Südbrookmerland
Dörpmuseum: Kurze Saison, aber zufriedenstellende Zahlen
Ins Dörpmuseum Münkeboe kamen im kurzen Sommer 8111 Gäste. Dass die großen Veranstaltungen ausfielen, ist der Bilanz aber anzumerken. Für das nächste Jahr bereitet das Team eine neue Attraktion vor.
Münkeboe - Eine kurze Saison liegt hinter dem Dörpmuseum Münkeboe. Dennoch ist Museumsleiter Otto Klatt am Ende mit den Zahlen zufrieden. Das Freilichtmuseum öffnete coronabedingt nicht wie sonst am 20. März zum Frühlingsbeginn, sondern diesmal erst am 8. Juni. Damit fehlten die Osterferien, das Pfingstfest, ganze zweieinhalb Monate.
Ab dann konnte sich die Besucherzahl aber sehen lassen. 33 Gäste kamen im Tagesdurchschnitt im Juni. Im Juli waren es schon 57 Gäste pro Tag, im August gar 109 im Schnitt. Während im Jahr 2020, dem ersten Corona-Jahr, an insgesamt 145 Öffnungstagen 6720 Besucher kamen, waren es jetzt an nur 127 Öffnungstagen immerhin rund 1500 mehr. 8111 Besucher fanden ihren Weg aufs Museumsgelände.
Knapp halb so viele Besucher wie in den Jahren vor Corona
Coronabedingt gab nur drei der beliebten Aktionstage in diesem Jahr. Beim ersten im August strömten 500 Leute ins Museum. „Wir hatten es noch nie, dass die Leute Schlange stehen mussten, aber an dem Tag war es so“, sagt Klatt. Im Eingangsbereich hängt ein Code für die Luca-App - direkt über dem Desinfektionsmittelspender. „Die Leute waren sehr geduldig und diszipliniert“, so der Museumsleiter.
Ein viertägiger Workshop des Monumentendienstes zu den Themen Fensterinstandsetzung, Türenrestaurierung, Marmorierung und Vergoldung lockte Eigentümer alter Gebäude und Handwerker ins Dörpmuseum, um alte Handwerkstechniken in der Praxis auszuprobieren. Zudem fand die Jahrestagung des Ostfriesischen Oldtimer-Clubs auf dem Museumsplatz statt. Im August gab die Folkband Laway ein Konzert im Museum. Und im Oktober gab es beim dritten Aktionstag eine Scheckübergabe, eine Andacht und Musik der Münkeboer Chöre.
Die Bilanz: In dieser Saison kamen täglich durchschnittlich 64 Besucher. Damit ist Klatt angesichts der Umstände zufrieden. Es sind jedoch nur rund halb so viele wie in den Jahren 2018 oder 2019, als es noch etliche große Veranstaltungen gab.
Weihnachtsdeko steht in den Startlöchern
Und es hätten in diesem Jahr noch weit mehr sein können. Denn die Münkeboer Festtage wurden erneut abgesagt, weil die Verantwortlichen von der Dörp-AG keine Möglichkeit sahen, für die Einhaltung der Auflagen zu garantieren. Der Weihnachtsbasar ist ebenfalls abgesagt. Wegen der nötigen Abstände hätte man einigen Ausstellern absagen müssen. „Aber wen lädt man ein und wem sagt man ab?“, fragt Klatt rhetorisch. Das war keine Option. Klatt findet die Absage besonders schade, weil Basar und Verknobelung zusammengefallen wären. Wieder ein Stück Brauchtum, das in diesem Jahr nicht gepflegt werden konnte. Auf den beleuchteten Weihnachtsbaum will der Verein aber nicht verzichten. Am Sonnabend wurden bereits die Lampen für die Weihnachtsbeleuchtung im Dorf kontrolliert und im Museum gärtnerisch aufgeräumt. „Da waren mehr als 20 Helfer da“, so Klatt.
