Aurich/Emden

Viele Schwangere aus Emden gingen nach Leer statt Aurich

| | 06.01.2022 09:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch Zwillinge, wie hier in Halle/Saale, kamen 2021 in Aurich zur Welt.Archivfoto: DPA
Auch Zwillinge, wie hier in Halle/Saale, kamen 2021 in Aurich zur Welt.Archivfoto: DPA
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Nach der Schließung der Emder Geburtsklinik entschied sich nur ein Viertel der werdenden Mütter für eine Geburt in der UEK Aurich. In der Zentralklinik soll es einen zusätzlichen Kreißsaal geben.

Aurich/Emden - In den Tagen nach dem Jahreswechsel kommen traditionell Pressemitteilungen der Kliniken zum Neujahrsbaby. Und in der frohen Botschaft aus der Auricher Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) freute sich der Chefarzt der Geburtshilfe denn auch, dass in dem Haus an der Wallinghausener Straße 2021 rund 100 Kinder mehr als im Vorjahr zur Welt gekommen seien. Tatsächlich waren es 2020 genau 1277 Geburten und 2021 dann 1352 – also immerhin 75 Geburten mehr, wie eine Nachfrage der ON ergab.

Doch bei einem Vergleich mit Nachbar-Krankenhäusern relativiert sich die gute Nachricht zumindest etwas. Denn im Klinikum Leer stieg die Zahl der Geburten 2021 sogar um 178 zum Vorjahr und lag nun bei 1385. Damit überholten die Leeraner die Auricher, die bislang die meisten Geburten in Ostfriesland hatten. Auch das Borromäus-Hospital, ebenfalls in Leer, meldete einen deutlichen Anstieg der Geburten, von 857 auf 1052.

Neujahrsbabys in Leer aus Emden und Aurich

In den Pressemitteilungen der beiden Leeraner Krankenhäuser zu ihren Neujahrsbabys wird dann auch ein möglicher Grund für die deutlichen dortigen Anstiege erkennbar. Denn das Neujahrsbaby im Klinikum Leer kam aus dem rund 30 Kilometer entfernten Emden. Die Seehafenstadt mit ihren rund 50.000 Einwohnern hat seit April vergangenen Jahres keine eigene Geburtsstation mehr. Sie wurde im Zuge eines von der Trägergesellschaft Aurich-Emden-Norden vorgeschlagenen und von der Politik abgesegneten Standortkonzepts geschlossen.

Die Frage für werdende Mütter aus Emden und Nachbargemeinden wie der Krummhörn oder Hinte ist also, ob sie nach Aurich oder Leer zur Geburt fahren. Die Wegstrecke variiert je nach Ausgangsstandort zwischen etwa 25 und 45 Kilometern. Im Jahr 2020 gab es noch 413 Geburten im Klinikum Emden. Bis zur Schließung am 30. April 2021 waren es dann noch einmal 65 Geburten.

UEK: Rund 100 Geburten aus Emden und Umgebung

In der UEK in Aurich gab es laut Trägergesellschaft 2021 rund 100 Geburten aus dem Raum Emden, Hinte und Krummhörn – also rund 25 Prozent der Emder Geburtenzahl von 2020. Im November vergangenen Jahres hatte die Medizinische Geschäftsführerin der Trägergesellschaft, Dr. Astrid Gesang, auf Nachfrage die Hoffnung geäußert, dass gut ein Drittel der Frauen, die bisher in Emden entbinden, künftig nach Aurich wechseln. Ganz gelungen ist das zumindest bislang offenbar noch nicht. Und auch einige Auricherinnen fahren augenscheinlich in die Nachbarstadt zum Gebären: Das Neujahrsbaby im Leeraner Borromäus-Hospital kam laut Pressemitteilung aus Aurich – das 1000. Baby im „Borro“ kam aus Emden.

Unzweifelhaft hat „die Geburtsstation der UEK Aurich für die geburtshilfliche Versorgung in der Region eine sehr hohe Bedeutung“, wie die Trägergesellschaft auf ON-Anfrage betont. Vor allem im Hinblick auf die spezialisierte Sektion der Kinderklinik Aurich, das sogenannte Perinatalzentrum Level 2, wo auch besondere Frühgeburten möglich sind. Die jüngste Re-Zertifizierung als „babyfreundliches Krankenhaus“ sowohl der Frauen- als auch der Kinderklinik als eines von bundesweit fünf Krankenhäusern zeige die Versorgung von Mutter und Kind auf höchstem Niveau, heißt es. Auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit hieß es, mit über 1000 Geburten sei eine solche Abteilung „im Portfolio der Fachabteilungen auskömmlich führbar“. Die Geburtenzahl im Klinikum Emden, die immer deutlich unter 1000 lag, reichte dafür offenbar nicht mehr aus – dazu kam der Mangel an Hebammen.

Zentralklinik mit fünf Kreißsälen geplant

Und wie sieht es künftig in der geplanten Zentralklinik aus, die der Landkreis Aurich und die Stadt Emden an der Bundesstraße 72 in Uthwerdum planen? Immerhin wird das Haus mit 813 Betten neben den Unikliniken in Hannover und Göttingen eines der größten Krankenhäuser Niedersachsens sein.

Geplant sind in Uthwerdum nach Angaben der Trägergesellschaft fünf Kreißsäle und ein „Sectio-Saal“ für Kaiserschnitte. Das „Raum- und Funktionsprogramm“, das vom niedersächsischem Sozialministerium bewilligt wurde, geht von rund 1 900 Geburten im Jahr aus. Das wären deutlich mehr als derzeit in der UEK Aurich – aber auch deutlich weniger als derzeit in den beiden Leeraner Krankenhäusern.

Darüber hinaus werde die Zentralklinik ein umfangreiches Nebenraumprogramm bieten. Dazu zählen Untersuchungsräume, Vorwehenzimmer, ein Entspannungsbad und ein Aufenthaltsraum für Angehörige. Von Vorteil werde zudem sein, dass die Geburtshilfe eine direkte Anbindung an die Frühchenstation erhält.

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