Aurich
Schulleiter kritisieren Befreiung von Präsenzpflicht
Noch ist nicht ganz klar, wie viele Eltern ihre Kinder tatsächlich in der Woche vor Weihnachten vom Unterricht abmelden. Doch das Zugeständnis des Kultusministers sorgt bereits für Schwierigkeiten.
Aurich – Schulleiter im Landkreis Aurich kritisieren die mögliche Befreiung von der Präsenzpflicht für Schüler vom 20. bis 23. Dezember. Die Regelung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) stelle die Schulen vor Probleme, sagte der Leiter des Auricher Gymnasiums Ulricianum, Rüdiger Musolf, auf ON-Anfrage. Mehr als 20 Klausuren seien an seiner Schule in den letzten drei Tagen vor den Ferien geplant gewesen. Es gebe nur einen sehr schmalen Zeitkorridor im Januar, um Ersatztermine für diese Arbeiten anzusetzen.
Knapp 2000 Schüler hat das Gymnasium Ulricianum. Bis zum Dienstag dieser Woche hat Musolf von 13 Anträgen auf Befreiung erfahren. Die Zahl könne sich aber noch erhöhen, denn er habe die Klassenlehrer gebeten, alle Anträge zunächst zu sammeln. Auf diese Weise könne er dann alle Anträge gebündelt unterschreiben. Es sei auch noch nicht absehbar, ob Schüler über alle Jahrgänge verteilt in den Tagen vor Weihnachten fehlen würden, oder ob es sich auf einzelne Klassen verteile. Das stehe erst am Freitag dieser Woche endgültig fest.
HTG Ihlow: In einigen Klassen könnten sich die Hälfte abmelden
Der Leiter der Hermann-Tempel-Gesamtschule (HTG) Ihlow, Günter Tautz, sagte auf ON-Anfrage, er habe noch keine endgültige Zahl, da die Abmeldung bis Donnerstag möglich ist. Bislang sei erkennbar, dass sich in einigen Klassen nur wenige Schüler abmelden wollten, in anderen dagegen mehr als die Hälfte. Die abgesagten Klausuren nach den Weihnachtsferien nachzuholen sei schwierig, da bis zu den Zeugniskonferenzen nur noch zwei Wochen Zeit blieben, so Tautz. Möglicherweise könnten Schüler in einzelnen Fällen Ersatzleistungen erbringen, etwa ein Referat oder Ähnliches.
Auch HTG-Leiter Tautz findet die Regelung des Kultusministers „unglücklich“. „Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes“, so Tautz. Letztlich gebe es nun an den drei Tagen vor den Ferien eine Art Betreuung. In der Zeit der Pandemie sei schon so viel Unterricht ausgefallen. „Da sind wir eigentlich dankbar über jeden zusätzlichen Tag.“
Befreiung nur für alle drei Tage möglich
Befreien lassen können Eltern ihre Kinder nach der Vorgabe des Kultusministeriums nur für alle drei Tage im Block. Ein Herauspicken von einzelnen Tagen ist nicht möglich.
Wie berichtet, hatte das niedersächsische Kultusministerium keine vorgezogenen Weihnachtsferien angeordnet. Dafür gab es von Minister Tonne das Zugeständnis der möglichen Präsenzpflicht-Befreiung. Auf Antrag können Eltern ihre Kinder zu Hause behalten. Videounterricht findet nicht statt. Die Kinder müssen den versäumten Stoff selbstständig nachholen. Allerdings dürfen in diesen Tagen keine Klausuren oder Klassenarbeiten stattfinden.