Aurich
Diebstahl in Hofläden: Vertrauen schamlos ausgenutzt
Immer wieder werden in Hofläden im Landkreis Aurich Geld und Waren geklaut. Zu oft bleiben die Betroffenen auf ihrem Schaden sitzen. Und die Landwirte ziehen daraus ihre Konsequenzen.
Aurich - Für Wiebke de Buhr ist es jedes Mal wieder erschreckend: Schon sieben Mal wurde seit Beginn der Pandemie in ihren Hofladen bei ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in Aurich eingebrochen sowie Geld und Waren gestohlen. In der vergangenen Woche wurde einer der Täter verurteilt. Für die Landwirtin ist das aber nur ein schwacher Trost.
Sechs Täter wurden nach Angaben der Landwirtin gefasst, nur einer verurteilt. Die Beträge seien bei den meisten im Verhältnis zu anderen Vorwürfen einfach zu gering gewesen – oder die Täter zu jung. Einer war gerade einmal 13 Jahre alt, sagt Wiebke de Buhr.
Seit der Pandemie ist es schlimmer
Schon früher sei ihr Hofladen bestohlen worden, sagt die Landwirtin. Vor der Pandemie seien es allerdings eher Waren gewesen, die Kunden nicht bezahlt hätten.
Seit März 2020 sei immer wieder Geld samt Geldkassette geklaut worden. Und Wiebke de Buhr hat eine Idee, warum: Es handele sich hauptsächlich um Täter, die sonst zum Beispiel in Kleidungsgeschäften gestohlen hätten und ihr Diebesgut dann verkauften, um sich Drogen zu besorgen. Wegen des Lockdowns sei das nicht mehr gegangen. So seien die Täter auf die Hofläden umgeschwenkt, vermutet de Buhr.
Reparaturkosten übersteigen Wert des Diebesguts
Für die These der Landwirte spricht ihr neuester Fall vor Gericht. Der Verurteilte hatte vor dem Amtsgericht Aurich am vergangenen Donnerstag zugegeben, die Geldkassette des Hofladens geklaut zu haben, um seine Drogensucht zu finanzieren.
Über den Geldwert, der jedes Mal gestohlen wird, will die Landwirtin nicht sprechen. Zu groß ist die Angst, damit potenzielle Täter zum Diebstahl zu animieren. Dabei übersteigen die Kosten für eine neue Kasse und Reparaturen am Hofladen von ein paar Hundert Euro bei Weitem den geklauten Betrag.
„Man hat einfach keine Lust mehr“
Mehrmals hatten die de Buhrs überlegt, den Hofladen endgültig zu schließen. „Man hat einfach keine Lust mehr“, sagt Wiebke de Buhr. Doch für ihre Stammkunden will die Familie weitermachen.
Die Angebote der Hofläden in der Region sind wichtig – und umso ärgerlicher sind die Übergriffe, sagt der Vorsitzende des Vereins Land schafft Verbindung, Udo Haßbargen. Auch in seinem Hofladen in Aurich wurde bereits eingebrochen.
Vertrauen und Kameraüberwachung
In dem Anbau zu seinem Hof verkauft Udo Haßbargen unter anderem Milch in einem Automaten. Er sei zuletzt aufgebrochen worden. Die Reparaturkosten: mehr als 3000 Euro. Allein im Dezember wurden mehr als 100 Euro aus der Kasse geklaut.
„Es ist total traurig“, sagt der Landwirt. Man biete den Menschen regionale Produkte auf einfachem Weg. Man sehe direkt, woher die Produkte stammen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt werden. Und dann werde das Angebot von einigen schamlos ausgenutzt.
Die Landwirte ziehen aus den Übergriffen ihre Konsequenzen. Udo Haßbargen hat seinen Hofladen nicht mehr die ganze Nacht geöffnet, ein Kamerasystem wurde installiert. Letzteres gibt es auch auf dem Hof von Familie de Buhr. So manchen Täter konnten sie noch bei der Tat erwischen. Ein Trost ist das allerdings nicht. Zu groß ist die Enttäuschung bei den Landwirten über die Dreistigkeit der Diebe.