Aurich/Brüssel

Auricher Tierschützer enttäuscht über Entscheidung der EU

| | 20.01.2022 21:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schweine werden über lange Strecken transportiert. Foto: DPA
Schweine werden über lange Strecken transportiert. Foto: DPA
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Die Entscheidung wurde in Ostfriesland wegen der Rinderexporte aus Aurich mit Spannung erwartet. Doch das Europa-Parlament unterstützt nur einen Teil der Schutzvorschläge für Tiere auf Transporten.

Aurich - In Aurich wird seit Monaten von Tierschützern gegen Tiertransporte in Drittstaaten protestiert. Aurich ist der Landkreis in Niedersachsen aus dem, dicht gefolgt vom Emsland, die meisten tragenden Zuchtrinder in Staaten wie Marokko, Algerien oder Usbekistan exportiert werden.

Am Donnerstag stand das Thema auf der Agenda des Europa-Parlaments. Ein Untersuchungsausschuss hatte zwischen September 2020 und Juni 2021 zahlreiche Missstände beim Transport festgestellt und zahlreiche Forderungen formuliert. Es geht dabei vor allem um wirkungsvollere Kontrollen und Verbote bestimmter Transporte wie ganz junger Kälber, hochträchtiger Tiere und Zuchtrindern in Nicht-EU-Staaten. Diese Forderungen wurden im Beschluss des EU-Parlaments zum Ärger der hiesigen Tierschützer aber nicht alle beibehalten und an die EU-Kommission weitergegeben.

Generelle Verkürzung für Transportzeiten bleibt aus

So gibt es kein Verbot von Zuchttiertransporten in Staaten außerhalb der EU, für die der Landkreis Aurich immer wieder in der Kritik steht. Auch wurde laut Medienberichten keine Grenze festgesetzt, ab der trächtige Tiere nicht mehr transportiert werden dürfen. Auch für die geforderte Festlegung auf Maximaltransportzeiten für verschiedene Arten gab es keine Mehrheit. Und ein generelles Transportverbot für sehr junge Tiere fiel ebenfalls durch. Es soll allerdings Transporteinschränkungen bei Extremtemperaturen geben und eine Pflicht für Fahrer, verletzte Tiere umgehend tierärztlich versorgen zu lassen.

Jutta van Vorst und Diedrich Kleen von „Ostfriesen gegen Tierleid“, die für den 9. April eine große Protestaktion in Aurich gegen Rinderexporte in Drittstaaten vorbereiten, bezeichnen das Ergebnis als „Farce“.

Tierschützer aus Aurich enttäuscht

„Es gab keine Mehrheit für einen tatsächlichen Schutz der Tiere beim Transport innerhalb und außerhalb der Union“, heißt es in einer Mitteilung: „Die entsetzlichen und vielfach dokumentierten Qual-Transporte von Rindern, Kälbern, Schafen, Geflügel und anderen Tieren werden erst einmal weitergehen.“

Dabei habe der Untersuchungsausschuss nach zahlreichen Anhörungen von Experten aus Wirtschaft und Industrie, Veterinärverbänden, Forschungsinstituten, Nicht-Regierungs-Organisationen, EU-Kommissionsmitgliedern und Beamten aus EU-Mitgliedstaaten „zahlreiche Missstände, unzureichende Versorgung und entsetzliches langes Leiden der Tiere sowie tierschutzwidrigen Umgang im Zusammenhang mit den Tiertransporten“ festgestellt. Für eine Empfehlung, die nicht kontrollierbaren Tiertransporte in Drittländer zu verbieten, habe der Ausschuss jedoch keine Veranlassung gesehen.

Kritik an Landkreis und Landesregierung

Der Kreis Aurich spiele dabei eine wichtige Rolle und habe sich „als Schlupfloch für skrupellose Tiertransporteure einen Namen gemacht“, kritisieren van Vorst und Kleen. Während andere Bundesländer ein Verbot von Tiertransporten in „Hochrisikoländer“ ausgesprochen hätten, nutzten die Transporteure nun die Möglichkeit, über Aurich abzufertigen.

„Hierbei ist auch die Landesregierung angesprochen, die es bis heute nicht geschafft hat, dieses entsetzliche Leiden der Tiere zu beenden“, heißt es in der Mitteilung - verbunden mit einem Aufruf, sich an der Demonstration in der Auricher Innenstadt, am Kreishaus und einer Mahnwache an den Ställen des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter im April zu beteiligen.

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