Jubiläum fiel flach
Die größte Veranstaltung des Jahres musste auch abgesagt werden - eher heimlich, still und leise. Münkeboe wollte seinen 250. Geburtstag feiern. Mit einem Open-air-Theaterstück mit der Folkgruppe Laway im Museum, einem Riesenrad und vielen Aktivitäten. Doch aus das musste abgesagt werden. Und wann es nun weitergehen kann, ist offen, wie Klatt sagt. Es müsste Fördergeld eingeworben werden – und das braucht Vorlauf.
Vorlauf brauchte im Genehmigungsverfahren auch der Bau des neuen Apothekengebäudes, das dann aber am 3. Mai Spatenstich feierte. Nach dem Tornado in Berumerfehn setzte das Bauunternehmen zunächst andere Prioritäten. Doch nun soll es weitergehen, wie Klatt sagt.
400 Jahre altes Inventar bekommen
Nun ist der Rohbau fertig. Klatt hofft, dass im November die Fenster und Türen eingebaut werden können, damit auch der Innenausbau weitergeht. Verfugen, der Einbau der Holzdecke, das Fließenlegen – es ist noch eine Menge zu tun. Ob die historische Apotheke rechtzeitig zur neuen Saison einziehen kann, ist offen. Das Museum kombiniert laut Klatt historische Apothekenmobiliar der Adler-Apotheke Marienhafe mit bis zu 400 Jahren alter Ausstattung der Hager Apotheke. Sogar die alte Apothekentür wird eingebaut. Damit ist der linke Teil des Neubaus gut gefüllt.
Unter dem Dach findet darüber ein Büro Platz. Die Decke besteht aus Holz – auch wenn der Rest des Neubaus moderner ist als um 1900.
Die andere Hälfte des Dachgeschosses soll als Kleiderfundus genutzt werden. „Durch den Korso haben wir viele Kleider, die bislang alle in irgendwelchen Koffern gelagert werden“, so Klatt. Dort sollen sie sortiert auf Bügel gehängt werden – für mehr Übersicht.
Heilpflanzengarten soll Apotheke hervorheben
Im Neubau werden zudem drei alte „Werkstätten“, die bislang im ersten Stock der Mühle gezeigt werden, barrierefrei zugänglich. Vorne rechts findet der Herrenfriseursalon seinen Platz und ebenso ein Ofen, der bislang nicht gezeigt werden konnte. Dahinter wird die Schuhmacherwerkstatt einziehen. Im hinteren Raum ist Platz für die Schneiderei mit ihren Nähmaschinen und einem großen Tisch, an dem auch Workshops stattfinden können. Vor dem Gebäude soll ein großer Heilpflanzengarten angelegt werden. „Früher mischten die Apotheker einige Arzneien daraus selber zusammen“, so Klatt.
Auch wenn es historisch nicht „korrekt“ ist, wird in dem neuen Gebäude Fußbodenheizung verlegt. Vom Neubau aus kann laut Klatt sogar das Nachbargebäude, die Gaststube, mit geheizt werden.
Veränderungen auch in der Mühle
Die Schuhmacherei, der Friseursalon und die Schneiderei sollen nach und nach umziehen. Als erstes wird die Apotheke fertig. Auf die Mühle kommt – voraussichtlich zur Saison 2023 dann eine Neukonzeption der frei werdenden Ausstellungsfläche zu. Der Vorstand bereitet sich derzeit darauf vor. Zum Erntefest hätten sich die Mühlenflügel wieder mal gedreht, sagte der neue Vorsitzende Karl Constant auf ON-Nachfrage. Damit der Galerieholländer von 1854 in Schuss bleibe, seien noch einige Reparaturen nötig.
Klatt geht mit etwas Skepsis in die nächste Saison. Nicht wegen der Arbeit, die noch wartet, sondern wegen der ungewissen Corona-Lage. Ob das Schlachten stattfinden könne, sei völlig offen. Auch der Saisonbeginn stehe letztlich in den Sternen. „Wir planen, als wenn es im März wieder weitergeht“, so Klatt. Einen Termin für die Ungarn-Woche hat er schon festgelegt.