Aurich

Booster: Viel Verunsicherung bei Impfwilligen

| | 17.11.2021 20:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Booster-Impfungen werden auch von kommunalen Stellen angeboten – den Großteil sollen jedoch die Hausärzte leisten. Foto: DPA
Booster-Impfungen werden auch von kommunalen Stellen angeboten – den Großteil sollen jedoch die Hausärzte leisten. Foto: DPA
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Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Auffrischung bislang nur für Über-70-Jährige – der Bundesgesundheitsminister dagegen für alle. Die Ärzte im Landkreis Aurich sehen darin kein großes Problem.

Aurich – Zunehmende Verunsicherung macht sich einmal mehr breit bei den Impfwilligen im Landkreis Aurich. Am Dienstag meldete sich zum Beispiel eine 68-jährige Leserin bei den ON. Sie habe die Anzeige des Bundesgesundheitsministerium in der Zeitung gesehen. Dort stand, dass alle Über-60-Jährigen sich sechs Monate nach der letzten Impfung gegen das Coronavirus um den „Booster“, also die Auffrisch-Impfung, bemühen sollten. Die Dame fragte also bei ihrem Hausarzt nach. Doch der verwies auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), die den „Booster“ bislang nur Über-70-Jährigen empfiehlt. Ebenso der Landkreis Aurich, der auch bei seinen Sonder-Impftagen im EEZ nur Über-70-Jährige für die Drittimpfung zulässt.

Ärztekammer-Vorsitzender: Halten uns an Stiko-Empfehlung

Hiesige Ärztevertreter bestätigten auf ON-Anfrage, dass sie sich in der Regel, bis auf wenige Ausnahmen, an die Stiko-Empfehlung halten. Durch den empfohlenen Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfung bekomme man eine gute Reihenfolge, sagte der Vorsitzende des Auricher Ärztevereins, Dr. Lukas Bockelmann (Timmel), auf ON-Anfrage.

Auch der Vorsitzende der Ärztekammer Aurich, Dr. Jörg Weißmann (Emden), sagte auf ON-Anfrage: „Grundsätzlich halten wir uns sehr an die Stiko-Empfehlung.“ Er hält es für sinnvoll, die Halbjahresfrist abzuwarten. „Die sollte auch nicht verkürzt werden.“ Es sei „überhaupt nicht schlimm“, wenn die Frist ein wenig überschritten werde. „Das wird überdramatisiert“, meint Weißmann.

Doch was passiert, wenn die Stiko ihre Booster-Empfehlung auf alle Erwachsenen ab 18 Jahren ausweitet, wie Vorsitzender Thomas Martens es in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz am Dienstagabend angekündigt hatte – und wie auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn es sich wünscht?

Weißmann: „Es ist Zeit und Platz für alle da“

Trotz des dann zu erwartenden Ansturms auf die Praxen bleiben die beiden Ärztevertreter ruhig und besonnen. „Es ist Zeit und Platz genug für alle da“, sagte Weißmann. Und auch Bockelmann meinte, er habe keine Sorge vor einer Überbelastung der Praxen durch die Booster-Impfungen. Seine viel größere Sorge seien die Millionen von ungeimpften Deutschen, die das Corona-Infektionsrisiko erheblich vergrößern.

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Auch Dr. Hans-Hermann Meyerholz, der eine Kinderarzt-Praxis in Moordorf betreibt, hält die vielen Booster-Impfungen durch Ärzte für machbar. In seiner Praxis würden derzeit wieder mehr als 100 Impfungen pro Woche gemacht, nicht nur für Kinder. Doch es gebe leider Kollegen, die nur 20 Impfungen pro Woche machten. Es seien deutlich mehr möglich, „wenn die nur wollen“. Er selbst habe schon Über-80-Jährige den „Booster“ gegeben, weil diese bei ihren Hausärzten erst in mehreren Monaten einen Termin bekämen.

Meyerholz: „Alle Kollegen sollten jetzt Gas geben“

Meyerholz appelliert an alle Kollegen, sich an der Impfkampagne zu beteiligen und „in den kommenden Wochen Gas zu geben“.

Von einer Wiederöffnung der Impfzentren hält Meyerholz wenig. „Die waren im Vergleich zu uns Ärzten eher ineffizient und kosteten ein Vielfaches.“

Zur Erinnerung: Der Wiesmoorer Hausarzt Dr. Jens Höllge hatte vergangene Woche in den ON von seinem „Hilferuf“ an die Kassenärztliche Vereinigung berichtet. Die Vielzahl der Booster-Impfungen seien angesichts ohnehin voller Arztpraxen im Herbst kaum zu schaffen, hatte er gesagt.