Aurich
Auricher Kreisbahn testet Elektrobus
Ein E-Bus wird diese Woche auf den Strecken von Aurich nach Wiesmoor und Bensersiel ein Hingucker sein. Ob und wann der Umstieg auf alternative Antriebe tatsächlich kommt, hängt von mehreren Faktoren ab.
Aurich - Er wird in den nächsten Tagen sicher ein Hingucker sein: Eine Woche lang testet die Auricher Kreisbahn einen Elektrobus auf zwei Linien. Zwischen Aurich und Wiesmoor (Linie 462) sowie zwischen Aurich und Bensersiel (Linie 473) wird zeitweise ein Iveco E-Way GX 3337 im Einsatz sein. Ziel des Tests sei, Erkenntnisse für eine Elektrifizierung der Busflotten zu gewinnen, sagte der Geschäftsführer der Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ) am Montag bei einem Pressetermin. Erfahrungen sollen zum Beispiel hinsichtlich der Reichweite gesammelt werden. Der Iveco schafft bis zu 250 Kilometer mit elektrischer Klimaanlage und 400 Kilometer mit konventioneller Klimaanlage. „Die Reichweite ist für uns ein Hauptkriterium, gerade im ländlichen Raum“, erklärte der neue Geschäftsführer der Auricher Kreisbahn, Jens Buß. Doch für das Busunternehmen spielen weitere Faktoren eine Rolle, ob und wann der Umstieg auf alternative Antriebe in großem Stil tatsächlich erfolgen kann, hieß es am Montag.
VEJ-Geschäftsführer: „Der ÖPNV muss sauberer werden“
Möglich wird der Test durch ein Projekt der Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ), die sieben hiesigen Unternehmen verschiedene Busse mit alternativen Antrieben für einen Probebetrieb zur Verfügung stellt. „Derzeit haben wir eine dieselgetriebene Flotte. Unser Ziel ist, auch lokal emissionsfrei zu werden. Der ÖPNV muss sauberer werden“, sagte VEJ-Geschäftsführer Tilli Rachner am Montag bei einem Pressetermin auf dem Auricher Kreisbahn-Betriebshof.
Die Unternehmen haben im Testbetrieb die Möglichkeit, Praxis-Erfahrungen mit den Elektrobussen zu sammeln. So soll unter anderem herausgefunden werden, ob es sinnvoller ist, die Fahrzeuge nachts oder tagsüber zwischen verschiedenen Umläufen aufzuladen.
Ausbau der Infrastruktur würde Millionen kosten
Kreisbahn-Geschäftsführer Jens Buß erklärte, allein der Bau einer Infrastruktur für 10 bis 15 Elektrobusse würde wohl einen siebenstelligen Betrag kosten. Außerdem müssten Mitarbeiter speziell geschult werden. Auch die Disposition der Touren sei mit Elektrobussen anspruchsvoller. Immerhin werde man bei einer möglichen zukünftigen Umstellung auf alternative Antriebe wohl mit Fördergeldern rechnen können, so Buß.
Auch die Fahrzeuge selber sind noch deutlich teurer als ihre Diesel-betriebenen Gegenstücke. So kostet ein Elektrobus rund eine halbe Million Euro – die Diesel-Variante eher die Hälfte.
Betriebskosten könnten geringer sein
Allerdings könnten die Betriebskosten bei E-Bussen angesichts stark steigender Spritpreise durchaus geringer sein, hieß es am Montag. Der Vetriebsbeauftragte für Niedersachsen/Bremen, des Herstellers Iveco, berichtete, in Paris seien von den Elektro-Bussen sogar schon 700 Stück in Betrieb, in Deutschland insgesamt erst 25. Er betonte aber zugleich, dass sein Unternehmen nicht allein auf Batterieelektrische Busse setze. Man entwickele auch Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge.
Buß: Druck vom Gesetzgeber wird kommen
Auf welche Technik etwa die Auricher Kreisbahn, die zu zwei Dritteln dem Landkreis gehört, setzt – und wann es soweit ist, steht noch nicht fest. Geschäftsführer Jens Buß aber ist sicher: „Der Druck vom Gesetzgeber wird kommen, die Flotten mit alternativen Antrieben auszustatten.“
Kreisrat Sebastian Smolinski betonte, in den Nahverkehrsplänen des Landkreises sollten alternative Antriebsformen eine immer wichtige Rolle spielen.
Wer einmal mit dem Elektrobus mitfahren möchte, kann sich unter Tel. (0 49 41) 9 56 00 erkundigen, wann dieser im Einsatz ist.