Aurich
Bürgermeister: Vorrang für Radler ist in Aurich schwer umzusetzen
Die bisher einzige Fahrradstraße in Aurich ist ein Dauerstreitthema. Längst hätten weitere Fahrradstraßen folgen sollen. Horst Feddermann nennt erstmals Gründe, warum das bisher nicht geschehen ist.
Aurich - Seit Jahren ist der Grüne Weg ein Dauerstreitthema in Aurich. Jetzt hat Horst Feddermann im Gespräch mit den ON Fehler bei der Einrichtung der bisher einzigen Fahrradstraße in Aurich eingeräumt. Zugleich benannte er die spezifischen Probleme in der Auricher Innenstadt, wenn es darum geht, Fahrradfahrern mehr Platz und mehr Vorrang vor den Autos einzuräumen. Das Problem am Grünen Weg: Die Anwohner pochen darauf, dass sie von Durchgangsverkehr verschont bleiben müssen. Andere Stadtbewohner ärgern sich, dass sie die Straße als Verbindung zwischen Oldersumer Straße und Kirchdorfer Straße nicht mehr nutzen dürfen. Seit der Einrichtung einer Fahrradstraße im Grünen Weg im Herbst 2019 dürfen nur noch Anlieger dort entlangfahren. Zufrieden mit der derzeitigen Regelung sind nur die wenigsten.
Ursprünglich waren im Masterplan Radverkehr der Stadt Aurich zwölf Fahrradstraßen vorgesehen. Nach einem ON-Bericht wurde die Straße Stallingslust gestrichen, denn dort fahren seit dem Bau der Johannes-Diekhoff-Straße keine Radfahrer mehr. Von den verbliebenen elf Fahrradstraßen wurde schließlich nur der Grüne Weg umgesetzt. Das Thema werde aber bisher nicht so verfolgt, gestand Feddermann ein – Grund dafür sei der Grüne Weg. Denn nicht nur die Sperrung der Straße sorgt für Unmut. Auch einige Anwohner sind nicht glücklich, dass sie wegen des Halteverbots in einer Fahrradstraße nun ihre Fahrzeuge in den Vorgärten abstellen müssen.
Bürgermeister: Wunsch sei größer, als sich umsetzen lasse
Beim Thema Fahrradstraßen sei der Wunsch bisher etwas größer, als sich umsetzen lasse, sagte Feddermann am Montag am Rande einer Veranstaltung zur klimafreundlichen Mobilität, die in der Auricher Stadthalle stattfand. Ein Grund dafür sei, das betont der Bürgermeister immer wieder, dass Aurich in seinen Strukturen zum Teil sehr beengt und klein sei. „Da jetzt einfach so ein Verkehrsmittel wie das Auto auszusperren, halte ich für sehr schwierig – nicht unmöglich, aber da werden wir noch mehr Gehirnschmalz drauf verwenden müssen, wie wir das umsetzen können“, so Feddermann. Damit dürfte er auch den Anliegern anderer Straßen aus der Seele sprechen, die im Masterplan noch als Fahrradstraßen vorgesehen sind. Darunter ist zum Beispiel der Extumer Weg, in dem dann auch niemand mehr auf der Straße parken dürfte. Problemlos wäre eine Fahrradstraße in der Bahnhofstraße umzusetzen. Denn dort gibt es Parkbuchten. Ausgerechnet diese Hauptverbindungsstraße für Gymnasiasten wurde aber noch nicht als Fahrradstraße ausgewiesen.
In jedem Fall nicht so, wie am Grünen Weg. Das steht auch für den Bürgermeister fest. Man habe beim Grünen Weg unglücklicherweise zwei Probleme miteinander verbunden: Zum einen sei den Anwohnern suggeriert worden, dass die Straße beruhigt würde, „was nicht erfolgt ist, weil es eben ein Schleichweg um Aurich herum ist“, sagte Feddermann. Zum anderen habe man dieses Thema verknüpft mit dem Thema Fahrradstraßen, um dadurch eine Verkehrsberuhigung zu erzielen – „das ging aber nicht so ohne Weiteres“, so Feddermann. Man hätte mit den Fahrradstraßen woanders anfangen müssen, das Thema „Grüner Weg“ hätte anders gelöst werden müssen, sagte er.
Das sei mittlerweile aber egal, so Feddermann. „Jetzt arbeiten wir daran weiter.“ Die Fahrradstraße werde ja nicht aufgelöst, die sei im Moment jetzt ja nun mal da. Feddermann kündigte an: „Wir werden uns dem Thema weiter annähern. Das Thema ist nicht weg, kommt Zeit, kommt Rat.“
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