Emden

VW-Werk: Großer Umbau in schwierigen Zeiten

| | 09.11.2021 19:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Fördertechnik in der neuen Montagehalle 20 ist bereits eingebaut. Foto: Recke
Die Fördertechnik in der neuen Montagehalle 20 ist bereits eingebaut. Foto: Recke
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Trotz Chip-Bauteil-Krise und Kurzarbeit rüstet VW die Emder Fabrik auf den Bau von E-Autos um. Überall im riesigen Werk wird gebaut und geschult. Es gibt sogar einen „Escape-Room“.

Emden - Werksleiter Uwe Schwartz hat es derzeit nicht leicht. Wegen des weiter bestehenden Chipteilemangels gibt es immer wieder Kurzarbeit in der Emder VW-Fabrik. Derzeit wird nur dienstags bis donnerstags gearbeitet. Die Fabrik muss alle paar Tage hoch- und runtergefahren werden. „Es ist extrem schwer, in den Rhythmus zu kommen“, sagte Schwartz am Dienstag bei einem Pressegespräch.

In Halle 2 lernen die Mitarbeiter neue Handgriffe. Foto: Recke
In Halle 2 lernen die Mitarbeiter neue Handgriffe. Foto: Recke

Dabei steckt das Werk mitten im größten Umbau seiner Geschichte – mit großen Zukunftschancen und Herausforderungen. Insgesamt sechs neue Fabrikhallen wurden hochgezogen. Herzstück ist die neue Montagehalle 20. Derzeit wuseln noch 800 Bauarbeiter durch das Riesenbauwerk. Doch noch in diesem Jahr sollen die ersten Vorserienexemplare des Elektro-SUV ID 4 vom Band rollen, wie Planer Bernhard Eden erläuterte. Die Automatisierung werde, anders als im Karosseriebau, eher gering sein mit 35 Robotern. Vorteil für die Emder: Der ID 4 läuft im Werk Zwickau schon seit August 2020 vom Band. „Wir gehen deshalb von einem effizienteren Anlauf bei uns aus“, so Eden. Gut 500 Mitarbeiter pro Schicht sollen in der neuen Montagehalle zunächst tätig sein – mittelfristig auch in einer dritten, einer Nachtschicht.

Im „Escape-Room“ sollen Mitarbeiter spielerisch E-Mobilität lernen

Derzeit trainieren zahlreiche Mitarbeiter für diesen Einsatz in einem Bereich der Halle 2, wo bislang die abgebaute zweite Montagelinie stand. Die Kollegen lernen hier die neuen Handgriffe für die E-Autos, wie Timo Ihben und Frank Feldkamp erläuterten. Ein Unterschied zu den Verbrennermodellen wie dem Passat seien etwa die orangefarbenen Hochvoltleitungen im Fahrzeug.

Der Bau der Elektroautos erfordert viel Training. Foto: Recke
Der Bau der Elektroautos erfordert viel Training. Foto: Recke

Mental auf die neue E-Auto-Welt vorbereitet werden die Mitarbeiter im Trainingszentrum. Denn viele Werker hätten immer noch Vorurteile gegenüber der Elektromobilität, wie Leiter Ingo Welke erklärte. Die Ängste wolle man ihnen nehmen – zum Beispiel mit „Gamification“, also spielerischem Lernen. Da gibt es etwa einen „Escape“-Raum im Wohnzimmer-Stil, in dem die Geschichte der Elektromobilität aufgerollt wird. Oder ein Training mit „Virtual Reality“-Brille. Insgesamt 1500 von 8000 Mitarbeitern haben die Schulungsmaßnahmen schon durchlaufen. 400 Werker waren bereits im Werk Zwickau, um vom dortigen Elektro-Anlauf zu lernen. „Für die Mitarbeiter ist es ein bisschen ein Neuanfang“, so Welke.

Logistik soll direkt an Montage angebunden werden

Aus Sicht des Managements ist der große Werksumbau auch eine Chance auf noch höhere Produktivität, damit VW mit neuen Konkurrenten wie Tesla mithalten kann. So ist die Logistik mit den neuen Hallen künftig direkt an die Montage angebunden, mit kürzeren Wegen und weniger Kosten. Vollautomatisierte Hoch- und Kleinteilelager sollen 30 Prozent Flächen einsparen. Das Werk Emden, schwärmte Fabrikchef Schwartz, werde zum „Leuchtturm der Elektromobilität im Norden“. Geplant sei nach dem Umstieg auf E-Autos die Vollauslastung der Fabrik, in der jährlich 260.000 Fahrzeuge gebaut werden könnten.

In der Montage kommen, anders als im Rohbau, nur wenige Roboter zum Einsatz. Foto: Recke
In der Montage kommen, anders als im Rohbau, nur wenige Roboter zum Einsatz. Foto: Recke

VW-Produktionsvorstand Christian Vollmer sprach von einem „Traumszenario“, das Emden mit den drei Elektromodellen ID 4, Aero B und Aero B Kombi vor sich habe. Mit dem noch parallel laufenden Bau der Verbrenner Passat und Arteon könne die Produktion zudem „atmen“.

Der Vorstand aus Wolfsburg vergaß nicht, an die Mitarbeiter zu appellieren: „Wir müssen auf Teamgeist und Wir-Gefühl setzen.“ Fest steht: im „Escape-Room“ des Trainingszentrums gibt es einen Tresor. Darin findet sich ein Text – über die Beschäftigungssicherungsgarantie bis 2029.

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