Aurich

Fahrradstraßen in Aurich: Zweifel an der Planung

Heino Hermanns
|
Von Heino Hermanns
| 27.09.2019 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Artikel teilen:

Neue Straßen haben in Aurich die Verkehrsströme verändert. Nicht nur Autofahrer, auch Radler nutzen jetzt teilweise neue Wege. Dadurch, so Kritiker, könnten bereits beschlossene Fahrradstraßen überflüssig werden.

Aurich. Das Thema „Fahrradstraßen“ lässt die Anwohner nicht los. Insbesondere die Anlieger der geplanten Straßen fühlen sich von den Entscheidungen der Auricher Politik nicht immer mitgenommen. Unverständnis für die neue Art der Verkehrslenkung gibt es zum Beispiel in Stallingslust. Aber auch im Extumer Weg regt sich Widerstand dagegen, die Straße in eine Fahrradstraße umzuwandeln.

Einer von ihnen ist Uwe Behrends. Seit 1970 hat er ein Stück Land neben dem Auricher Gesundheitsamt gepachtet, zieht dort im Nebenerwerb Pflanzen für den Garten. Auch Weihnachtsbäume können die Auricher bei ihm jedes Jahr erwerben. Der 75-Jährige hat genau beobachtet, wie sich der Verkehr in den vergangenen Jahren verändert hat. „Alleine durch die neue Verbindungsstraße habe ich die Hälfte meiner Kunden verloren“, sagt er im ON-Gespräch. Denn viele Auto- und Radfahrer würden den Extumer Weg nun meiden. Es sei ruhig geworden in der Straße. Generell hat Behrends gegen Fahrradstraßen nichts einzuwenden. „Aber nur an Stellen, an denen sie auch sinnvoll sind.“ Das sei in der Innenstadt sicherlich der Fall oder auch im Verlauf Kreuzstraße/Westgaster Weg/Grüner Weg.

Radverkehr hat im Extumer Weg abgenommen

Aber im Extumer Weg habe der Rad- und Autoverkehr dank der Verbindungsstraße stark abgenommen, ebenso wie in Stallingslust. Nur mittags um 13 Uhr gebe es für ungefähr zehn Minuten mehr Fahrradfahren. Dann nämlich haben das Ulricianum und die IGS Aurich Schulschluss, die Kinder fahren über den Extumer Weg nach Hause. Behrends kennt auch die Gründe, warum grade von Radfahrern lieber die Johannes-Diekhoff-Straße genutzt wird. „Bei uns im Extumer Weg reiht sich ein Schlagloch an das nächste.“ Die neue Verbindungsstraße sei hingegen intakt.

Er fürchtet, dass ihm weitere Kunden abhanden kommen, wenn im Extumer Weg Autos nicht mehr am Straßenrand halten dürfen. Denn das Verbot werde kommen. Nur vereinzelt, unter anderem vor seinem Grundstück, könnten Parkbuchten geschaffen werden. „Meine Stammkunden werden von ihren Enkeln zu mir gefahren. Die können nicht mehr mit dem Rad Pflanzen kaufen.“ Behrends denkt auch an viele ältere Leute, die im Extumer Weg wohnen. Lieferdienste, Taxis und Pflegedienste würden sehr häufig kommen – und dürften künftig unter Umständen nicht mehr halten.

„Besser als unechte Einbahnstraße“

Eine ganz andere Ansicht zu Fahrradstraßen hat Carsten Lisson. Er wohnt in einer Nebenstraße des Westgaster Weges, fährt häufig durch den Grünen Weg zur Arbeit in Richtung Emden. Viel sicherer als zu Zeiten der „unechten Einbahnstraße“ sei der Grüne Weg nun, sagt Lisson im ON-Gespräch. Wie berichtet, halten sich die meisten Autofahrer an Tempo 30. Sein 17-jähriger Sohn fahre oft mit dem Rad durch den Grünen Weg und fühle sich nun viel sicherer.

Lisson freut sich darüber, dass auch der Westgaster Weg zur Fahrradstraße werden soll. Denn das sei eine viel bessere Art, den Verkehr sicherer und ruhiger zu machen als die „unechte Einbahnstraße“. Diese war als Test von der Stadt eingerichtet worden, vom Westgaster Weg durfte niemand mehr in den Grünen Weg einfahren. Der Landkreis untersagte den Versuch schließlich.

„Das hat mich täglich zweieinhalb Kilometer Umweg gekostet.“ Freitagnachmittags brauchte Lisson, der bei Tura Marienhafe Trainer ist, 20 Minuten länger, um zu seiner Mannschaft zu kommen. Seine Sorge ist, dass die Stadt die Fahrradstraßer mit der Einbahnstraße kombinieren könnte. „Die Politik hat das noch nicht abgehakt“, ist Lisson sich sicher. Er habe Stadtbaurätin Irina Krantz darauf angesprochen. Ein klares Dementi habe sie nicht gegeben, so Lisson.

Ähnliche Artikel