Aurich

DJs trotzen in Auricher Disco Corona

| | 17.12.2021 18:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Feuer, Licht, Kameras: Technisch haben die Macher im Aurum einiges aufgeboten, um Zuschauern und Zuhörern eine beeindruckende Show zu bieten. Fotos: Romuald Banik
Feuer, Licht, Kameras: Technisch haben die Macher im Aurum einiges aufgeboten, um Zuschauern und Zuhörern eine beeindruckende Show zu bieten. Fotos: Romuald Banik
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Eigentlich sollten sie vor feierndem Publikum auftreten. Doch das Virus machte den Veranstaltern im Aurich wieder einen Strich durch die Rechnung. Sie haben jetzt aus der Not eine Tugend gemacht.

Aurich - Ein wenig seltsam fühlt sich das ja schon an: Die Bässe wummern, die Stroboskope blitzen, der Nebel zischt, Pyroeffekte sorgen für eine beeindruckende Show. Doch draußen herrscht helllichter Tag – und die Tanzfläche in der Diskothek Aurum in Aurich-Middels bleibt an diesem Freitagnachmittag leer, ganz egal, was der DJ spielt.

Stattdessen sind gleich mehrere Kameras auf das DJ-Pult gerichtet. Nichts stört die perfekte Choreographie. Sebastian Kranz und sein Team haben aus der Not eine Tugend gemacht. Weil es derzeit für ihn und den Betreiber keinen Sinn ergibt, den Club unter strengsten Corona-Beschränkungen zu öffnen, bietet er eine Alternative an.

Bekannte DJs wie Westbam und Eskei83 im Aurum

Mit finanzieller Unterstützung des Förderprogramms „Neustart Kultur“ der Bundesregierung hat der Auricher Eventmanager bekannte DJs wie Westbam, Moguai, Felix Kröcher, Akaaka, Younotus oder Eskei83 ins Aurum nach Middels geholt.

Eventmanager Sebastian Kranz sieht in der Krise auch Chancen.
Eventmanager Sebastian Kranz sieht in der Krise auch Chancen.

Eigentlich sollten die Künstler unter dem Motto „Culture Club“ in den vergangenen Wochen vor Publikum im Aurum spielen. Doch die erneut verschärften Coronaregeln machten den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen werden die Auftritte nun von einem professionellen Videoteam aufgezeichnet – und dann auf dem Youtube-Kanal des Aurum gezeigt. Drei von 18 kompletten DJ-Sets, jeweils rund eineinhalb Stunden lang, sind dort schon zu sehen und zu hören. Weitere werden in den nächsten Wochen bis Mitte März folgen, wie Sebastian Kranz im Gespräch mit den ON berichtete.

Eventmanager: „Das Virus kriegt uns nicht klein“

Kranz hatte sich beim Bund um die Fördermittel geworben, einen eigenen Antrag geschrieben. Ende vergangenen Jahres gab es die Zusage. Die Idee war zunächst ein Festival. Doch die diversen Corona-Wellen machten den Veranstaltern immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Doch Kranz lässt sich nicht unterkriegen, versucht, aus der Krise das Positive zu ziehen. Er nimmt Corona sehr ernst, wie er sagt, und findet es nur konsequent, dass die Diskos und Clubs in dieser Situation geschlossen bleiben. Doch Kranz gibt sich kämpferisch und sagt: „Das Virus kriegt uns nicht klein.“

Der Eventmanager will das Beste aus der Misere machen. In seinem Antrag betonte er besonders die Verbindung von lokalen Nachwuchs-DJs und gestandenen Größen des Business – wie Mayday-Gründer Westbam oder der weltweit erfolgreiche Eskei83. „Durch das Videoformat entsteht auch Neues. Die ganze Welt kann zusehen.“ Dabei geht es laut Kranz nicht in erster Linie um hohe Klickzahlen, sondern um Qualität – musikalisch und technisch. Die Produktion ist aufwendig, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Südbrookmerlander „local heroes“ zum ersten Mal auf großer Bühne

Zwei der „local heroes“ standen am Freitagnachmittag im Aurum an den Mixern. Marco Zimmermann alias „DJ Macz“ und Jann Meinen alias „Q-Seng“ hatten in ihren ersten Auftritt auf so großer Bühne. Bislang haben die beiden Südbrookmerlander vor allem in privaten Partykellern Techno- und House-Klänge aufgelegt. „Das hier ist schon eine andere Hausnummer“, sagte der 32-jährige Zimmermann, der aus Münkeboe kommt. Und der 24-jährige Meinen aus Victorbur betont den deutlich gestiegenen Adrenalinspiegel. Im Lockdown eigneten sich die beiden die DJ-Techniken an. „Andere haben sich Hunde angeschafft oder Kinder bekommen. Ich habe mir ein Mischpult geholt“, berichtete Meinen.

Jann Meinen (links) und Marco Zimmermann legten im Aurum auf.
Jann Meinen (links) und Marco Zimmermann legten im Aurum auf.

Die beiden Südbrookmerlander sind froh, dass sie trotz Lockdown die Chance haben, ihr Können einem breiteren Publikum zu produzieren – wenn auch vorerst „nur“ per Youtube-Video im Internet.

In nicht allzuferner Zukunft, so hoffen sie, können sie dann auch vor großem Publikum im Aurum in Middels auflegen. Wenn sich zu den Bässen und den Stroboskopen und dem Nebel wieder feiernde Menschen dazugesellen dürfen. Wenn das Nachtleben zurückkehrt.

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