Südbrookmerland

Tourismus am Großen Meer: Erfolge im Krisenjahr

| | 21.12.2021 19:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Winter am Großen Meer: Bei den Südbrookmerlander Touristikern ist nach einer aufregenden Saison etwas Ruhe eingekehrt. Foto: Holger Janssen
Winter am Großen Meer: Bei den Südbrookmerlander Touristikern ist nach einer aufregenden Saison etwas Ruhe eingekehrt. Foto: Holger Janssen
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Trotz Pandemie und schlechten Wetters kamen 2021 mehr Urlauber nach Südbrookmerland als je zuvor. Damit der Trend anhält, fordert der Touristikchef weitere Investitionen.

Südbrookmerland - Ihre gute Laune lassen sich die Touristiker am Großen Meer nicht verderben. „Es macht immer noch Spaß“, sagt Simon Willms, Geschäftsführer der Südbrookmerland Touristik GmbH – trotz der Widrigkeiten, mit denen er und sein Team im zweiten Corona-Jahr zu kämpfen hatten. Unter dem Strich, so heißt es, sei man sehr zufrieden. Auch, weil es erneut gelungen ist, die Übernachtungszahlen rund um das Große Meer zu steigern. Auch trotzen die Verantwortlichen der fortwährenden Kritik aus der Politik wegen des erneuten Defizits von voraussichtlich deutlich mehr als 500 000 Euro. Um diesen Fehlbetrag mittelfristig senken zu können, seien Investitionen nötig.

Campingplatz

Vor allem die Entwicklung des Campingplatzes bereitet den Verantwortlichen am Großen Meer Freude. Von etwa 14 700 Übernachtungen im vergangenen Jahr verzeichneten sie einen deutlichen Anstieg auf mehr als 17 900 Übernachtungen in diesem Jahr. Tendenz steigend, denn: Weil in den vergangenen Monaten eine zusätzliche Fläche für Wohnwagen hergerichtet wurde, wird neuerdings auch Wintercamping angeboten. Davon verspricht sich die Touristik GmbH einen weiteren Zuwachs. Hilfreich dabei ist die Einführung neuer Technik, sei es bei der nun möglichen Online-Buchung oder bei der einheitlichen Zugangskontrolle. Beides, so Co-Geschäftsführer Christian Albers, habe zu einer deutlichen Entlastung des Personals geführt, das sich dadurch anderen wichtigen Aufgaben widmen könne.

Die Touristik-Geschäftsführer Christian Albers (links) und Simon Willms. Archivfoto: Holger Janssen
Die Touristik-Geschäftsführer Christian Albers (links) und Simon Willms. Archivfoto: Holger Janssen

Wohnmobilhafen

Die Auslastung des Wohnmobilhafens am Großen Meer blieb 2021 stabil. Rund 8300 Übernachtungen wurden gezählt. Auch hier half die neue Technik. Sanitäranlagen, Waschmaschinen, Stellplatzgebühren – Gäste können für die Zahlung ein einheitliches Chipkartensystem nutzen. Wie auch auf dem Campingplatz hat sich laut Simon Willms erneut gezeigt, dass der Wohnmobilhafen nicht nur von Gästen aus der Ferne, sondern auch von vielen Besuchern aus der Region genutzt wird.

Paddel- und Pedalstation

Nach wie vor ein Erfolgsmodell ist die Paddel- und Pedalstation, wie die Touristiker sagen. Nach und nach werden dort die teils bereits 15 Jahre alten Fahrräder ersetzt. Gestärkt wird das Angebot zudem durch geführte Touren auf dem Fahrrad und im Boot. Vor allem Letztere werden laut Simon Willms auch gerne von Einheimischen angenommen.

Veranstaltungen

Sorgen und Skepsis bereitet den Touristikern wegen Corona der weitere Umgang mit Veranstaltungen. Beliebte Termine wie das Sommerfest am Großen Meer und das Mittelalterfest mussten 2021 wegen der Pandemie erneut ausfallen. Und auch für das kommende Jahr zeigt man sich skeptisch. Die Planung sei aufwendig. Müsse dann alles kurzfristig wieder abgesagt werden, sei die Arbeit umsonst gewesen und die Enttäuschung entsprechend groß. Wahrscheinlicher ist, dass man auf kleinere, schnell zu planende Veranstaltungen am Großen Meer setzt.

Bistro am Meer

Für das Bistro am Meer wurde im Herbst mit Tim Schuster ein neuer Pächter gefunden. Vorgänger Wolfgang Hartwig habe zuvor mitgeteilt, das Bistro nicht weiterführen zu wollen. Er hatte das Lokal, wie berichtet, kurz vor Beginn der Pandemie übernommen und somit einen schwierigen Start. Simon Willms hofft nun, dass es dem neuen Pächter besser ergeht. Ein Ziel sei, verlässliche Öffnungszeiten zu schaffen, sodass sich Besucher vor Ort mit Getränken und Speisen versorgen können.

Sanitärgebäude

Erleichtert sind die Touristiker darüber, dass in diesem Winter endlich mit der Sanierung des Sanitärgebäudes auf dem Campingplatz begonnen werden soll. Seit Jahren gilt der Bau als marode, insbesondere der Innenbereich mit seinen alten Rohrleitungen und Anlagen hat seine besten Zeiten längst hinter sich. Zunächst soll nun das Dach erneuert werden. Die Sanierung des Innenbereichs ist für den Winter 2022/2023 geplant. „Dann wird es aber auch wirklich Zeit“, so Willms weiter.

Defizit

Etwa 550 000 Euro muss die Gemeinde in diesem Jahr an die Touristik GmbH zahlen, um das Defizit des Eigenbetriebes auszugleichen. Ein Punkt, der in der Politik immer wieder für Diskussionen sorgt. Wie viel ist der Tourismus der Gemeinde wert, lautet die Frage, auf die dabei vieles hinausläuft. Stets wird dann beteuert, dass das Geld durch Steuereinnahmen von Unternehmen, die vom Tourismus profitieren, wieder zurück in die Gemeindekasse fließt. Alle überzeugt das aber nicht. Erst in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses fragte Hilko Gerdes (CDU), ob der Erfolg der Touristiker nicht auch mit einem geringeren Defizit zu erreichen wäre. Für Simon Willms ist das Ziel klar: Auch er will die Verluste senken. Klar sei aber auch, dass dafür zunächst investiert werden müsse. „Man darf nicht stehenbleiben.“ Die Touristik GmbH habe nicht viele Möglichkeiten, selbst Umsätze zu generieren. Kur- oder Touristikbeiträge gebe es nicht. Die Erfolge auf dem Campingplatz zeigten aber, dass einiges möglich sei. Werde daran weiter gearbeitet, ließe sich mittelfristig auch das Defizit verringern.

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