es laut einem Ratsbeschluss bald auch bei einem Kitaneubau gehen – doch das Projekt gerät zunehmend ins Wanken. Foto: Pixabay
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Der Landkreis Aurich hat der Gemeinde vorgerechnet, wie es um die Betreuungssituation in Südbrookmerlander Kitas bestellt ist – Nachholbedarf zeigt sich dabei vor allem in einem Bereich.

Südbrookmerland - Eigentlich war alles klar: Im Sommer vergangenen Jahres hat der Gemeinderat den Neubau einer fünfzügigen Kita in Südbrookmerland beschlossen. Dann folgten jedoch die Wahlen, verbunden mit einem Machtwechsel im Rathaus. Die Freie Wählergemeinschaft, die den Neubau seit jeher skeptisch sieht, scheint nicht daran zu denken, den Beschluss umzusetzen. Argumentiert wird, wie berichtet, mit neuen Zahlen des Landkreises zur Betreuungssituation in der Gemeinde. Die ON haben sich diese Zahlen einmal genauer angeschaut.

Konkret geht es um die Fortschreibung der Kindertagesstättenbedarfsplanung, die der Landkreis in regelmäßigen Abständen vornimmt. Der Gemeindeverwaltung liegen die Zahlen bereits vor, herausgeben wollte man sie dort aber nicht. Freigiebiger war man dagegen beim Landkreis.

Schleppender Ausbau

Vor allem im Krippenbereich, also bei der Betreuung der unter Dreijährigen, sieht der Landkreis in Südbrookmerland großen Nachholbedarf. „Der U3-Ausbau in der Gemeinde Südbrookmerland vollzieht sich leider – trotz Verbesserungen in der Versorgungssituation – nur schleppend“, heißt es wörtlich. Verglichen mit den anderen Kommunen im Kreisgebiet hat Südbrookmerland hier nach wie vor die zweitschlechteste Versorgungsquote. Nur gerade eben wird die im Kinderförderungsgesetz vorgeschriebene Betreuungsquote erreicht – und die stammt aus dem Jahr 2008. Mittlerweile, so der Landkreis, ist der Bedarf deutlich gestiegen. Aktuell, so heißt es weiter, fehlen im Krippenbereich 65 Betreuungsplätze, was etwa vier Krippengruppen entspricht.

Besser sieht es im Kindergartenbereich, also bei den Kindern zwischen drei Jahren und dem Einschulungsalter aus – zumindest auf den ersten Blick. 543 Kindern stehen laut Landkreis 547 Betreuungsplätze zur Verfügung. Allerdings gebe es dadurch keinerlei Reserven für Zuzüge. Mit Blick auf die sogenannte Flexi-Kind-Regelung, wonach Kinder unter gewissen Voraussetzungen von der Einschulung zurückgestellt werden können, malt der Landkreis ein düsteres Bild. Weil diese Kinder länger in den Kitas bleiben und somit wenige Plätze frei werden, geht man von derzeit bis zu 80 fehlenden Plätzen aus.

Raum für Interpretationen

Trotz detailliert aufgearbeiteter Zahlen lässt die Fortschreibung der Kita-Bedarfsplanung viel Raum für Interpretationen. So argumentiert beispielsweise FWG-Fraktionschef Ralf Geiken, dass sich die Betreuungssituation etwa 2026 verbessern werde, weil der Bedarf durch zurückgehende Geburtenzahlen sinke. Tatsächlich lässt sich dies den Statistiken des Landkreises entnehmen. Andererseits gilt der Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze aber schon jetzt.

Einen weiteren Faktor bringt Georg Wegener, Chef der Gruppe SBL/Grüne ins Spiel. Er ist Verfechter des eigentlich längst beschlossenen Kita-Neubaus und kritisiert, dass die Verwaltung in diesem Punkt noch nicht aktiv geworden ist. Seine Vermutung: Weil auch die Verwaltung von Anfang an gegen den Neubau war, wird die Sache bewusst verzögert. Statt sich um die Planungen zu kümmern, werde beispielsweise hinter dem Rücken der Politik versucht, in Münkeboe zusätzliche Kitagruppen in Räumen unterzubringen, die in der Vergangenheit bereits als nicht geeignet bezeichnet wurden. Zudem befinden sich laut Wegener mehrere Kitas in Südbrookmerland in alten, nicht mehr zeitgemäßen Gebäuden.

Kita fordert Erweiterung

Die Kita in Uthwerdum fordert nun beispielsweise einen Anbau. Durch die baulichen Gegebenheiten sei immer häufiger eine gute und für die Kinder zufriedenstellende Betreuung nicht mehr gegeben. Vorhandene Unzulänglichkeiten seien vom Landesjugendamt bestätigt worden.

Statt solche Einrichtungen immer wieder auszubauen und zu erweitern, wäre aus Wegeners Sicht ein Neubau viel zielführender. Wie schon die SPD kündigt auch Wegener an, dem Haushaltsplan die Zustimmung zu verweigern, sollte darin kein ausreichend großer Posten für den Kitaneubau aufgeführt sein.

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