Aurich
SpVg Aurich eilt von Torrekord zu Torrekord
Auricher Bundesliga-Mädchen stellten mit 7:0 eine neue Bestmarke auf. Dabei war die alte erst eine Woche alt. Vor Spielbeginn hatte der Auricher Trainer noch vor dem Gegner gewarnt.
Aurich – Die Bundesliga-Mädchen-Elf der SpVg Aurich hat nach dem Torrekord aus der Vorwoche beim 6:0 gegen Holstein Kiel am vergangenen Sonnabend eine neue Bestmarke aufgestellt. Die spielfreudige B-Juniorinnen-Elf von Trainer Stefan Wilts bezwang auf dem Auricher Ellernfeld den 1. FC Neubrandenburg 04 mit 7:0 Toren.
Ein klares Ergebnis, obwohl Wilts vor Spielbeginn noch vor dem Vorletzten gewarnt hatte. Er gab zu bedenken: „Klar sind wir Favorit, aber wir wissen, wie solche Spiele laufen können, wenn der Gegner hochmotiviert zur Sache geht.“
Mützen, Schals und Handschuhe sind angesagt
Ganz anders hatte zuvor der Auricher Kassenwart am Eingang die Lage bewertet. Er tippte auf einen 3:1-Heimsieg. Die Tendenz stimmte, aber die torhungrige Platzelf wollte mehr, als der Kassenwart und Kontrolleur der Impfausweise ahnte. Rund 50 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion. Jacken, Handschuhe, Mützen und Schals gehörten zur Standardausrüstung. Nasskalt kam der Sonnabendnachmittag daher. Der Rasen präsentierte sich in einem guten Zustand. Den Grund dafür verriet Wilts nach dem Spiel.
Die Rollen im Spiel waren schnell verteilt. Die SpVg Aurich nahm die Favoritenrolle an und setzte Neubrandenburg unter Druck. In der Anfangsviertelstunde ließen die Gäste jedoch keine großen Möglichkeiten zu. Sie störten früh die Angriffsaktionen der Auricherinnen und hielten den Angriffen Stand. Das sollte sich aber ändern.
Ein Eckball mit Folgen
Mit einer Standardsituation (15.) wurde der Auricher Torregen eingeläutet. Emily Reens zirkelte von der linken Seite einen Eckball in den Strafraum. Der scharf getretene Ball schlug im oberen Winkel am langen Pfosten ins Netz ein. 1:0 für die SpVg. Der Kunstschuss als Dosenöffner. Für Trainer Wilts aber keine Überraschung, denn „Emily beherrscht diese Schüsse einfach klasse. Es war nicht ihr erster direkt verwandelter Eckball“. Wenige Minuten später jubelten erneut die Auricher-B-Mädchen. Sie hatten zuvor einen langen Ball von Elisabeth Steiner in den gegnerischen Strafraum segeln sehen, den Jule Kersten per Kopf in die Maschen versenkte. Als dann noch Ana-Carolin Hoffmann in der 26. Minute aus kurzer Entfernung das 3:0 markierte, waren die Vorbehalte von Trainer Wilts vor Beginn der Partie verflogen. Seine Mannschaft hatte den Gegner und das Spiel fest im Griff. Es ging nur noch um die Höhe des Sieges.
Und Neubrandenburg? Die Gäste erlaubten sich immer wieder leichtfertige Ballverluste vor dem Strafraum und auch Torfrau Alissa Linde-Maziej griff einige Male am Ball vorbei oder wehrte zu kurz ab. Fehler, die Aurich nutzte und für Gefahr sorgte. So wie kurz vor dem Halbzeitpfiff, als die Heimelf ein Abseitstor markierte. Kurz vorher lag für die Gäste ein Treffer in der Luft, als Lara Schön den Auricher Pfosten traf.
Devise des Trainers
In der Halbzeit machten sich die Zuschauer auf zur Getränkeausgabe. Dabei standen die heißen Getränke hoch im Kurs. In der Kabine präparierte Wilts seine Mannschaft für die zweiten 40 Minuten. Sein Motto: „Den Ball vom eigenen Tor fernhalten und nach vorne spielen.“ Das gelang den Auricherinnen. Sie stillten auch im zweiten Durchgang ihren Torhunger. Dabei hatten sie leichtes Spiel mit der löchrigen Gästeabwehr und der eingewechselten Ersatztorfrau Leonie Celine Hermann. Auch sie patzte mehrfach und sollte vier Tore kassieren.
Wenige Minuten nach Wiederanpfiff machte Steiner mit dem 4:0 den Sieg perfekt. Sehenswert war dann der fünfte Treffer, als Lillie Paulin Kempe den Ball mit einem wuchtigen Weitschuss ins Netz des Gegners versenkte. Als Lizzy Weinkauf auf 6:0 erhöhte, hätte man denken können, dass auf der Auricher Trainerbank Ruhe einkehrt. Zufrieden mit dem Erreichten – Fehlanzeige. Trainer Wilts gab fortan laute Kommandos. Er schrie „Konsequenter“, „Tiefer stehen“ oder „Schieben“ auf das Feld. Der Coach wollte seine Spielerinnen in Bewegung halten. Bloß nicht nachlassen und womöglich noch ein Gegentor einfangen. Dafür gab Neubrandenburg aber keine Anzeichen.
Letzte Aktion macht Torrekord perfekt
Und so war es den Auricherinnen mit dem Schlusspfiff vorbehalten, den neuen Torrekord von 7:0 einzufahren. Dafür war Marie Omoze Okoroh verantwortlich. Sie platzierte einen Freistoß direkt ins gegnerische Tor. Ein schöner Schuss in einem sehenswerten Spiel. Auch Trainer Wilts war zufrieden. Er meinte: „Wir waren in der Abwehr und im Torabschluss konsequenter. Unser Gegner stand unter Druck. Wir hatten es da wesentlich leichter.“
Walze vollbringt Wunder
Bis zur Winterpause stehen noch zwei Spiele für die Bundesliga-Mädchen auf dem Programm. Am kommenden Sonnabend ist die SpVg beim Magdeburger FFC zu Gast. Am 18. Dezember treffen die Auricherinnen zu Hause auf Tabellenführer Meppen. Bis dahin wird sich Kotrainer Thorben Cordes wohl wieder um den Auricher Platz kümmern, verriet Trainer Wilts. So wie er es zuvor vor schon einige Stunden lang mit einer Walze gemacht hatte. Am vergangenen Sonnabend dankten es ihm die Spielerinnen mit einem neuen Torrekord. Wer weiß, was gegen Spitzenreiter Meppen kurz vor Weihnachten möglich ist.