Aurich
Betriebsleiter: Biotonnen-Waschservice schwer umsetzbar
In den Biotonnen sieht es oft unappetitlich aus, doch Plastiksäcke sollen nicht hinein. Der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs stellte nun Lösungsmöglichkeiten vor – und gab seine Einschätzung.
Aurich - Einen Waschservice für verschmutzte Biotonnen wird es im Landkreis Aurich wohl so schnell nicht geben. Der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, Hans-Hermann Dörnath, ist nicht überzeugt von den Umsetzungsmöglichkeiten.
Er präsentierte im Abfall-Betriebsausschuss am Donnerstag verschiedene Varianten für einen solchen Service, der unerwünschten Maden und anderen Begleiterscheinungen den Garaus machen könnte. Ein Modell wäre ein kompletter Austausch der Biotonne – mit anschließender Reinigung im Wertstoffhof. Das aber sei im Kreis Aurich so nicht umsetzbar. So gehörten zum Beispiel die Tonnen den Bürgern – und der Chip in den Behältern müsste gelöscht werden.
Eigene Reinigungsfahrzeuge: personalintensiv und teuer
Eine zweite Möglichkeit wäre laut Dörnath der Einsatz eigener Reinigungsfahrzeuge. Allein ein solches Fahrzeug würde in der Anschaffung gut 330 000 Euro kosten, rechnete Dörnath vor. Damit seien 250 bis 300 Reinigungen am Tag zu schaffen. Der Landkreis bräuchte wahrscheinlich vier dieser Spezialfahrzeuge, die außerdem wartungsintensiv seien. Außerdem müssten fünf Mitarbeiter dafür eingestellt werden.
Die Gesamtkosten im Jahr lägen bei rund 700 000 Euro. Dann müsse man darüber reden, ob man diese Kosten durch höhere Grundgebühren oder einzelne Servicegebühren wieder hereinholt. Am Ende sei fraglich, wie viele Bürger den Service tatsächlich nutzen wollten und was sie dafür zu zahlen bereit wären, so Dörnath.
Für Dienstleister vor allem in Städten lohnenswert
Dritte Möglichkeit für den Biotonnen-Waschservice wäre eine externe Dienstleistungsfirma, die diese Aufgabe im Landkreis Aurich übernehmen könnte. Das gebe es anderswo durchaus und laufe dort meist über sogenannte Abomodelle, erklärte Dörnath. Dieses Angebot nutzten etwa Wohnungsbaugesellschaften. Das könne er sich prinzipiell auch im Landkreis Aurich vorstellen, wenn sich denn eine Dienstleistungsfirma dafür fände. Rechnen würden sich solche Modelle aber vor allem im städtischen Bereich, also wohl höchstens in Aurich, Norden und auf Norderney, so Dörnath.
Insgesamt hält der Leiter des Abfallwirtschaftsbetrieb ein Biotonnen-Wasch-Service für alle Bürger im Landkreis Aurich für nicht verhältnismäßig. Aus seiner Sicht gibt es eine sinnvolle Alternative: den 120-Liter-Papiersack für die Biotonne, durch den der Behälter sauber gehalten werden könne. Die Säcke kosten laut Dörnath nur einen Euro. Das sei ein vertretbarer Preis.
Kontrollen und Sanktionen halfen gegen Plastik in Biotonnen
Wie berichtet hatte der Landkreis in der Vergangenheit festgestellt, dass sich zu viele Kunststofffolien in den Biotonnen fanden. Durch die Aufklärungskampagne „Trenn Dich korrekt“, vor allem aber durch strengere Kontrollen und Sanktionen wie das Stehenlassen der Tonnen konnte der Anteil von „Fremdstoffen“ in den Behältern immerhin von sechs auf rund zwei Prozent reduziert werden.
Auch die Kreispolitiker waren am Ende noch von einem Waschservice überzeugt. „Das ist zu teuer, wenn man Kosten und Nutzen vergleicht“, sagte Anita Biller (SPD, Ihlow). Auch Arnold Gossel (CDU, Aurich) meinte: „Man sollte darauf verzichten.“