Emden

Corona: Fast 700 Menschen demonstrierten in Emden

| | 18.12.2021 18:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Begleitet von Bereitschaftspolizei zogen fast 500 Impfpflicht-Gegner durch Emden. Foto: Aiko Recke
Begleitet von Bereitschaftspolizei zogen fast 500 Impfpflicht-Gegner durch Emden. Foto: Aiko Recke
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Gleich zwei Demos zogen am Sonnabendnachmittag durch Emden. Die Impfzwang-Gegner brachten laut Polizei etwa 460 Unterstützer auf die Straße. Bei der Gegendemo waren es 230. Die Polizei zog ein Fazit.

Emden - Fast 700 Menschen haben heute an zwei Demonstrationen zur Coronapolitik teilgenommen. An der Demo der Gruppe „Eltern gegen Rechts und für freie Impfentscheidung“ nahmen nach Polizeiangaben rund 460 Menschen teil. Bei der Gegendemo „Für Demokratie und Wissenschaft - Solidarisch aus der Krise“ waren es nach Polizeiangaben rund 230 Teilnehmer. Beide Demos wurden von einem starken Polizeiaufgebot begleitet, darunter auch eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Oldenburg. Beide Demos blieben friedlich, wie Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, auf ON-Anfrage sagte. Da die Aufzüge räumlich und zeitlich versetzt stattfanden, kam es zu keiner direkten Begegnung der beiden Gruppen.

Die Gegendemo mit rund 230 Teilnehmern startete am Bahnhofsplatz. Foto: Aiko Recke
Die Gegendemo mit rund 230 Teilnehmern startete am Bahnhofsplatz. Foto: Aiko Recke

Die erste Demo der Impfkritiker begann um 13 Uhr vor dem Verwaltungsgebäude III mit einer Kundgebung. Die Demo-Anmelderin sagte, sie gehöre zu einer Gruppe besorgter Eltern. Auf politischer Ebene habe niemand ihre Sorgen ernst genommen. Sie sei nicht gegen Impfungen. Sie verabscheue rechtsradikale und linksradikale Gewalt, betonte sie. Mit Tränen in der Stimme appellierte die junge Frau: „Wir müssen uns die Hand geben. Die Spaltung muss aufhören.“

Demo-Anmelderin: „Haben Angst, in die Ecke gedrängt zu werden“

Eine andere Rednerin sagte: „Wir sind eine große Gruppe von Eltern. Aber wir haben Angst, in eine Ecke gedrängt zu werden.“ Sie hoffe, der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff sehe, wer die demonstrierenden Menschen sind.

Die Impfpflichtkritiker zogen in einem großen Bogen vom städtischen Verwaltungsgebäude III nahe der Eisenbahnklappbrüche, durch die belebte Innenstadt, durch Großfaldern und wieder zurück. Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie „Impfzwang - Nein Danke“, „Hände weg von unseren Kindern“, „Tschüß Panik-Hallo Vernunft“ oder auch „Ich bin kein Coronaleugner.“ Dabei riefen viele immer wieder „Frieden, Freiheit, Demokratie“, aber auch „Widerstand“. Mit dabei waren Trommeln, Pfeifen und Musik. Viele Passanten blieben stehen, manche schüttelten den Kopf, von einigen wenigen gab es Zustimmung. Die Impfpflichtkritiker hatten bereits an den vergangenen Sonnabenden in der Emder Innenstadt gegen die Corona-Politik demonstriert.

Gegendemo: „Impft Euch, was das Zeug hält“

Direkt im Anschluss startete um 15 Uhr am Bahnhofsplatz eine Gegendemo, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft gegen Rechts der Hochschule Emden, dem Emder Kreisverband der Linken und der Gruppe „Tegenkrabben“. Man wolle sich gegen die Verschwörungsmythen der Impfgegner positionieren, sagte Anmelderin Maike Richtler.

Ein weiterer Sprecher, Mitglieder der Linken, erklärte, die Demo der Impfkritiker eine Woche zuvor habe ihn „fassungslos gemacht“. Diese seien „von Fakenews geblendet.“ „Ich fühlte mich zum Handeln gezwungen.“ Denn: „Impfen ist für mich ein Akt der Solidarität. Damit schütze ich auch meine Mitmenschen. Impft Euch, was das Zeug hält“, rief er den rund 230 Zuhörern zu.

Auf der Gegendemo am Bahnhofsplatz sprach auch der Vorsitzende des Emder CDU-Kreisverbands, Wilke Held. Er wolle zeigen, dass sich ein breites Bündnis für Demokratie und Wissenschaft formiert habe. „Die Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen bei Hass und Hetze““, so Held. Er empfehle jedem, sich impfen zu lassen.

Oberbürgermeister beobachte Demos aus der Entfernung

Mitglieder der Linken skandierten in Anlehnung an einen antifaschistischen Schlachtruf „Alerta, Alerta, Impfen macht stärker.“

An der Gegendemo nahm auch eine Abordnung der „Omas gegen Rechts“ teil und der Satirepartei „Die Partei“. Sie hatten Banner mit Aufschriften wie „Bedingungsloses Mindesthirn für alle!“ und „Wirr ist das Volk“ mitgebracht.

Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) schaute sich die beiden Demos aus einiger Entfernung als eine Art neutraler Beobachter an. Er betonte, es sei wichtig, die Meinungsfreiheit für alle zu gewährleisten. Er verstehe die Ängste vieler Menschen. Er sei froh, dass die Demos friedlich abliefen. Und er glaubt: „Am Ende eint uns mehr als uns trennt.“

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